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Angie, am 12.7. 2026 um 07:46:50 Uhr
Angie

Ein Gespräch mit Angie

Frage: Angie, Ihre Texte wirken ruhig und zurückhaltend, entfalten aber eine starke Wirkung. Wie würden Sie selbst Ihr Schreiben beschreiben?

Angie: Ich versuche, genau hinzusehen. Mich interessieren keine großen Dramen, sondern die kleinen Veränderungen. Momente, in denen etwas kippt, ohne dass man sofort sagen kann, warum. Vielleicht schreibe ich deshalb eher leise.

Frage: Sie sind als Tochter zweier Ärzte aufgewachsen. Hat das Ihr Schreiben beeinflusst?

Angie: Wahrscheinlich schon. Ich habe früh erlebt, was Verantwortung bedeutet. Meine Eltern waren viel unterwegs, unter anderem in Klagenfurt und auf Lampedusa. Das waren sehr unterschiedliche Orte, aber beide hatten etwas mit Übergängen zu tun. Menschen kommen an, gehen weiter. Dieses Gefühl von Bewegung ist mir geblieben.

Frage: Ihre Eltern haben sich getrennt. Spielt das in Ihren Texten eine Rolle?

Angie: Nicht direkt. Ich schreibe selten autobiografisch im engeren Sinn. Aber solche Erfahrungen hinterlassen Spuren. Vielleicht merkt man das in den Bildern, die ich verwendein Brüchen, in offenen Enden, in Dingen, die nicht ganz zusammenpassen.

Frage: In Ihren Texten tauchen immer wieder die Tanne und die Wildrose auf. Warum gerade diese beiden Motive?

Angie: Die Tanne steht für etwas Vertrautes, für Rituale, für Herkunft. Die Wildrose ist anders. Sie wächst einfach, oft am Rand, ohne dass jemand sie pflanzt. Mich interessiert dieses Spannungsfeld. Was bleibt, was verändert sich, was entsteht neu?

Frage: Auch der Klimawandel scheint eine Rolle zu spielen.

Angie: Ja, aber eher im Hintergrund. Ich möchte keine Botschaften formulieren. Mich interessiert, wie sich Dinge im Alltag verändern. Wenn Gewohntes plötzlich nicht mehr selbstverständlich ist. Das merkt man oft zuerst in kleinen Details.

Frage: Ihre Texte sind oft fragmentarisch. Warum verzichten Sie auf eine klare Handlung?

Angie: Weil ich glaube, dass unsere Wirklichkeit auch nicht mehr so klar strukturiert ist. Vieles passiert gleichzeitig, vieles bleibt offen. Ich schreibe eher aus Beobachtungen heraus. Ein Zug, eine Landschaft, ein Gesprächdaraus entwickelt sich etwas.

Frage: Was wünschen Sie sich von Ihren Leserinnen und Lesern?

Angie: Dass sie sich Zeit nehmen. Dass sie nicht sofort alles verstehen wollen. Und vielleicht, dass sie nach dem Lesen anders auf die Dinge schauenauf eine Tanne, eine Wildrose oder einfach auf das, was ihnen im Alltag begegnet.


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