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Gebetsgebärden der Kleriker
1. Armgebärden
Das Ausbreiten und Erheben der Hände war in der frühen Kirche die Gebetshaltung schlechthin. Die Christen übernahmen damit eine Gebetsgebärde, die bei allen Völkern der Antike üblich war. Aber sie verbanden diese Gebärde mit der Kreuzigung Jesu. Die Übung der Handgebärde beginnt man mit dem aufrechten Stehen. Dann öffnet man die Hände nach vorne und winkelt die Arme an, so dass man mit den Händen eine nach oben offene Schale bildet (Darbietungshaltung). Von dieser Haltung kann man zur Orantehaltung übergehen (wie in den Katakomben mehrfach dargestellt): Man führt die Arme seitwärts nach oben, hält sie in Schulterhöhe weit ausgestreckt, die Hände nach oben geöffnet. Diese Haltung wird weit weniger anstrengend, wenn man die Anspannung nicht aus den Armen holt, sondern aus dem Bauchraum und die Arme samt Schultergürtel (durch leichtes herunterdrücken der Schulter) auf den Torsomuskeln »ablegt«. Eine andere Form des Händeaus-streckens entwickelt sich aus der Kreuzgebärde. Man dreht seine Hände an den herunterhängenden Armen nach vorne. Dann führt man die Arme langsam nach oben, die Handflächen dabei nach vorne haltend, bis die Arme in Schulterhöhe waagrecht ausgestreckt sind. Aus dieser Haltung kann man - durch eine Abwinkelung der Arme in den Ellenbogen - die Hände nach vorne hin offen halten, was laut dem OSB für das Paternoster empfohlen wird.
2. Handgebärden
Über das Falten der Hände habe ich schon an früherer Stelle geschrieben. Auch das Vorhalten der Hände vor das Gesicht und die Handauflegung bedarf keiner weiteren Erklärung. Es gibt aber noch weitere Gesten: Das Schlagen an die Brust ist als Reuezeichen im OSB und sicher auch in anderen Orden verbreitet. Es wird besonders beim Schuldbekenntnis zusammen mit dem Satz »Mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa« durchgeführt, wobei bei jedem Teilsatz ein Schlag erfolgt. Das Kreuzzeichen als DAS christliche Symbol ist ebenfalls zu untergliedern in:
Das kleine Kreuzzeichen = Es wird mit einem Finger, meist dem Daumen, entweder auf der Stirn, dem Mund und der Brust, aber auch an allen Gegenständen und Personen vollzogen. Das große Kreuzzeichen = Dazu führt man die Hand von der Stirn zu Brust und von der linken zur rechten Schulter (gilt soweit ich weiß nicht für Orthodoxe, die die Hand von der rechten zur linken Schulter führen). Bei Gruppensegnungen empfiehlt es sich, die Fläche der Hand als Segensgeste der Gruppe zuzuwenden.
3. Körperhaltungen
Die Verbeugung oder Verneigung soll den Menschen kleiner machen bzw. ihm sein »Kleinsein« auch körperlich »vor Augen« führen. Diese Gebärde wird aus dem bewussten aufrechten Stehen vollzogen, in dem man zuerst den Kopf neigt und dann
langsam Kopf und Schultern vorbeugt. Die Arme und Hände kann man entweder entlang des Körpers gleiten lassen oder auch vor der Brust kreuzen. Im OSB wird diese Verbeugung gerne am Ende eines Psalms vollzogen (im Psalterium am * = Asteriscus zu erkennen). Das Aufrichten erfolgt dann in umgekehrter Reihenfolge.
Beim Knien gibt es zwei Gebärden, die Kniebeuge und das Knien als Dauerhaltung. Prinzipiell ist das Dauerknien im OSB nicht eine oft geübte Gebetshaltung, die eher die Verneigungen wählen oder die Prostratio, d.h. das Hinlegen mit ausgebreiteten
Armen.
4. Schreiten
Jeder, der einen Kleriker gemäß des Kenntnisstandes über das HMA darstellen will, sollte sich in einem Kloster seiner Wahl das Schreiten der Mönche ansehen, welches immer auch eine Prozession ist. Da die lange Tunika kaum ein anderes Gehen zulässt (es sei denn, man will den Rocksaum schürzen) ist dieser Teil wohl der am einfachsten zu lernende.
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