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wuming schrieb am 10.3. 2003 um 04:58:33 Uhr über

Wind



Wenn der Wüstenwind weht

Hans-Arthur Marsiske 10.03.2003

Windenergie aus Nordafrika könnte die Hälfte des gesamten Strombedarfs in
Europa decken

Die Sahara hat das, was uns in den gemäßigteren Breiten fehlt: Sonnenenergie im
Übermaß, weit mehr als Nordafrika und Europa zusammen verbrauchen können. Eine
massive Nutzung scheitert derzeit jedoch noch an der mangelnden Wirtschaftlichkeit
von Solarkraftwerken. Günstiger, wenn auch bislang noch wenig beachtet, stellen sich
dagegen die Verhältnisse im Bereich der Windenergie dar.






Bild: Saharawind-Projekt




Insbesondere an der Westküste der Sahara ist das Windaufkommen ausgesprochen gut. Etwa
2000 Kilometer Küstenlinie stehen zur Verfügung, um mit Windkraftanlagen bebaut zu
werden. Bei einer Bebauungsdichte von 2,4 Megawatt pro Quadratkilometer, rechnet Khalid
Benhamou vom Saharawind-Projekt vor, könnten mehr als 1000 Terawattstunden pro Jahr
erzeugt werden - ausreichend, um ungefähr die Hälfte des europäischen Strombedarfs zu
decken.




Über eine 4500 Kilometer lange Hochspannungsgleichstromleitung könnte der Strom bis
nach Deutschland transportiert werden. Bei einer Kapazität von fünf Gigawatt und mehr
würden die Leitungsverluste Benhamou zufolge unter 15 Prozent liegen. Auf diese Weise
könnte der in Mauretanien und Südmarokko produzierte Windstrom in Mitteleuropa und
Deutschland zu konkurrenzfähigen Preisen angeboten werden.

Gregor Czisch vom Institut für Solare Energieversorgungstechnik an der Universität Kassel
bestätigt diese Schätzung. Seine Kalkulation ergibt Kosten von 4,5 Cent pro Kilowattstunde
für den in der Sahara produzierten und nach Deutschland transportierten Strom gegenüber 6,5
Cent für Windstrom, der vor Ort in Deutschland erzeugt wird.

Die Idee ist klar, die Zahlen überzeugend

Ein Vorzug dieses Szenarios liegt darin, dass es Stück für Stück realisiert werden kann. Den
Anfang soll ein Windpark in Südmarokko machen, um politischen Streitigkeiten über den
Status des südlich davon liegenden Westsahara-Gebiets aus dem Weg zu gehen. Aufgrund der
Passatwinde sind die südlicher gelegenen Küstenabschnitte zwar interessanter, aber auch in
Südmarokko in der Gegend um Tarfaya ließen sich fünf Gigawatt Windstrom erzeugen, sagt
Benhamou. Eine 1300 Kilometer lange Hochspannungsgleichstromleitung soll den Strom nach
Spanien transportieren.



Die Koudia Al Baida Windfarm in Marokko. Bild:
Saharawind-Projekt




»Dieser Strom könnte deutlich günstiger sein als der in Spanien produzierte Windstrom«,
bestätigt Czisch. "Die Leitungen könnten Stück für Stück bis nach Deutschland verlängert und
ausgebaut werden, mit Anzapfstationen, die auf dem Weg Leistung abzweigen, und sich zu
einem Ringsystem oder auch zu einem Netz entwickeln, wie es beispielsweise ABB bereits
vorgeschlagen hat." Nach und nach könnten auch in Nordafrika weitere Anlagen
angeschlossen werden, solarthermische Kraftwerke, Fallwindkraftwerke, je nachdem, was für
eine bestimmte Region am günstigsten ist. "In der Vielzahl von Regionen und Techniken, die
zur großräumigen Stromversorgung beitragen, besteht ein großes Optimierungspotenzial."

Die Idee ist klar, die Zahlen überzeugend. Da stellt sich die Frage, warum die Initiativen zur
Realisierung bislang nur sehr verhalten in Gang kommen. Für Czisch liegt die
Hauptverantwortung bei der Politik. "Jedenfalls fehlt es nicht an den technischen
Möglichkeiten», sagt er. «Erfahrungen mit leistungsstarkem länderübergreifendem
Stromtransport liegen weltweit vor und sind auch in Afrika zu finden. Wie das Beispiel
Algerien zeigt, aus dem die EU 30% ihres Erdgasimports bezieht, ist auch leitungsgebundener
Afrikanisch-Europäischer Energietransport kein Neuland und auch hier liegen große
Investitionsvolumina vor."

Benhamou verweist ebenfalls auf Erfahrungen mit Erdgaspipelines als Beispiele für
erfolgreiche Kooperationen unterschiedlicher Partner. "Die deutsch-russische Erdgasleitung
stellt hier ein konstruktives Beispiel dar», sagt er. «Die Umstände legen eine Zusammenarbeit
mit den nordafrikanischen Staaten nahe, die die Möglichkeit einer neuen Form von
Entwicklungspolitik eröffnet: Alle Partner arbeiten gleichermaßen an dem gemeinsamen Ziel
einer nachhaltigen Energieversorgung mit adäquater Infrastruktur."

Czisch zufolge müsste eine politische Initiative nicht zwingend von vornherein auf EU-Ebene
erfolgen. "Ich könnte mir durchaus auch Initiativen einzelner Staaten vorstellen. Zum Beispiel
könnte Spanien eine Kooperation mit Marokko eingehen. Eine Studie beschäftigt sich derzeit
auch mit der Kopplung von Offshore-Windenergie in Deutschland mit Speicherwasserkraft in
der Schweiz. Das könnten Keimzellen für einen großen, letztlich transkontinentalen
Stromverbund sein."
















Kommentare:
single point of failure - autarkie? (Gast_2342, 10.3.2003 3:42)
Typisch Westlich... (Kandinsky, 10.3.2003 2:57)
West sahara (Redwraith, 10.3.2003 2:21)
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