|
Der Tod des Autors (La mort de l'auteur) ist ein literaturtheoretischer Aufsatz des französischen Poststrukturalisten und Semiotikers Roland Barthes. Erstmals veröffentlicht wurde eine englische Übersetzung 1967 im Aspen Magazine, die Veröffentlichung des französischen Originals folgte 1968 in der Zeitschrift Manteia.
Die Kernthese des Aufsatzes ist, dass der Autor für die Literatur eine weitaus geringere Bedeutung hat als bisher postuliert (nämlich gar keine), und dass Sinn ganz allein vom Leser erzeugt werden kann.
Inhaltsverzeichnis [Verbergen]
1 Inhalt
2 Literatur
3 Siehe auch
4 Weblinks
Inhalt [Bearbeiten]
Barthes kritisiert den traditionellen Biographismus, bei dem die Erklärung eines Werkes immer um die Person zentriert ist, die es geschaffen hat. Bereits Mallarmé schrieb, dass nicht der Autor, sondern die Sprache spricht. Valéry nannte den Rückgriff auf das Innere des Autors Aberglaube. Proust verwischte die Autor-Figuren-Relationen und nannte den Erzähler denjenigen, der schreiben wird. Im Surrealismus schließlich enttäuschte die Sprache die Erwartungen, der Autor wurde entheiligt. Die Linguistik nennt jede Aussage einen leeren Prozess, wieder ist der Autor nur derjenige, der schreibt.
Nach dieser Dekonstruktion nennt Barthes den modernen Autor einen Schreiber, der im selben Moment entsteht wie sein Text, und zwar immer im Hier und Jetzt.
Ein Text wiederum ist für Barthes ein multidimensionaler Raum: ein Gewebe aus Zitaten, also nicht originell. Der Schreiber hat in sich keine Leidenschaften, Gefühle oder Eindrücke, sondern das große Wörterbuch, aus dem er schöpft. Das Leben imitiert das Buch, das Buch ist verlorene Imitation.
Die Dechiffrierung (hermeneutische Auslegung) eines Textes wird mit dem Verschwinden des Autors unnötig, da es einen ursprünglich intendierten und einzigen Sinn nicht geben kann und jeder Akt des Schreibens systematische Auslöschung von Sinn bedeutet.
Der Ort der Literatur ist nicht mehr ihre Quelle (ihr Autor), sondern das Lesen selbst. Der Text besteht aus multiplem Schreiben, zusammengesetzt aus verschiedenen Kulturen, die in einen Dialog treten. Das multiple Schreiben muss entwirrt, aber nicht dechiffriert werden.
Der Versammlungsort dieser Multiplizität ist nicht der Autor, sondern der Leser, und die Einheit des Textes findet man nicht in seinem Ursprung, sondern in seinem Ziel. Barthes' Schlussforderung lautet dementsprechend: »Die Geburt des Lesers ist zu bezahlen mit dem Tod des Autors.«
Literatur [Bearbeiten]
Barthes, Roland: La mort de l'auteur. In: Ders.: Le bruissement de la langue. Paris 1984.
Barthes, Roland: Der Tod des Autors. In: Jannidis, Fotis (Hg.): Texte zur Theorie der Autorschaft. Stuttgart 2000.
Jeßing, Benedikt/Köhnen, Ralf: Einführung in die neuere deutsche Literaturwissenschaft.Stuttgart: Metzler 2007 (2. aktual. und erw. Auflage), S.2. ISBN 978-3-476-02142-7
Siehe auch [Bearbeiten]
Roland Barthes
Der Tod des Autors
Umberto Eco
Michel Foucault
Rezeptionsästhetik
Julia Kristeva
Hermeneutik
Poststrukturalismus
Weblinks [Bearbeiten]
»Tod des Autors« im Glossar der Uni Kiel
Autor und Interpretation? Ein analytischer Beitrag zur Diskussion um den »Tod des Autors« von Tilman Köppe, IASL Diskussionsforum
EinklappenWerke von Roland Barthes (in deutscher Übersetzung)
Essays, Literaturtheorie
Am Nullpunkt der Literatur | Cy Twombly | Das Rauschen der Sprache | Das Reich der Zeichen | Das semiologische Abenteuer | Der Tod des Autors | Die helle Kammer | Die Lust am Text | Die Sprache der Mode | Elemente der Semiologie | Fragmente einer Sprache der Liebe | Literatur oder Geschichte | Kritik und Wahrheit | Mythen des Alltags | Rhetorik des Bildes | Sade Fourier Loyola | S/Z | Über mich selbst
Interviews
Die Körnung der Stimme
Vorlesungen aus dem Nachlass
Das Neutrum | Die Vorbereitung des Romans | Wie zusammen leben
Von „http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Tod_des_Autors_(Roland_Barthes)“
Kategorie: Literaturwissenschaft
|