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Paul – Verlängerung
Paul glaubt nicht
an Glück.
Er glaubt
an die Minuten davor.
An den Augenblick,
in dem noch
alles möglich ist.
Als Kind
stand er oft
am Fenster.
Freitag.
18 Uhr.
Sein Vater
hatte versprochen,
ihn abzuholen.
Manchmal kam er.
Manchmal
kam ein Anruf.
Manchmal
gar nichts.
Paul lernte früh,
dass Warten
eine eigene
Kindheit ist.
Heute
arbeitet er
in einer Tankstelle.
Nachtschicht.
Die Stammkunden
kennen ihn.
Sie sagen,
er sei
ein netter Kerl.
Sie wissen nicht,
dass fast sein
gesamter Lohn
am Monatsende
im Wettbüro landet.
Er tippt
nicht,
weil er gewinnen will.
Er tippt,
weil zwischen
Abgabe
und Abpfiff
niemand sagen kann,
dass wieder
alles schiefgeht.
Diese neunzig Minuten
fühlen sich an
wie früher
am Fenster.
Vielleicht
kommt heute
doch jemand.
Seine Freundin
ist gegangen.
Nicht wegen
des Geldes.
Sie sagte:
»Ich verliere dich
jede Woche
an Dinge,
die gar nicht
passieren.«
Paul verstand
den Satz erst,
als sie
schon ausgezogen war.
Heute
lebt er allein.
Der Kühlschrank
ist fast leer.
Die Schublade
mit Wettscheinen
ist voll.
Er hebt
keinen davon auf,
weil er gewonnen hat.
Er hebt sie auf,
weil jeder Schein
für einen Moment steht,
in dem Hoffnung
noch nicht
verloren war.
Neulich
fand er
einen alten Zettel.
Darauf
stand
in krakeliger Kinderschrift:
Papa kommt Samstag.
Darunter
ein Haken.
Daneben
ein Kreuz.
Er wusste
nicht mehr,
welches Zeichen
für welches Wochenende
gestanden hatte.
Er legte
den Zettel
zu den Wettscheinen.
Vielleicht,
dachte er,
habe ich nie
auf Fußball gesetzt.
Vielleicht
habe ich
mein ganzes Leben
auf jemanden gewettet,
der endlich
sein Versprechen hält.
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