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Max van der Moritz schrieb am 4.8. 2002 um 14:47:45 Uhr über

SilvioGesell

Gedanken über den Wert des Geldes



Da sich die Wirtschaftswissenschaft ja nicht einmal einig ist, was überhaupt zur Geldmenge gerechnet werden kann, geschweige denn was seinen Wert bestimmt, möchte ich das einmal an einem sehr engbegrenzten Geldbegriff untersuchen. Ich rechne zur Geldmenge nur Banknoten und Münzen (legal tender) die im Auftrag einer Regierung von einer Zentralbank herausgegeben werden und lasse alle Geldsurrogate vorerst beiseite in unserer Untersuchung.

Dann nehmen wir die Quantitätsformel des Geldes und zwar die für diesen Zweck völlig ausreichende Formel MV = PT wie sie Irving Fisher verwendete, wobei M die Geldmenge, V die Umlaufgeschwindigkeit, P den allgemeinen Preisstand und T alle mit Geld getätigten Güter und Leistungsübertragungen (transfers) darstellt.

Da wir ja nach dem allgemeinen Preisstand fragen, der gleichzeitig der Wert des Geldes ist, müssen wir P auf einer Seite der Gleichung isolieren und damit kommen wir auf die Formel P = MV : T

Das heißt also, daß sich der allgemeine Preisstand (oder der Wert des Geldes) aus dem Verhältnis von umlaufender Geldmenge zu den mit einem bestimmten Preis umgesetzten Gütern ergibt. Einfach und klar und ohne wenn und aber.

Da Irving Fisher mit seiner Formel nur eine vollendete Tatsache feststellt, sollten wir vielleicht besser sagen: „Der Wert des Geldes hat sich aus den Verhältnis von Geldmenge mal Umlaufgeschwindigkeit und dem Güterstrom ergeben."

Das genügt für den Zweck unserer Untersuchung auch, denn wenn wir wissen was den Wert des Geldes bestimmt, haben wir ja die Frage beantwortet.

Welche Rolle die Geldsurrogate wie Giroüberweisungen, Handelswechsel, Cashcards oder Kreditkarten dabei spielen und ob man sie der Geldmenge zurechnen soll oder sie als körperlosen Umlauf von Geld ansieht ist hier von untergeordneter Bedeutung und eine fiktiveDeckung" des Geldes spielt nur dann eine Rolle, wenn sie direkt oder indirekt die Geldmenge beeinflußt.

Für den Zweck Bewegungen des Geldwertes, also Inflation oder Deflation zu untersuchen, ist diese Formel allerdings nicht geeignet. Da muß man T durch W ersetzen, welches nicht einen vollendeten Transfer darstellt sondern einen potentiellen, nämlich das Waren und Dienstleistungsangebot. Die Gleichung verliert dadurch allerdings eine fixe Größe, aber die wirksamen Kräfte können trotzdem klar erkannt werden und als periodische Gleichung auch einigermaßen berechnet werden.

Milton Friedman sagt, daß die Quantitätsgleichung, die Irving Fisher propagierte für die Wirtschaftswissenschaft die gleiche Bedeutung habe, wie die Relativitätsgleichung Albert Einstein`s für die Physik. Er sieht aber leider nicht, daß die Aussagekraft der Formel Irving Fishers nur für die Vergangenheit gilt. Ein Transfer zu einem schon gegebenen Preis ist nicht dasselbe als ein eventueller Transfer zu einem unbestimmten Preis in der Zukunft.

Ich habe mich bemüht, ihm diesen Unterschied zu erklären und auch die Tatsache, daß der Geldumlauf durch Vermeidung des Zinsverzichtes nur so lange funktioniert, als der Zins nicht eine gewisse Mindestgrenze unterschreitet und stieß dabei leider auf Unverständnis. Es könnte vielleicht an meinen mangelnden Kenntnissen der englischen Sprache liegen, daß er mich nicht versteht, aber ich befürchte, daß selbst er, der sonst, wie ein weißer Rabe unter Ökonomen, die Zusammenhänge richtig sieht, hier einen blinden Punkt hat.

Er meint, daß das Geld umlaufgesichert sei, weil niemand auf Zinsen verzichten würde, die er sonst bekäme. Jedermann, so meint er, hält sein Geld im Umlauf indem er es in zinsbringende „assets» investiert. Als ich ihn dann allerdings fragte, was die Leute tun würden, wenn es keine zinsbringenden „assets« geben würde, hatte er keine Antwort mehr.







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