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Es ist dieses ein Gedanke, darauf ich durch meinen sel. Vater Hrn. Prof. Reimarus, bey Erwähnung der obbemeldeten Fälle von Wetterschlägen, geführet bin. Ich habe mich demnach um Erfahrungen bemühet, und die Beobachtungen, welche ich bisher zusammenlesen können, scheinen zu bekräftigen, daß der Schlag zwischen Süden und Westen hergekommen und zwischen Norden und Osten hingefahren sey. So geschahe es zu Southweald und im Brigittenthurme, (Phil. Trans. Vol. LIV. p. 212.213) wie auch in der Essex-Strasse in London. Die Spuren eines Blitzes, welcher bey Ludgvan in Cornwall in einen Felsenhügel geschlagen, gehen auch grossentheils von Südwesten und Westen nach Osten. Der Wind aber war hie auch west- und westnordwestlich (Phil. Trans. Vol. XLVIII. P. I. p. 86.) In einem Hause zu Norwich, welches alleine stand, ging der Weg eines Wetterstrahles nach Nordosten, wie ausdrücklich beschrieben wird. (ib. Vol. LI. P. I. p. 38.sqq.) und eben so in einigen Häusern in Southwark. (ib. p. 286. 291.sq.) So ist auch der Blitz im königl. Schlosse zu Upsal, Im Jahr 1760. von Südwesten nach Nordosten durchgefahren (Phil. Trans. Vol. LIII. p. 99.) Zu Oxford hatte ein Wetterstrahl in allen Zimmern des Gebäudes, wo er eingeschlagen, eben den Strich genommen, da doch der Wind nordostlich gewesen. (ib. Vol. LV. p. 273.) Bey unserer Nicolaikirche war der Blitz auch zwischen Norden und Osten ausgefahren. Ich habe damals nicht bemerket, wo der Wind oder der Zug der Gewitterwolke hergekommen. Aber, wie oben erwähnet ist, es waren schon zu mehrernmalen die Wetterschläge bey dieser Kirche denselben Strich herabgefahren. Den Schlag beym Petri Thurme will ich hier nicht einmal anführen. Bey verschiedenen Privatgebäuden entsinnet man sich, eben dergleichen Richtung eines Wetterstrahls wahrgenommen zu haben. Die electrische Erschütterung scheinet auch nicht so beschaffen zu seyn, daß sie sich nach dem Winde, oder dem langsamen Zuge der Wolken richten könnte. Ich wünsche demnach, daß man uns bey genauen Beobachtungen von Wetterschlägen, sowohl den Windstrich, als den Zug der Gewitterwolke, und endlich, so viel möglich, den Strich des Blitzes im Gebäude bemerken möge. Man siehet leicht, daß einige Umstände, z. E. Metall, dadurch der Blitz geleitet würde, die Sache verändern können: ferner, daß man nicht die etwa in Südwesten zerschmetterten Dinge dagegen anführen müsse, wenn der Blitz gleich beym Einfahren daselbst zerstreuetes Metall, als die Nägel bey den Schindel- oder Schieferdächern, angetroffen: noch auch den Weg, den die nach aussen abgesprengten Stücke geflogen, wie solches nach allen Enden in der Richtung geschiehet, wo der wenigste Widerstand angetroffen wird. Wir müssen auf solche Beyspiele sehen, wo der Strahl, von dem obern Theile des Gebäudes an, seinen Strich hie oder da hin mit gleicher Anlockung oder Widerstande hätte nehmen können. Fände sich die Muthmassung meines Vaters gegründet, so könnten vielleicht wichtige Folgen daraus gezogen werden, und es wäre eine noch unbemerkte Aehnlichkeit der electrischen Materie mit der magnetischen, deren schon einige andere in der Schrift: De similitudine vis electricae atque magneticae. Petrop. 1758. 4. (welche im Hamb. Magaz. XXII. B. p. 227. übersetzt ist) und in dem Tentamine theoriae Electricitatis & Magnetismi. Petrop. 1759. 4. von dem scharfsinnigen Hrn. Aepinus angezeiget worden. Ich kann nicht umhin, hiebey auch die Erfahrungen zu erwägen, da vom Blitze die Magnetnadeln umgekehret worden, so, daß der Südpol sich nach Norden gewendet, davon wir verschiedene Beobachtungen haben. (Phil. Trans. N. 127. p. 647. N. 157. p. 520. N. 492. p. 111.) Ich glaube zwar mit Aepinus, daß dieses bloß von der Erschütterung hergekommen sey, und nicht eigentlich magnetisches in der electrischen Materie anzeige: allein, ich sehe hier nur auf die Richtung der Erschütterung. Denn, wenn man einen Stahl streichet, so wird allemal das Ende, da man anfänget, zum Nordpol. Da also bey den in ihrer Stellung sich befindenden Compassen, der Südpol zum Nordpol geworden, so scheinet dieses anzuzeigen, daß der Blitz von Süden nach Norden durchgefahren sey. Man vergleiche damit, daß Hr. Franklin es durch die künstliche Electricität schon einigermassen nachgemachet, indem er dadurch seinen Nähnadeln eine Richtung nach den Polen gegeben, und die Richtung, welche sie hatten, umgekehret hat. Das letztere ist ihm zwar noch nicht gelungen, wenn die Nadel von Süden nach Norden hin gestellet war: allein wenn sie von Westen nach Osten lag, so ward das Ende, wo der electrische Schlag hinein gieng, zum Nordpol, und er vermuthet, daß jenes nur gefehlet, weil er den electrischen Schlag nicht stark genug machen können. (S. seine Exp. and Obs. Lett. 5. p. 50. sq.) Wenn anderes Eisen vom Blitze magnetisch gemacht ist, (als davon (Phil. Trans. N. 437 p 74,75. N. 459. p. 614) so wünschte ich, daß man auch die Stellung anmerkte, darin das Ende gelegen, welches zum Nordpol geworden.
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