schlimm
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Als ich mit meinem alten Freund Kuno wieder mal Benn las,stießen wir auf sein Gedicht »Was schlimm ist?«
Während Kuno die Verse
"Bei Hitze ein Bier sehn,
das man nicht bezahlen kann."
mit einem verständnisvollen Wiegen seines Schädels absegnete, wollte ihm partout nicht einleuchten, daß es schlimm sein könne,
einen neuen Gedanken zu haben,
"den man nicht in einen Hölderlinvers einwickeln kann,
wie es die Professoren tun."
An dieser Reaktion erkennen wir einmal mehr die mehr praktische Veranlagung der Bergelche, aber - wenn wir die Geschichte gleich zu Ende hören - auch ihr großes Herz. Denn bei Benns Schlußzeilen traten Kuno, der bei Gott keine Heulsuse ist, Tränen in die Augen:
"Am schlimmsten:
nicht im Sommer sterben,
wenn alles hell ist
und die Erde für Spaten leicht."
Ich werde meinen nächsten Sohn Gottfried nennen, sagte Kuno.