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gats schrieb am 30.5. 2003 um 02:19:17 Uhr über

netzkritik

Olluer Marchart

Bewohner des Natur-Reservats uns innen befänden und privilegierten Zugang zum vorsprachlichen Naturzustand hätten. So ist es natürlich ganz und gar nicht. Dennoch lebt die rousseauistische Internet-Ideologie, die das Netz als Naturpark gegen die ökonomisch-kulturellen Invasoren verteidigen will, in genau dieser Illusion: Der Naturzustand allgemeiner Freundlichkeit und Solidarität unter den Netz-Natives sei bedroht von den Kolonisatoren aus Wirtschaft und Geheimdienst.
Obwohl sie damit nicht völlig falsch liegen, vergessen die Netz-Rousseauisten und -Beach Boys, daß auch sie schon Kolonisatoren sind, daß auch ihr angeblicher eigennutzloser Naturzustand nur ein Definitions-Modell des Netzes ist, das mit anderen - etwa kommerziellen oder politisch anders gelagerten - in einem Definitionskampf liegt. Und das Naturmodell ist kein irgendwie privilegiertes Modell. Natur ist nur eine bestimmte Form von Kultur und dieser keineswegs logisch oder zeitlich vorgeordnet.

Zwischen Leninismus und Yogiismus

Worin besteht nun das geheime politische Wissen von solchen popularen Erzählungen? Indem sie bestimmte Settings unterschiedlich arrangieren, spielen sie hypothetische Aktionsmöglichkeiten durch. Die drei Story-patterns präsentieren politische Modelle genauso wie Rollen: nämlich die politischen Charaktermasken der Subversiven (Tick, Trick und Track), des Revolutionärs (Lenin) und des unverbesserlichen Altlinken (Yogi-Bär). Denen stehen als Opponenten jeweils gegenüber der autoritäre Kapitalist (Dagobert), das Schicksal (Flugzeugabsturz) und der repressiv-tolerante Sozialdemokrat (Ranger Smith).
Keine der drei Stories bietet allerdings ein sehr erfolgversprechendes Szenario der revolutionären Apokalypse. Die Vorstellung des Totalchaos, d.h. der Revolution, ist unter postmodernen Bedingungen einer eher dispergenten Antagonisierung ohnehin mehr lähmend denn ermächtigend. Aber auch die Vorstellung, Totalchaos sei durch individualistische Hacker-Interventionen loszutreten, leidet an einer massiven t)berbewertung des partikularistischen Interventionismus, also sogenannter bit-and-run-Strategien. Tick, Trick und Track sind in der erwähnten Story genau solche typischen Medienguerilleros. Sie sind entrechtet (sie verlieren ihre Geburtstagsgeschenke), sie sind subversiv (schleichen sich nachts ein und sabotieren die Rechner), und sie laufen am Schluß der Geschichte davon. Man könnte sagen, sie haben die Versorgung Entenhausens am neuralgischen Punkt getroffen: Alles steht still in einem technisch induzierten sorelschen Generalstreik. Und doch regeneriert sich das System qua simpler Autorität, d.h. durch Dagoberts bloßen Befehl. Den Subversiven gegenüber steht der klassische Revo-

Was ist neu an den Neuen Medien?

lutionär inmitten seiner abstürzenden Eschatologie tern, die verunglücken muß, da sich sonst die Unver herausstellen würde. Lenin wird nie dort ankomme der Neuen Weit. Er scheitert darin doppelt: Er sch wirklichbarkeit des Ganz-Anderen und farcenhaft a einer real so falsch verwirklichten Utopie wie Arner Diese zwei Szenarien fallen also für eine linke P führt nur in ein Andrehen der Autoritäts-Schraub da es den großen Welt-Zentralrechner nicht gibt, nem Schlag urndrehen würde. Und bei Revoluti schon die Konterrevolution mit. Aber was ist mit d Immanenzpolitik, die den Picknick-Korb nicht auß onssystems sucht, ihn dennoch aber nie erreicht? Yogi-Bär-Politik vorgeschlagen von so illustren Pe zek oder Chantal Mouffe. Was Derrida unter einer kommenden Demokratie, die nie wirklich erreic Demokratie als einem unmöglichen Gut verste Mouffe in ein und dasselbe Paradoxon. "Plurali ein Paradoxon, da genau der Moment ihrer Reali hen würde. Sie sollte verstanden werden als ein G nicht erreicht werden kann. Solch eine Demokra rnokratie >irn Kommen, sein, da Konflikt und An dingung ihrer Möglichkeit und Bedingung der Un lisierung sindUnter Demokratie verstehen sie a wirklichte Demokratie, sondern ein paradoxes 0 nicht verwirklicht ist, irgendeinen regulativen wirkliche, wäre sie keine mehr. indem Derrida, also als unerreichbaren Picknickkorb linker Poli jeglicher reformistischer oder real-politischer D nen manchmal von linker Seite unterstellt wird.
terschied zu einfachen Utopisten - einen Zusta nungssysternen, d.h. deren Signifikationsschleife nicht in irgendeinem »jenseits", irgendeiner Ut

und doch unmöglich.
Gegen die heute endlich erkannte Notwend nenzbedingungen läßt sich wenig einwenden. Mouffe und Zizek vergessen wird, ist die negat fe-. Sie vergessen daß der jellystone-Park ein Re



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