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Charch schrieb am 31.8. 2000 um 19:20:11 Uhr über

Ritter

Das Turnier in der Stauferzeit


Reiterspiele wurden schon bei den Römern und auch im frühen Mittelalter immer wieder durchgeführt.
Turnier in seiner ältesten, altfranzösischen Bedeutung ist Streit bzw. ernster Kampf.

Im Unterschied zum ernsten Kampf, der Fehde, setzte das Turnier eine Einladung voraus. Man sandte Boten und Briefe und lud alle ein die kommen wollten.
Vor dem Turnier wurden die Kampfregeln festgelegt. Zwei Scharen wurden gebildet und die ranghöchsten Herren zu Anführern gewählt. Landsmannschaften blieben zusammen.
Finanzielle Bedingungen wurden ausgehandelt. Entweder sollte der Besiegte alles verlieren was er an sich hatte oder es sollte um alles gehen was er aufbringen konnte.
Es wurde ein Sicherheitsbezirk eingerichtet in dem sich jeder zurückziehen konnte und vor Angriffen sicher war.
Vor dem Turnier fand eine Helmschau statt. Die Helme und Schilde der Ritter, die am Turnier teilnehmen wollten, wurden von ihren Knappen an einem bekanntgegebenen Platz aufgestellt. Der Herold überprüfte an Hand von Wappenrollen die Turnierfähig - keit der Ritter.
Die adligen Frauen konnten durch ihren Widerspruch, die Teilnahme eines Ritters am Turnier verhindern.
Am Hof wurden zur Kurzweil der Gäste Waffenspiele der Ritter und Knappen abgehalten. Minnesänger unterhielten die Gäste mit ihren Liedern, Musikanten spielten zum Tanz auf und Gaukler trugen ihre Kunstfertigkeiten vor.
Händler und Handwerker bildeten den erweiterten Rahmen des Turniers.

Das Anreiten gegen den Roland (Sarazen oder Quintan), sowie das Anreiten gegen eine Stechpuppe oder auch das Ringe stechen, gehörte zu den alten Kampfspielen, das schon immer der Waffenübung der berittenen Kriegerschaft diente. Es wurde durch das Rittertum weiterentwickelt und in einer neuen Form des Turniers zu einem wesentlichen Bestandteil des ritterlichen Lebens gemacht.

Der Buhurt ist die älteste ritterliche Übung bei der es auf die Geschicklichkeit zu Pferde ankommt. Buhurt wird in geschlossenen Verbänden und ohne Rüstung geritten. Bei den Mainzer Hoftagen wurde der Buhurt ohne Waffen geritten.
Es ist ein Formationsreiten mit prächtigen Fahnen und Schilde.

Der Tjost ist ein Einzelgestech. Zwei voll gewappnete Gegner sprengen mit eingelegten Lanzen aufeinander zu und versuchen einander aus dem Sattel zu heben. Sind die Lanzen verstochen kann der Kampf zu Fuß mit Helm, Schild und Schwert fortgesetzt werden.

Die Vesperie ist ein Vorturnier oder Vorgeplänkel ohne feste Absprachen und Regeln. Es gab Einzelstechen aber es wurde auch in geschlossenen Verbänden gekämpft, so das, das eigentliche Turnier auf Grund der Verletzungen und der hohen Gefangenenzahlen oft nicht mehr durchgeführt werden konnte.

Beim Foreis (mhd. »im Wald«) wartete ein Ritter oder eine Gruppe von Rittern im Wald. Vorbeiziehende Ritter wurden zum Tjost herausgefordert.

Beim eigentliche Turnier im 12. Jh. wurde auf großen Flächen und nur in geschlossenen Verbänden gekämpft. Zuschauer gab es nur wenige.
Ab dem 13. Jh. wurden die Turnierplätze abgesteckt. Sie wurden näher an die Stadt oder Burg heran gelegt und vor einem sachkundigen Publikum aufgeführt.

Man versuchte mit der Wucht des geschlossenen Verbandes auf den Gegner zu treffen um ihn zum Weichen zu bringen und um seine Reihen zu durchbrechen. Wenn das gelang versuchte man eine Umkehr zu reiten.
Wurden beim ersten Aufprall die Lanzen gebrochen, zogen die Ritter ihre Schwerter.
Wenn Rotte in Rotte und Schar in Schar ineinander geschoben zum Stillstand kam, stand das Turnier auf der Kippe.
Man versuchte den Gegner aus den Sattel zu schlagen und Gefangene zu machen. Vor allem die Anführer waren gefährdet, da sie ein hohes Lösegeld einbrachten und den Gegner führerlos machten.
Den Rittern, die sich gefangen gaben, wurde Sicherheit gewährt.
Das Turnier war beendet wenn eine Schar unterlag oder wenn bei Einbruch der Dämmerung ein weiterer Kampf unmöglich wurde.




Quellenangabe: Höfische Kultur Joachim Bumke
Das ritterliche Turnier HG. Josef Fleckenstein
Frowendienst



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