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Zwischen den Sätzen
Die erste Version eines Gesprächs ist immer falsch.
Später nennt man sie Erinnerung.
Jemand sagt:
Es wird besser.
Im Protokoll steht:
Es wird.
Der Rest ist ausgefallen.
Vielleicht wegen der Leitung.
Vielleicht wegen der Höflichkeit.
Ich erinnere mich an eine Stimme,
die sich Mühe gab,
nicht nach Anstrengung zu klingen.
Sie trug Helligkeit
wie andere einen Verband.
Damals hielt ich das
für Optimismus.
Heute vermute ich,
es war Tarnung.
Oder ich verwechsle
die Person
mit dem Licht
im Zimmer.
Auch das kommt vor.
Es gibt Sätze,
die betreten einen Raum,
lange bevor der Mensch eintritt,
der sie spricht.
Sie setzen sich.
Sie warten.
Sie wissen,
wer zuerst den Blick senken wird.
Du sagtest,
du seist eine Frau.
Ich hörte,
du verteidigst ein Land.
Zwischen beiden Versionen
lag kein Irrtum.
Nur Geschichte.
Ich fragte nicht,
warum dein Satz
an genau dieser Stelle
langsamer wurde.
Ich fragte überhaupt selten.
Fragen verändern
den Tatort.
Später fiel das Wort
Vater.
Nicht als Erzählung.
Mehr wie ein Gegenstand,
den niemand aufheben wollte.
Wir gingen darum herum,
als könne Vorsicht
Biografien entschärfen.
Jemand erwähnte
eine Ehe.
Jemand erwähnte
einen Geliebten.
Merkwürdig,
wie schnell Menschen
über Wohnungen sprechen,
wenn sie eigentlich
Herzen meinen.
Verantwortung,
sagtest du.
Ein großes Wort.
Es stand plötzlich
zwischen den Tassen.
Niemand trank mehr.
Es gibt Menschen,
die glauben,
Verstehen sei eine Form
des Besitzes.
Sie möchten den anderen
vollständig lesen.
Mit Randnotizen.
Mit Register.
Mit Fußnoten.
Dabei genügt manchmal
eine Lücke.
Vielleicht lebt
nur dort
etwas,
das nicht gelogen ist.
Später behauptete ich,
ich hätte dich vergessen.
Ein Satz,
der nur funktioniert,
wenn niemand nachfragt.
Die Wahrheit ist:
Ich erinnere mich nicht
an unsere Gespräche.
Ich erinnere mich
an ihre Temperatur.
An das Geräusch,
das entstand,
wenn einer von uns
schwieg
und der andere
das Schweigen
für Zustimmung hielt.
Oder für Liebe.
Oder für beides.
Vielleicht beginnt
jede Sprache
mit einem Missverständnis.
Vielleicht endet sie
als Charakter.
Vielleicht ist Literatur
nichts anderes
als der Versuch,
den Fehler
nicht zu korrigieren,
sondern ihm
eine Stimme zu geben.
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