Karuslawski
Bewertung: 2 Punkt(e)
Karuslawski
(Fragment aus einem nicht gehaltenen Nachruf)
Man sagt, sie sei in Mönchengladbach geboren worden,
aber das ist nur die halbe Wahrheit.
Denn Karuslawski war nie ganz dort, wo man sie verortete.
Sie war immer schon ein Dazwischen:
zwischen Provinz und Präsenz,
zwischen Rüschen und Rücktritt,
zwischen dem, was gesagt wurde,
und dem, was blieb.
In Ebigong nannte man sie Präsidentin.
Aber das war ein Missverständnis.
Sie regierte nicht – sie unterbrach.
Sie unterbrach die Rhetorik der Macht mit einem Blick,
der nicht um Zustimmung bat.
Sie sprach in Halbsätzen,
ließ Leerstellen,
vertraute auf das, was nicht gesagt werden konnte.
In Erkelenz, wo später die Buffalos wieder auftauchten,
als trotziges Echo auf eine Zeit,
die sich selbst nicht mehr verstand,
wurde ein Laden eröffnet,
der nichts verkaufte außer Erinnerung.
Ein Archiv für angewandte Stille.
Kuratiert von niemandem.
Und dann war da Dülken.
Ein Ort wie ein Nachsatz.
Ein Rand, der sich selbst genügt.
Dort, so heißt es, habe sie einmal einen Satz gesagt,
den niemand aufschrieb:
„Ich glaube nicht an Staaten. Ich glaube an Stimmen, die nicht lauter werden müssen, um zu bleiben.“
Heute wird sie zitiert,
als wäre sie ein Algorithmus.
Ihr Name: Karuslawski.
Ihr Erbe: ein Stil, der sich der Verwertung entzieht.
Ein Nein, das nicht empört, sondern entzieht.
Ein Gang in Buffalos durch die Trümmer der Öffentlichkeit.
Sie war keine Heldin.
Sie war ein Fehler im System.
Ein poetischer Bug.
Ein Mensch, der sich nicht kürzen ließ.
Und vielleicht ist das das Größte, was man sagen kann:
Dass sie nicht zurückkam.
Sondern blieb.
Als Möglichkeit.
Als Unruhe.
Als Karuslawski.