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Johann Wolfgang von Bülzen schrieb am 13.6. 2026 um 14:21:41 Uhr über

Bülzenheim

Rüdis Höllenrit

Der Rüdiger langweilt sich sehr,
die Nacht ist dunkel schwarz und schwer,
er denkt: Ich könnt ein Hotti reiten,
das freute mich zu allen Zeiten!
Just um die finst’re Mitternacht
Ward's Hotti ihm vors Tor gebracht,
Und eine Nacht wars, wo zum Bülzen-Haus
Sich kein Bekloppter wagt hinaus.
Es blies der Wind wie toll vor Wut,
Vom Himmel stürzte Flut auf Flut;
Den flücht’gen Blitz die Nacht verschlang,
Der Donner krachte laut und lang:
In dieser Nacht, ein Kind sahs ein,
Musstunterwegs der Teufel sein.

Doch Rüdiger durch Schlamm und Pfütze
Missachtend Regen, Sturm und Blitze.
Er ritt vergnügt durchs Bülzentor,
Und singt sich ein perverses Liedlein vor.
Dort vor sich hört den Necker er brausen
Und durch den Wald den Sturmwind sausen.
Die Blitze zucken jählings, lohend,
Die Donner grollen unheildrohend,
Da schimmert durch der Bäume Kranz
Eine Kirche in finsterem Glanz,
Aus jeder Ritze drang der Schein,
Der Schall von Tanzen, Jubeln, Schrein.

Und Oh, was kriegt Rüdi zu Gesicht!
Teufel und Dämonen sirren im Kreise
In wildem Tanz auf frivole Weise.
Ein Heer von schrillen Instrumenten
Treibt ihnen das Blut in Schläfen und Lenden.
Gar saß ganz vorn auf dem Altar
Der Fürst der Hölle als Fettecke gar,
Und spielte auf in dem Theater,
Den üblem Klang gut spielen konnt er
dass schauderlich in schrillen Schalle
erbebt die ganze Kirchenhalle.

Rings sah man Sarg an Sarg gereiht
Und Pädos drin im Sterbekleid,
In deren kalter Prügelhand
Hat schaurig-schön ein Licht gebrannt.
Lang starrte Rüdi dies Schauspiel an,
Als wilder noch der Tanz begann.
Der Satan spielte hell und heller,
Die Paare flogen schnell und schneller,
Sie sprangen, jagten, drängten, stampften,
Bis alle Lederhosen schwitzten und dampften.
Rüdi oh Rüdi, was warn da heiße
Teufel in dem Höllenkreise!
Die Wäsche statt aus grauem Leinen
Sind Lederhosen an den Beinen!

Des Rüdis Herz das pocht im Leib:
Des Satans Frau ein rassigWeib!
Sie tanzt dazwischen - welch ein Jux,
und springt und hüpft in einer Lederbux!
Doch meine Muse sei gezügelt,
Denn übers Maß ward sie beflügelt!
Rüdi stand verzaubert, feucht an Händen,
Und konntden Blick nicht von ihr wenden.
Es jauzte Rüdi Herz im Leib,
Er brüllte »Bravo, Satansweib
Doch kaum war im das Wort entfahren,
wollt er's im Eierköpfchen schon bewahren.
Umsonst - der schreckensbleiche Mund
macht allen schnell den Rufer kund.

Alleine stand der Rüdi da,
das Hotti längst geflüchtet war.
Mit schnellem Schritt und langen Zungen
So kam das Höllenheer gesprungen.
Wie Bienen aus dem Stocke brechen,
Den frechen Räuber zu zerstechen;
Doch gleich der Flucht des bangen Hasen
springt Rüdi weg vor ihren Nasen;
Und wie vom Markt die Menge rennt,
Sobald der Ruf ertönt: Es brennt!
So raste Rüdi und hinterdrein
Das Satansheer mit höllischSchrein.
Ach Rüdi, zum Lohn für deine Taten
Wirst du nun in der Hölle braten!
(Ich nehme an, als Spiegelei)
Am Bülzenheim steht: Zimmer frei!







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