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**Weihnachten 1990**
*Ort: eine kleine Altbauwohnung in Köln, dritte Etage, knarzende Dielen, Bücher bis zur Decke.*
Der Fernseher bleibt aus. Nicht aus Trotz – aus Prinzip.
Sie sitzt am Fenster, das leicht beschlagen ist, mit einer Tasse schwarzem Tee in der Hand. Kein Zucker. Keine Milch. Alles klar, alles still.
Im Hintergrund läuft eine Schallplatte – irgendwas mit Streichern, nicht zu fröhlich, aber auch nicht tragisch. Satie, vermutlich.
Der Baum ist klein, selbst geschmückt. Keine Lametta, nur weiße Kerzen, echtes Wachs.
Ein paar Strohsterne, zwei alte Glaskugeln, die aussehen, als gehörten sie eigentlich ihrer Großmutter.
Darunter liegen keine Geschenke. Nur ein einzelnes, in Packpapier, an sich selbst:
*„Für den Mut.“*
Das Abendessen ist schlicht: Kartoffelsalat mit Senf, ein Glas trockener Weißwein, ein Stück Schokolade, das langsam auf der Zunge schmilzt.
Kein Besuch. Nur eine Karte von einer Kollegin, auf der steht: *„Du fehlst. Nicht nur vor der Kamera.“*
Später zündet sie eine Kerze an für all das, was nicht gesagt wurde.
Dann schreibt sie in ihr Tagebuch:
*„Man kann verschwinden und trotzdem noch da sein.“*
Draußen rieselt Schnee. Drinnen flackert Licht.
Niemand ruft an. Und das ist okay.
Denn manchmal ist Frieden einfach nur: niemand will etwas von dir.
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