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Karl schrieb am 19.5. 2001 um 21:15:32 Uhr über

Liebe

narzißtische Störung

Kohut sieht die Ursache der narzißtischen Störung in einer pathologischen Fixierung an das ,,archaische
Größenselbst» und an die archaische ,,idealisierte Eltern-Imago«.Im Laufe seiner frühen Entwicklung
erfährt das Kind - und dies stellt eine große Frustration und Verunsicherung für es dar -, daß die Mutter
ein von ihm unabhängiges Wesen ist, das nicht seiner magischen Kontrolle unterliegt. Um die dadurch
hervorgerufene Verunsicherung zu kompensieren, kann es seine illusionären Omnipotenzgefühle
entweder dem eigenen Selbst oder den elterlichen Objektrepräsentanzen zuschreiben. Kohut schreibt:
,,Das Gleichgewicht des primären Narzißmus wird durch die unvermeidlichen Begrenzungen mütterlicher
Fürsorge gestört, aber das Kind ersetzt die vorherige Vollkommenheit a) durch den Aufbau eines
grandiosen und exhibitionistischen Bildes des Selbst: das Größen-Selbst; und b) indem es die vorherige
Vollkommenheit einem bewunderten, allmächtigen (Übergangs-)Selbst-Objekt zuweist: der idealisierten
Eltern-Imago". Bei der Fixierung an das archaische Größen-Selbst kommt es nach Kohut zu einer
,,Persönlichkeitsspaltung", die den Patienten zwischen Größenideen und Minderwertigkeitsgefühlen,
häufig verbunden mit depressiven Verstimmungen und hypochondrischen Befürchtungen, hin- und
herschwanken läßt. Bei der Fixierung an die archaische Eltern-Imago mißlingt den Patienten die
natürliche Entidealisierung der Eltern und der Aufbau eines soliden Selbstwertgefühles. Sie bleiben
zeitlebens abhängig, sei es von Autoritätspersonen oder aber von Stoffen, an die sie suchtartig gebunden
sind. Nach Kernberg läßt sich die Entwicklung des pathologischen Narzißmus nicht von der libidinösen
und aggressiven Triebentwicklung trennen. Nach Kernberg stellt das Größen-Selbst ein pathologisches
Verschmelzungsprodukt von Anteilen des Real-Selbst, des Ideal-Selbst und der Ideal-Objekte dar. Das
Real-Selbst beinhaltet nach Kernberg die Vorstellung ,,jemand besonderes zu sein"; das Ideal-Selbst
umfaßt Größenphantasien und die Ideal-Objekte beinhalten Phantasien von grenzenlos liebenden und
spendenden Elternfiguren. Kernberg (1978) hat auch den Versuch unternommen, die
Borderline-Persönlichkeitsstörungen eindeutig einerseits von den Neurosen und andererseits von den
Psychosen abzugrenzen. Der Unterschied zwischen den narzißtischen und den
Borderline-Persönlichkeits-Störungen besteht darin, daß die narzißtischen Persönlichkeitsstörungen über
ein relativ kohärentes Selbst verfügen, während die Kohärenz des Selbst der Borderline- Patienten so
mangelhaft ist, daß sie große Schwierigkeiten haben, zwischen Selbst- und Objektrepräsentanzen zu
differenzieren, was dann entweder zu massiven Desintegrationsängsten oder aber infolge permanenter
Vulnerabilität der ,,individuellen Wirklichkeit" des Patienten zu psychosomatischen Störungen führen
kann. Kohut faßt narzißtische Störungen als Störungen des Narzissmus ;,, der Regelung der
Binnenverhältnisse des Selbst. Kohut versteht unter Narzissmus wertfrei die Eigenliebe als Pendant der
Liebe zu anderen.Der primäre Narzißmus - Erleben eines vollkommenen Gleichgewichts vermittels der
mütterl. Fürsorge- wird nach Kohut durch unvermeidl. Begrenzungen der Eltern gestört, aber vom Kind
ersetzt durch a.) den Aufbau eines grandiosen und exhibitionistischen Bildes des Selbst, das
Grössen-Selbst - einer Struktur innerhalb des Selbst, die grandiose und übersteigerte Vorstellungen von
der eige nen Person beinhaltet b.) die Zuweisung der Vollkommenheit an ein idealisiertes, bewundertes,
allmächtiges Selbst-Objekt; (Elternfigur, die »narzißtisch besetzt« wird, noch als Teil des Selbst im Sinne
von Teil der Selbstregulation, der Regulation der eigenen Befindlichkeit erlebt wird). Aufgabe der
gesunden Entwicklung ist dann, die ebenfalls unvermeidlichen Frustrationen zu verarbeiten, die mit dem
Erleben der Realität und der Relativierung von a.) und b.) verbunden sind. Hilfreich sind dazu empa
thische Eltern, die die Relativierung und »Zähmung« des Grössen-Selbst wie auch das Erkennen ihrer
eigenen Begrenzungen behutsam begleiten. Es entsteht dann gesunder Exhibitionismus, Bereitschaft ,
sich zu exponieren, Erfolg zu haben, sich Ziele zu setzen, eine gesunde Idealisierung von
Über-Ich-Inhalten (Werten, Zielen). Eine narzisstische Störung entsteht nach Kohut, wenn diese
Integration nicht glückt. Bei schweren Traumen (das Kind wird beschämt, verhöhnt, verlacht, dauernd
benachteiligt oder vernachlässigt; Eltern entziehen sich der Idealisierung oder sind nicht mehr verfügbar;
Eltern sind psychisch schwer gestört) wird das Grössen-Selbst abgespalten und nicht integriert, so daß
es als archaische Struktur fortexistiert. Nach Kohut kann das Grössen-Selbst sowohl vertikal - als auch
horizontal abgespalten sein. Wenn ein vertikal abgespaltener Teil existiert, gibt es einen sichtbaren,
lärmenden Narzißmus, wenn dieser Teil nicht existiert, nur einen verheimlichten N., der mit
Schüchternheit, sozialen Ängsten, Schamneigung einhergeht. Die horiz. Spaltung sieht Kohut bei
narzißt. Störungen stets als gegeben an. Daraus resultieren grandiose Erwartungen und unrealistische
Forderungen und vor allem die Formen der auf spezifische Weise symbiotischen Beziehungsgestaltung:-
Idealisierung der Therapeuten: Sie sind super! Ich habe wirklich einen so hervorragenden Therapeuten
verdient!- Zwillingsübertragung: Wir beide sind uns schon einig, wie wir zu den anderen stehen!
(Aktivierung des Größenselbst: »Ich und Sie, das kann vielleicht was werden«) - Extreme Formen der
Idealisierung : Schwärmerei - Aktivierung eines archaischen Größenselbst mit besonderer Arroganz,
Herablassung und Unnahbarkeit.


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