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Deutscher Nationalismus wurde 1848 progessiv gefühlt. Daß heute sowohl die deutsche „Linke“ wie auch die „Mitte“ Nationalismus zutiefst verwerfen, ist nicht etwa ein Erweis der Opposition, die man gegenüber den Nationalisten des vorigen Jahrhunderts einnimmt, und schon gar nicht dafür, daß jene demnach „rechts“ eingestuft werden müssen.
Im Gegenteil, der linke Antinationalismus des 20. Jahrhunderts ist das Pendant des früheren Nationalismus, denn er tauscht die Nation gegen pannationale Kategorien, gegen eine internationale Utopie - nichts anderes aber taten jene Revolutionäre, wenn sie die Mächtigen des Flickenteppichs stürzen wollten, um eine Einheit nach größerer Kategorie zu schaffen. Sie fühlten sich nicht mehr als Preußen, Sachsen oder Holsteiner, sondern - damals völlig neu und progressiv - nur noch als Deutsche. Beiden, den Linken des 20. Jahrhunderts wie jenen Nationalisten, ging es um Aufbruch aus der Enge lokalen Denkens.
Wenn auch die Studenten von ‘48 vom Selbstgefühl her nicht weit von den 68'gern dieses Jahrhunderts entfernt waren, so besteht indes kein Zweifel, daß es deren direkte Nachfolger heute umsomehr sind:
Die Bünde und Verbindungen, deren Kampfbarkeit sich in anachronistischem Säbelrasseln erschöpft. Sie bekennen sich immernoch zur Nation, die längst dem gleicht, was die Gründer dieser Bünde einst bekämpften. Mit den fechtenden Studentenverbindungen ist das dialektische Prinzip schlagende Gestalt geworden, daß Entwicklungen ihr rückläufiges Moment von Anfang an in sich bergen, daß sich über die Generationen hinweg eine Bewegung in ihr Gegenteil verwandeln kann, gerade weil sie sich einer Verwandlung verweigert.
Im Falle der Bünde hat sich - Schritt für Schritt, Generation um Generation - an die Stelle von Freigeist Spießertum geschlichen, an die Stelle von Revolution Reaktion. Allein das Etikett ist geblieben, allein der Name, in dem das Reziproge zur Einheit verschmilzt, eine Disjunktion ähnlich dem Begriff „Nationalsozialismus“ .
An diesem Beispiel mag illustriert werden, was dem Teil der deutschen Linken zu blühen droht, der sich realpolitischer Wandlung verweigert. Der Fundamentalismus wird dem Fundament verlustig gehen. Das Gefühl von Revolution wird eingetauscht gegen eine Renaissance von Motiven und Idealen von rechts. Motive, die man bis dato bei Blut-und-Boden-Schwärmern vermutet hätte, reichern das Spektrum »linker« Motive schon seit Mitte der 70'ger Jahre an. Während alles gebannt auf die „neue Rechte“ starrt, haben die alten Dämonen also noch einen zweiten, einen perfiederen Weg für ihre Rückkehr gefunden: sie kommen von der anderen Seite.
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