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Von Nassar eingeladen werden ist eine Ehre.
Er residiert mitten in einem Gewerbegebiet.
Munz fährt mich. Großholz fährt besser, aber Munz ist mir lieber. Beide sind in meiner Agentur angestellt. Ich selbst habe keinen Führerschein; der Bentley ist unser Firmenwagen.
Nassar ist privat ganz anders. Genießer, kein gerissener Geschäftsmann mehr. Ist in bequeme und luxuriöse Gewänder gehüllt. Auf einem niedrigen Polstersessel hocken ist für ihn bequem, nicht für mich. Ich stecke zudem in einem zwar teuren, aber nicht wirklich anschmiegsamen Anzug.
Allerlei Palaver; geschäftliche Dinge. Erst nach langer Zeit kommt Nassar auf »Bonbon« zu sprechen.
Das ist mein Nachbarsjunge Tim.
Jetzt erst erfahre ich, dass er eine Schwester hatte. Die kaum 3 Monate alt gestorben ist.
Mit einem Kissen erstickt. Wie der damals 5-jährige Timur durchaus erfahren konnte.
Tims Vater arbeitet noch heute in einer der zahlreichen Firmen von Nassar, .
Damals Prokurist. Danach, und bis heute, Lagerarbeiter.
»Ich weiß, Tim ist nicht großes Licht!« sagt Nassar. »Aber, Tim ist Scharara!«
Und erklärt: »so nennen wir kleine Flamme im Gasherd. Brennt Tag und Nacht!«
Schließlich rufe ich Munz an, damit er vorfährt. Munz ist in der Zwischenzeit bei »Andronaco« eingekehrt. Italienischer Großhandel, nebenbei Supermarkt und Restaurant.
Nassar und seinesgleichen bringen das Wichtigste, wie nebenbei, erst zum Schluss.
"Ja, du und Timur, große Liebe. Auch ich muss Gesetz achten. Um Gesetz immer Mauer.
In Mauer viele Tore. Großes Tor, kleines Tor.
Jedes Tor mit Wächter, sehr streng! Manche immer schlafen, manche oft betrunken, viele können von Lohn allein nicht leben. Viele Wächter gute Freunde von mir!"
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