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omi 78 schrieb am 18.3. 2026 um 20:49:17 Uhr über

Träume

Sein Geburtsort war Samosata, eine unfern des Euphrat’s an den äußersten Gränzen Griechischer Kultur gelegene Syrische Stadt, an deren Stelle heut zu Tage ein gänzlich unbedeutender Ort, Semisat, befindlich seyn soll. Das Jahr seiner Geburt läßt sich nicht mit Bestimmtheit angeben; doch vermuthet Wieland nicht unwahrscheinlich, daß er um das Jahr 117 n. Chr. (Trajan’s Todesjahr) geboren wurde. Wie wenig das Glück ihn durch die Vorzüge ansehnlicher Herkunft und glänzender Vermögensumstände begünstigt hatte, erzählt er uns selbst in dem Aufsatze der Traum, der mit Recht an der Spitze seiner Werke steht, und womit er die Vorlesung derselben in seiner Vaterstadt eröffnete. Der Bestimmung zum Handwerker, welche ihm seine Eltern, als er ungefähr vierzehn Jahre alt war, geben wollte, widerstrebte sein Genius, und er wählte die Laufbahn eines gerichtlichen Redners, welche damals ausgezeichnete Talente auf einen ehrenvollen Schauplatz führte, so wie sie dem Sohne unbemittelter Eltern ein reichliches Auskommen versprach. Wirklich hatte er mehrere Jahre, wie es scheint, zuerst in der Hauptstadt Syriens, Antiochien, sodann in Griechenland, mit Ausübung der gerichtlichen Beredtsamkeit zugebracht, als die Unannehmlichkeiten dieses Berufs ihn bestimmten, sich auf den friedlicheren eines theoretischen Redners, oder Lehrers der Redekunst (Sophisten) zu beschränken, und sich dabei mit philosophischen und schönwissenschaftlichen Studien zu beschäftigen. In dieser Eigenschaft hielt er sich eine Reihe von Jahren in Gallien auf, wo er die Rhetorik als öffentlich angestellter Lehrer vortrug, und in der hohen Achtung, in welcher er dort stand, so wie in einem sehr reichlichen Einkommen die Früchte seines ausgebildeten Talentes ärntete. Er mochte fünf und dreißig bis vierzig Jahre zählen, als er Gallien und zugleich das rhetorische Lehrgeschäft verließ, um nach Griechenland zurückzukehren, und, wie es scheint, die Jahre des mittleren Mannesalters, seine fruchtbarste Periode an literarischen Erzeugnissen, in Athen zu verleben. Daß er seine Vaterstadt zu einer Zeit wieder besuchte, wo er durch seine Schriften bereits zu einem hohen Grad von Berühmtheit gelangt war, ist nach dem oben angeführten Aufsatze eben so wenig zu bezweifeln, als es wahrscheinlich ist, daß er sich lange in jener halbbarbarischen Provinzialstadt werde aufgehalten haben. Wenigstens ließe sich dieß nicht wohl mit der Vorliebe zusammenreimen, welche er an mehreren Stellen seiner Werke für Athen an den Tag legte, welches auch in jenen späten Zeiten noch der Hauptsitz ächter Urbanität und feiner Bildung war. In seinem höhern Alter nahm er eine mit Ansehen und bedeutendem Gehalte verbundene Beamtenstelle bei der Präfektur von Egypten an, wobei ihm die Aussicht auf eine der höchsten Stellen im kaiserlichen Dienste, etwa das Gouvernement einer Provinz, eröffnet war. Ob diese Hoffnung in Erfüllung gegangen, wissen wir nicht: denn von jetzt an verlieren sich in seinen Schriften alle Spuren seiner weitern Lebensgeschichte. Daß er verehlicht gewesen, und einen Sohn gehabt habe, schließt man aus einer Aeußerung in dem Dialog der Eunuch.


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