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In Südafrika fielen mir Kinder aller Hautfarben auf, die barfüßig über glühend heißen Asphalt und spitze Kiesel liefen und ich sprach unsere etwa 60-jährige Reiseleiterin darauf an. „Barfußgehen ist südafrikanische Tradition“, sagte sie und erzählte von der harten Jugend, die sie und vor allem ihre vier Brüder in den 50er/60er Jahren als Farmerkinder erlebt hatten. Im Bergland nördlich von Kapstadt gab es in den Wintermonaten nicht selten Frost. Aber Schuhe durften die Kinder nur sonntags zum Kirchgang tragen. Der Schulweg war weit. Sie ritten auf den warmen ungesattelten Pferderücken. Die Jungs trugen ganzjährig Shorts und bekamen erst zur Konfirmation eine lange Hose – und durften auch die nur zum Kirchgang anziehen.. Damals war die Mode umgekehrt wie heute: Die Sommershorts aus dünnem Baumwollstoff waren so knapp und eng anliegend wie die Hot Pants der Mädchen von heute und die Mädchenröcke waren knielang.. Die Schuluniform sah in der kalten Jahreszeit etwas längere Shorts aus warmem Wollstoff vor, aber der Vater erlaubte die nicht. Die Mutter durfte die Sommershorts vorn etwas auspolstern, aber keinesfalls die Sitzfläche! Warum wohl? Die Jungs sollten die Prügel des Lehrers spüren, wenn sie keine Aufgaben gemacht oder die Schule geschwänzt hatten. Im Farmhaus gab es außer der Bibel kaum ein Buch, und außer Schreiben und Lesen hielt der Vater Schulbildung für überflüssig. Sie lernten dafür Jagen, Spuren lesen, Zäune flicken. Nur das Mädchen durfte lernen und später Lehrerin werden.
Wenn die schwarzen Farmarbeiter faul waren oder geklaut hatten, bekamen sie Peitschenhiebe mit dem Sjambok, einer grausamen Lederpeitsche, vom Vorarbeiter oder dem Farmer selbst. Auch die Jungs schlug er nach dem biblischen Motto „Wer sein Kind liebt, der züchtigt es“ für Kleinigkeiten. Er sagte „Euer Arsch ist für den Lehrer!“ Sie mussten das Hemd ausziehen und bekamen Hiebe auf den bloßen Rücken und manchmal auf die Schenkel. Bei spontanen Züchtigungen wurden die Schwarzen nicht weggeschickt. Die nahmen sich ein Beispiel am Baas und prügelten die eigenen Kinder nach Lust und Laune.
Besonders schlimm waren manche Sonntage: Nach der Kirche traf man sich auf einer Nachbarfarm oder der Nachbar kam mit seinen Söhnen zu Besuch. Dann wurden aufgeschobene oder vorgeschobene Strafen vollzogen. Die Alltagsshorts mussten angezogen werden, die Gastkinder bekamen vielleicht Turnhosen, und dann prügelten oder peitschten die Väter ihre Söhne, die keine Schmerzlaute von sich geben sollten bis eben doch einer schrie.
Nach dem Ende der Apartheit wurde der Sjambok auf den Farmen und das übermäßige Prügeln in der Schule verboten. Aber die Verbote werden nicht streng eingehalten, meine unsere Führerin. Doch Abhärtung ist nun auch in Südafrika ziemlich out.
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