Einige überdurchschnittlich positiv bewertete
Assoziationen zu »Iphigenie«
hartmut schrieb am 24.2. 2002 um 11:24:27 Uhr zu
Bewertung: 2 Punkt(e)
Iphigenie auf Tauris
»Verteufelt human« nannte Goethe selbst später seine Iphigenie. Und tatsächlich kommt in diesem Drama das klassische Humanitäts- und Kunstideal maßvoller Harmonie zur vollen Ausprägung nicht zuletzt gilt ja die Iphigenie als das klassische Drama schlechthin. Das beginnt schon mit dem streng symmetrischen Aufbau: Um die Zentralfigur Iphigenie sind einerseits Thoas und Arkas, die »Barbaren«, andererseits die beiden Griechen Orest und Pylades gruppiert. Ebenso streng folgt der Aufbau der Szenenfolgen in den einzelnen Akten der klassischen griechischen Tragödie. Der erste Akt liefert die Exposition, der zweite in der Ankunft von Orest und Pylades das erregende Moment, der dritte Akt bringt im Wiedererkennen der Geschwister die Anagnoresis, der vierte mit der Intrige des Pylades das retardierende Moment. Im fünften Akt, in dem die Katastrophe folgen müßte, wird bei Goethe der Konflikt jedoch aufgelöst, weshalb das Stück auch nicht als Tragödie, sondern als Schauspiel betitelt wurde.
Das Drama zerfällt in zwei sich gegenseitig bedingende Handlungsstränge: Die Orest- und die Iphigenienhandlung. In der Oresthandlung stehen sich zwei geistes- und menschheitsgeschichtliche Typen gegenüber: Der im Mythos befangene Orest, der seinen Tod herbeisehnt, und der vernunftgeleitete, nüchtern kalkulierende Pylades, der auf Rettung sinnt. Orest wird am Ende des dritten Akts von seinem mythischen Wahn geheilt, das Befreiungserlebnis ist als 'therapeutischer Akt' dargestellt. Offen bleibt dabei, wodurch dieser Heilungsprozeß in Gang kommt. Ist es eine göttliche Instanz, oder ist es die reine Menschlichkeit Iphigenies, die die kathartische Wirkung hervorruft? Oder ist es ein Erkenntnisschub, der Orest von der Verblendung durch den Mythos befreit, was einem Akt der Aufklärung gleichkäme? Solchen Deutungsmustern muß nicht widersprechen, daß es auf jeden Fall die Sprache ist, die den Anstoß zur Heilung gibt: Vertrauliche Gespräche und tröstliche Worte der Schwester treten an die Stelle gewalttätiger Interaktionsformen, von denen das Geschlecht des Tantalus seit sechs Generationen beherrscht wird. Die Sprache wird so zum emanzipatorischen Modus der Befreiung aus dem alten Schuldzusammenhang und der hergebrachten Kommunikatonsunfähigkeit der Familie.
hartmut schrieb am 24.2. 2002 um 11:26:27 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Iphigenie auf Tauris
»Verteufelt human« nannte Goethe selbst später seine Iphigenie. Und tatsächlich kommt in diesem Drama das klassische Humanitäts- und Kunstideal maßvoller Harmonie zur vollen Ausprägung nicht zuletzt gilt ja die Iphigenie als das klassische Drama schlechthin. Das beginnt schon mit dem streng symmetrischen Aufbau: Um die Zentralfigur Iphigenie sind einerseits Thoas und Arkas, die »Barbaren«, andererseits die beiden Griechen Orest und Pylades gruppiert. Ebenso streng folgt der Aufbau der Szenenfolgen in den einzelnen Akten der klassischen griechischen Tragödie. Der erste Akt liefert die Exposition, der zweite in der Ankunft von Orest und Pylades das erregende Moment, der dritte Akt bringt im Wiedererkennen der Geschwister die Anagnoresis, der vierte mit der Intrige des Pylades das retardierende Moment. Im fünften Akt, in dem die Katastrophe folgen müßte, wird bei Goethe der Konflikt jedoch aufgelöst, weshalb das Stück auch nicht als Tragödie, sondern als Schauspiel betitelt wurde.
Das Drama zerfällt in zwei sich gegenseitig bedingende Handlungsstränge: Die Orest- und die Iphigenienhandlung. In der Oresthandlung stehen sich zwei geistes- und menschheitsgeschichtliche Typen gegenüber: Der im Mythos befangene Orest, der seinen Tod herbeisehnt, und der vernunftgeleitete, nüchtern kalkulierende Pylades, der auf Rettung sinnt. Orest wird am Ende des dritten Akts von seinem mythischen Wahn geheilt, das Befreiungserlebnis ist als 'therapeutischer Akt' dargestellt. Offen bleibt dabei, wodurch dieser Heilungsprozeß in Gang kommt. Ist es eine göttliche Instanz, oder ist es die reine Menschlichkeit Iphigenies, die die kathartische Wirkung hervorruft? Oder ist es ein Erkenntnisschub, der Orest von der Verblendung durch den Mythos befreit, was einem Akt der Aufklärung gleichkäme? Solchen Deutungsmustern muß nicht widersprechen, daß es auf jeden Fall die Sprache ist, die den Anstoß zur Heilung gibt: Vertrauliche Gespräche und tröstliche Worte der Schwester treten an die Stelle gewalttätiger Interaktionsformen, von denen das Geschlecht des Tantalus seit sechs Generationen beherrscht wird. Die Sprache wird so zum emanzipatorischen Modus der Befreiung aus dem alten Schuldzusammenhang und der hergebrachten Kommunikationsunfähigkeit der Familie.
Das schadet keinem, der hier meint, schreiben zu müssen.
Iphigenie schrieb am 23.6. 2001 um 14:49:49 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Frei atmen macht das Leben nicht allein.
Welch Leben ist's, das an der heil'gen Stätte
Gleich einem Schatten um sein eigen Grab
Ich nur vertrauern muß? Und nenn ich das
Ein fröhlich selbstbewußtes Leben, wenn
Uns jeder Tag, vergebens hingeträumt,
Zu jenen grauen Tagen vorbereitet,
Die an dem Ufer Lethes selbstvergessend
Die Trauerschar der Abgeschiednen feiert?
Ein unnütz Leben ist ein früher Tod;
Dies Frauenschicksal ist vor allen meins.
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