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Herr schrieb am 7.9. 2015 um 13:42:09 Uhr über

Kleeblattklopfer

In dieser Maßregel hat sich China einen Schutzwall gegen Korea errichtet, der kräftiger ist als die große chinesische Mauer. Es giebt auf der Erde keine schärfere Grenzscheide zwischen zwei Nationen, als die zwischen China und Korea ist. Mit Ausnahme der Bewohner von Fong-whang haben die Chinesen entlang der Grenze, obgleich nur ein bis zwei Tagereisen von den Koreanern entfernt, doch nur von ihnen sprechen gehört, nie sie selbst gesehen. Als einen Beweis kann es Dir gelten, daß man mich in den Grenzgegenden selbst überall für einen Koreaner hielt. Korea ist den Leuten wie ein weit entferntes Fabelland. Aber die alten Ueberlieferungen üben doch immer noch insofern einen Einfluß aus, als die Chinesen eine gewaltige Furcht vor ihren kriegerischen Nachbarn bewahrt haben. Gemischte Ehen sind unter solchen Verhältnissen unmöglich; die Koreaner haben daher ihre Nationalität rein bewahrt. Ebenso ist es mit der Sprache. Es giebt wohl keinen Chinesen, der Koreanisch spricht. Aber gebildete Koreaner verstehen nicht nur die chinesischen Schriftzeichen, sondern sprechen auch den Mandarin-Dialect vollkommen. Es ist wohl bekannt, daß die koreanische Sprache von der chinesischen ganz verschieden ist, wiewohl sie von derselben manche Worte aufgenommen hat, ebenso wie die japanische Sprache. Chinesische Bildung und Gelehrsamkeit sind daher den Koreanern vollkommen zugänglich, und sie können sich das Beste daraus entnehmen. Wie viel sie sich davon angeeignet haben, und in wie weit die Lehren des Confucius ihre politischen Prinzipien und staatlichen Einrichtungen beeinflussen, könnte man natürlich erst durch einen längeren Aufenthalt im Lande kennen lernen. Doch wie weit auch dieser Einfluß gehen mag, so beeinträchtigt er doch in keiner Weise die nationale Sonderung von Chinesen und Koreanern. Dies ist um so auffälliger, wenn man in Betracht zieht, wie an allen andern Landgrenzen von China erst eine Vermischung der Nationalitäten, und dann eine langsame Absorption des Fremden durch chinesische Sprache, Regierungsform und Bildungsart stattfindet. Die französische Mekong-Expedition beobachtete diese Assimilation an der Südgrenze von Yünnan, und ich hatte Gelegenheit, ihre Wirkungen in der Mantschurei zu sehen. Nur bei einem kleinen Theil der Landbevölkerung in den nördlichen Districten ist das Mantschurische noch eine lebende Sprache. In dem ganzen übrigen Theil des Landes hat binnen wenigen Jahrhunderten der gewaltige chinesische Einfluß alles Eigenartige in Sprache und Sitten absorbirt. Die Mongolen haben etwas besser Stand gehalten; ihr Land ist zu wenig einladend, um eine schnelle Vermischung der Bevölkerung mit Chinesen zu gestatten. Nur der einzige vollständige Abschluß Chinas entlang seiner Landesgrenzen ist der gegen Korea.


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