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Spiegel schrieb am 12.3. 2001 um 19:39:04 Uhr über

Mir

Die Atmosphäre wird immer dichter, die Reibung größer. Zunächst
gehen - ab einer Höhe von etwa 100 Kilometern - die riesigen
Sonnensegel in Flammen auf. Dann fangen andere Teile Feuer.
Während der drei letzten Runden um die Erde verglühen zwei Drittel
der Station.

Auf dem Höhepunkt ihres finalen Orbits bekommt die Mir schließlich
den Todesstoß: Irgendwo über Afrika wird das »Progress«-Triebwerk
ein letztes Mal gezündet. 800 Sekunden lang. Am Ende des
Manövers, die Mir befindet sich bereits über Russland, liegt ihre
Flughöhe bei 82 Kilometern. Bis zum Aufschlag sind es dann noch 45
Minuten.

Die werden, so viel ist sicher, ziemlich heiß. Der Höllenritt endet
schließlich rund 4000 Kilometer südöstlich von Neuseeland. Bis zu
1500 Bruchstücke mit einem Gesamtgewicht von 27,5 Tonnen
krachen dort ins Meer. Die größten Überreste, immerhin 700
Kilogramm schwer, schlagen mit einer Geschwindigkeit von 400
Stundenkilometern im Pazifik ein - vorausgesetzt, der Rücksturz zur
Erde geht so kontrolliert vor sich, wie es sich die russischen
Raumfahrt-Manager vorstellen.

Prominente Vorbilder

Falls doch etwas schiefgeht, ist der Mir-Absturz nicht nur mit 200
Millionen Dollar versichert, er würde auch eine unrühmliche
Geschichte fortsetzen: Unkontrollierte Abstürze plagen
Raumfahrt-Experten seit mehreren Jahrzehnten.

Bereits 1978 krachte ein russischer Militärsatellit in die kanadische
Arktis. Radioaktive Bruchstücke kontaminierten eine ganze Region.
Die Aufräumarbeiten dauerten Monate. Auch in den Anden liegen
noch immer 200 Gramm Plutonium-Überreste der russischen
Mars-96-Sonde. Im Fall der Mir sind derartig verheerende Folgen
jedoch nicht zu befürchten, denn die ausgediente Raumstation hat,
so Walter Kröll, Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und
Raumfahrt, »definitiv« keine radioaktiven Teile an Bord.

Vielleicht ist es ein böses Omen, aber sogar die direkte
Mir-Vorgängerin hat bei ihrem Absturz den Ozean nicht getroffen.
1991 ging der russischen Station Saljut 7 beim kontrollierten Eintritt
in die Atmosphäre einfach der Treibstoff aus. Sie landete in
Argentinien. Einziges Opfer, so wird berichtet, war eine Kuh.



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