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am 7.2. 2000 um 14:47:37 Uhr schrieb rudi
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am 14.3. 2026 um 11:08:43 Uhr schrieb joo
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am 14.9. 2009 um 15:17:59 Uhr schrieb Ronja über ritter
am 3.12. 2007 um 11:33:35 Uhr schrieb Mona über ritter
am 12.12. 2007 um 17:49:09 Uhr schrieb superhirn über ritter
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Einige überdurchschnittlich positiv bewertete
Assoziationen zu »Ritter«
minnesänger schrieb am 5.3. 2000 um 10:33:34 Uhr zu
Bewertung: 10 Punkt(e)
Vixi duellis nuper idoneus,
et militavi non sine gloria;
nunc arma, defunctumque bello
barbiton hic paries habebit,
laevum marinae qui Veneris latus
custodit. Hic, hic ponite lucida
funalia et vectes et arcus
oppositis foribus minaces.
O quae beatam diva tenes Cyprum et
Memphin carenten Sithonia nive,
regina, sublimi flagello
tange Chloen semel arrogantem.
Vor kurzem noch ein Ritter im Liebesspiel,
der seine Klinge nicht ohne Glück geführt -
und heut? .. Genug! laßt uns nun endlich
Leyer und Schwert an den Nagel hängen.
Und an denselben Nagel den Dieterich,
der mir nichts half, die kleine Laterne, die
verlosch, und die Strickleiter, die das
freche Geschöpf mir vom Fenster abschnitt.
Du sonst so eifrig rächende Nemesis -
die Dirn empfehl ich deiner besondern Huld!
Der wünscht´ ich einen Mann einst, der sie
ein um den anderen Tag verprügelt.
Charch schrieb am 31.8. 2000 um 03:48:05 Uhr zu
Bewertung: 3 Punkt(e)
Die Entwicklung des Rittertums bis zum hohen Mittelalter
Die Entwicklung des Ritterbegriffes läßt sich durch Belege über die Bezeichnung miles bis in die Antike zurückverfolgen. Bei den Römern bezeichnet miles den einfachen Soldaten entgegen den equites, den berittenen Vornehmen.
Im frühen Mittelalter sind die Herren (milites) und Knechte (serviens) Waffengefährten, aber Herrschaft und Dienst bleiben rechtlich und sozial scharf voneinander getrennt. Der frühmittelalterliche miles ist aber kein Ritter, sondern ein Kämpfer zu Pferd. Seiner Stellung nach ist er entweder ein Adeliger, Edler, Edelfreier (nobilis) oder er ist ein Knecht bzw. Dienstmann (serviens, ministerialis).
Nach der Auflösung der großfränkischen Staatsordnung im inneren des Reiches (durch eine schwache Königsmacht in Frankreich) und der Bedrohung von außen durch Normannen, Sarazenen und Ungarn sicherte allein hohe Geburt kaum jemanden die Herrschaft. Zum Machthaber, der Schutz gab und Gehorsam forderte, wurde der tüchtige Berittene, der mit seinen Waffen schnell zur Stelle war und berittene Räuber verscheuchte. Im am schwersten bedrohten Frankreich wurden die Verteidiger zu Herren, gleichgültig, ob sie altadelige Grafen, edelfreie Herren oder berittene Stallknechte waren.
Die Bauern richteten den Herrn seine Burg, sie übergaben ihm Land und waren bereit ihn zu ernähren, damit er stets frei für die Waffen war. Daraus entwickelte sich die Domänenwirtschaft. Der Herr gab den Bauern ihr Land zum größten Teil zurück und sie leisteten aus den Erträgen Naturalabgaben.
Die Herren (nobilis) leben nicht von ihrer Hände Arbeit, sondern von der Arbeit anderer, von den Leistungen und Abgaben der Bauern, der Handwerkern und Kaufleute, von Erträgen aus Zöllen, Steuern und Gerichtsbarkeitsrechten.
Das Rittertum entstand aus dem Feudal - vasallitischen Institutionen, da seine Mitglieder allgemein zu den Familien der Lehnsherren gehörten. Lehnswesen und Rittertum waren und blieben verschiedene Dinge. Von den Anfängen an war ein Lehen mit Kriegsdiensten für den jeweiligen Lehnsherren verbunden. Da zudem, durch innere oder äußere Fehden bedingt, ein permanenter Kriegszustand herrschte, waren die Lehnsträger Berufskrieger, besser ausgerüstet und besser ausgebildet als alle übrigen Krieger. Auch sie kämpften zu Pferd, wenn sie die Mittel dafür besaßen, jedoch war ihre Ausrüstung unvollständig. Die »nobilis« kämpften zu Pferd und in Vollständigkeit der Rüstung - Helm, Brünne, Schild, Speer, Schwert und Streitaxt. Die vollständige Ausrüstung war kostspielig und schwer, und es waren ausgewählte Pferde, die diese Bewaffneten verwendeten.
Bei der Kampftechnik vor dem 11. Jahrhundert wurde ein leichter Speer am Schwerpunkt getragen und mit der ausgestreckten rechten Hand von unten geführt oder mit dem angewinkelten Arm von oben gestoßen oder aus nächster Entfernung auch geworfen. Durch die Einführung bzw. Weiterentwicklung des Steigbügels und des Bocksattels (Kastensattel) im 11. Jahrhundert änderte sich die Kampftechnik. Die Lanze wurde fest unter den rechten Arm geklemmt. Dadurch konnte der Schwerpunkt der Lanze um einen großen Teil nach Hinten verlagert werden. Die Ritter waren in der Lage längere und schwerere Lanzen zu führen. Der Steigbügel verlieh dem Reiter eine besondere Standfestigkeit. Die neue Kampftechnik erforderte aber eine lange und gründliche Ausbildung. Der Steigbügel wie auch das Rittertum verbreitete sich von Frankreich her.
In den Jahren vor den Kreuzzügen verlief das Leben in Europa denkbar einfach. Selbst Adelige verfügen über nur wenig Bequemlichkeit. Oft teilen sie einen einzigen übelriechenden Raum im Untergeschoß eines steinernen Turms zusammen mit dem Vieh. Bildung und Wissen, in Klöstern gespeichert, war mit Ausnahme einzelner privilegierter, selten und nur sehr unvollkommen. Ein Schreiber der Latein konnte mußte alles aufzeichnen. Der dürftige Handel beschränkte sich vorwiegend auf Naturalien. Nur gelegentlich gab es Abwechslung: Jagd, bescheidene musikalische Unterhaltung oder ein Kriegszug.
Der Krieg war auch eine gute Gelegenheit Geld oder Beute zu bekommen. Die Herren die sich gegenseitig bekämpften mußten großzügig sein, um ihr Ansehen zu wahren und sich die Dienste der Vasallen nach Ablauf der Pflichtzeit (40 Tage) und ebenso der fahrenden Ritter (Originaltext) zu sichern, die, wenn sie ihnen nicht dienten, wegziehen oder die Reihen der Feinde verstärken konnten. Sie mußten zugestehen, daß Beute gemacht wurde, sie mußten zugestehen, daß Gefangene gegen Lösegeld freigelassen wurden, auch wenn das bedeutete, bald wieder Krieg führen zu müssen.
In Friedenszeiten wurde die Kampfkraft durch Jagden und Turniere aufrechterhalten, Scheingefechten mit festen Regeln bei denen Preise zu gewinnen waren, was vor allen für die fahrenden Ritter, die von einem Hof zum anderen zogen, von Vorteil war. Diese fahrenden Ritter besaßen ein kleines oder kleinstes Lehen oder waren nach geborene Söhne, die von der Erbfolge des väterlichen Lehens ausgeschlossen waren. Sie besaßen nur die kriegerische Ausbildung, Waffen und Pferd und versuchten, auf ihre Ausbildung und Tüchtigkeit vertrauend, ihr Glück zu machen oder sich recht und schlecht durchzuschlagen.
Die große Reformbewegung des Klosterlebens im 11. Jahrhundert steht im Einklang mit dem Eindringen von christlichen Gedanken in die adelige Wehrhaftmachung. Kirchliche und weltliche Institutionen setzten die Gottesfriedensbewegung durch. Neben dem Mönchs- und Papsttum wurde auch das laikale Kriegertum reformiert. Anknüpfend an das alte Herrenamt, Frieden und Recht zu bewahren, wurde ihm nun die spezifisch christlichen Pflichten auferlegt : für Witwen und Waisen einzutreten, für alle Armen und Unterdrückten, die Kirche zu schützen und die Ketzer mit Feuer und Schwert zu bekämpfen. Die höchste Erfüllung des weltlichen Adels sollte es aber sein als Gottesstreiter unmittelbar in den Dienst Christi zu treten und auf der Reise über »se« für die Befreiung der heiligen Stätten und für die Ausbreitung des christlichen Glaubens zu kämpfen. Seit der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts wurde die militia Christi mit neuen Sinn erfüllt. Papst Gregor VII hat sie ganz bewußt auf die weltlichen Kämpfer übertragen, die bereit waren, mit den Waffen für die Sache Petri einzutreten. Jetzt konnte auch derjenige, der mit dem weltlichen Schwert in den Dienst Gottes trat, ein miles Christi heißen. In diesen Worten lag eine große Verheißung : Ablaß der Sünden und die Anwartschaft auf das ewige Heil. Der Schutz der Armen und der Schutz vor den Feinden der Kirche rechtfertigten das Waffentragen und machten den Kampf zu einer gerechten Sache. Der Begriff miles wird häufig in den Texten der Gottesfriedensbewegung (Trenja Dei) verwendet. Die Bedeutungsveränderung und Sozialverschiebungen im Gebrauch des Wortes miles während des 11. & 12. Jahrhunderts werden offensichtlich. Es bezeichnet am Anfang des 11. Jahrhunderts den berittenen Kriegsmann und beim ersten Kreuzzug, Ende des 11. Jahrhunderts unterscheidet man die milites von den Fußsoldaten.
Weiterhin werden die milites wegen ihrer kriegerischen Tätigkeit von der übrigen Bevölkerung abgegrenzt. Man unterscheidet in Ständen. Den Wehrstand, den Lehrstand (Klerus) und Nährstand, den Bauern.
Schließlich erscheint miles in diesen Perioden zunehmend in Urkunden und Zeugenlisten und bezeichnet den sozialen Stand einer Person. Als Personenbezeichnung hat das Wort einen sozialen Aufstieg erlebt.
Am Anfang diente das Wort miles dazu zwischen Männern von eher bescheidenen Vermögen und größerem, dem Adel zugehörigen Herren, etwa Grafen und Burgherren zu unterscheiden.
Später aber, und hier besonders im Frankreich des 12. Jahrhunderts, bezeichnen sich diese Herren ausdrücklich als miles. Der Grund für diese Ausweitung des Wortgebrauchs als Titel ist wohl darin zu suchen, daß die beiden Gruppen, die niedere Ritterschaft (vorher als vassi - Vasallen bezeichnet) und der höhere Adel (die Lehnsherren der Vasallen - nobiles) im Rahmen eines sozialen aber nicht unbedingt wirtschaftlichen Ausgleichsprozesses näher aneinander rückten und das Wort miles selbst immer mehr Würde und Ehrenhaftigkeit assoziiert wurde.
In Deutschland nahm die Entwicklung des Rittertums einen ganz anderen Weg und es herrschten ganz andere Zustände.
Hier hat man die Ungarn Invasion durch eine intakte Königsmacht rasch verschmerzt. Der Staat blieb stabil, er ruhte auf Königtum, Geburtsadel, Eigenbesitz und Amt. Der Burgenbau blieb Königsprivileg. Unter den Ottonen im 10. Jahrhunder zogen Könige, geistliche und weltliche Fürsten erstmals zuverlässige Leute für wichtige Dienste heran. Dienstmannen (ministerialis) die sich im Bereich ihrer Herrschaft bewährt hatten. Nachdem die Salier in Ansätzen zahlreiche persönliche Bindungen zu den Ministerialen verstärkt hatten, begannen die stauferischen Könige im 12. Jahrhundert den veralteten Staatsbau zu modernisiere und die altständischen Gewalten einzudämmen. Als Waffe sollte das Lehnswesen dienen. Der machtvolle Reichsfürstenstand erschwerte durch die streng gestufte Heerschildordnung und den Leihezwang den König am Ausbau eines eigenen, geschlossenen Territoriums. König, Kirche und Fürsten rangen miteinander, aber sie machten sich möglichst unabhängig von der teuren Treue der Edelfreien, die nur durch Preisgabe von Herrschaftsrechten zu erkaufen war. Lieber stützte man sich auf abhängige Dienstmannen. Sie trugen die militärische Hauptlast des Ringens, aber die Herrschaft blieb in den Händen der wenigen Mächtigen.
Die Ministerialen bildeten eine privilegierte Gruppe unter den Unfreien. Sie waren die Vorfahren der Burgvögte und kleineren Rittern späterer Zeit. Sie durften kein Land veräußern, dem sie selbst angehörten. Desweiteren durften sie kein Lehnsland aus anderer Hand empfangen ohne die Erlaubnis ihres Herren. Heiraten durften sie nur mit Einwilligung ihres Lehnsherren. Die Rechte und Privilegien der Dienstmannen wurde wie bei anderen Leibeigenen, durch das Gutsrecht der jeweiligen Herrschaft definiert. Außerhalb dieses Bereichs hatten sie keinen Anteil am gemeinen Recht. Sie unterscheiden sich in ihren Rechten und Privilegien von den Vasallen.
Die Ministerialen leisteten jedoch keine Untergeordneten Dienste, sondern sie erfüllten Aufgaben im Herrenhaus, bei der Verwaltung von Gütern und in der Heerfolge.
Die Hauptämter des Herren, wie Kämmerer, Mundschenk und Marschall war in der Regel ihnen vorbehalten. Obwohl Eigenleute bildeten sie eine mächtige und privilegierte Gruppe innerhalb der Unfreien. Gerade der unfreie Status war der Schlüssel zu ihrer Macht und Sonderstellung. Wegen ihrer Abhängigkeit von ihren Herren und ihren engen familiären Bindungen an ihn und seiner Herrschaft ergab es sich ganz von selbst, daß er bei der Bemannung von Burgen oder der Durchsetzung seiner Gerichtsbarkeit auf sie zurückgriff und wegen ihrer allgemeinen militärischen Dienstverpflichtung, stellten sie die Kerntruppe seiner Militärmacht. Die Folge war, daß sich die Ministerialen eine starke Stellung verschaffen konnten.
In den Wirren des Bürgerkrieges im ausgehenden 11. Jahrhundert, am Streit zwischen Kaisertum und Papsttum um die Investitur entzündet, ergab sich für die Ministerialen eine günstige Gelegenheit, überall ihre Position zu festigen. Die Ministerialen und ihre Dienstleistungen waren wiederum so wertvoll für ihre Herren, daß eine strenge Eingrenzung ihrer Stellung nicht mehr möglich war. Die Erblichkeit des Lehen begann sich durchzusetzen. Die Ministerialen wurden jetzt nicht nur mit Dienstlehen, die nach Beendigung des Dienstes wieder entzogen werden konnten, sondern auch mit echten Lehen belohnt.
Mit der Erblichkeit der Lehen war der Weg vom Berufsstand in den Geburtsstand für den niederen Adel und die Ministerialen vorgezeichnet.
In seiner allgemeinen Bedeutung meint miles jeden, der Kriegsdienst tut, vor allem den Berufskrieger, den man sich in der Regel nur als Vasallen eines Adeligen vorstellen kann, gleichgültig wer sein »senior« war, ein gewöhnlicher Adeliger, ein Graf, Herzog, König oder geistlicher Herr. Am häufigsten bezeichnet miles den freien Vasallen oder ritterlichen Grundherren, der durch ein Lehnsverhältnis verpflichtet war, für adelige Herren Kriegsdienst zu leisten.
Eine anfangs geburtsständige Bezeichnung wird auf die gleiche Berufs und Leistungsgemeinschaft angewendet und dann im 13. Jahrhundert wieder auf eine geburtsständige Personengruppe eingeschränkt.
Der Wendepunkt in der Geschichte des Ritterbegriffs liegt am Ende des 12. Jhs.. Das Wort bekommt einen neuen Inhalt. Als Ursprungsbegriff war Ritter ein Dienstwort. Der Adel übernimmt den Ritterbegriff und auch Fürsten, Könige und der Kaiser nennen sich nun Ritter.
Der Rittername wird zum Zentralbegriff einer neuen Kultur, einer neuen Ethik und Ästhetik, zum Programm eines neuen Menschenbildes.
Dieser neue Wortbegriff tritt in den Dichtungen der höfischen Blütezeit dominierend hervor. Eilhard von Olberg, der Verfasser des deutschen Tristan, Walther von der Vogelweide, der bedeutende Minnesänger, Hartmann von Aue und Wolfram von Eschenbach die bedeutenden Epiker entstammten den Ministerialen - Milieu. Sie begrüßten und huldigten in ihren Werken die neue französische Ritterkultur.
Die Welt der deutschen Ministerialen war, wie die der französischen Ritter eine Welt des Hofes und der Heerfahrt. Für beide bedeutete Herrendienst eine wichtige Lebensmöglichkeit. Für beide war die Großzügigkeit der Herrn, daß äußere sichtbare Zeichen, gerechten Lohns.
Das Rittertum im Mittelalter Hg. Arno Borst
Charch schrieb am 31.8. 2000 um 03:50:56 Uhr zu
Bewertung: 2 Punkt(e)
Rittertum und höfische Kultur
D
er Feudalismus ist das Ordnungs- und Strukturprogramm in Alteuropa, das einen rechtlichen Sachverhalt definiert, und zwar einen Sachverhalt der das gesamte gesellschaftliche und staatliche Leben Europas von seiner Frühzeit bis über das Mittelalter hinaus bestimmt. Die Grundordnung der mittelalterlichen Welt stellte ein System von Bindungen dar, das ebenso für die Heeres- wie die Sozialverfassung, ja für die herrschaftliche Ordnung insgesamt bestimmt war. Der Ritter wurde seine Leitgestalt, seine Wappenfigur. Er hat sich aus dem Krieger entwickelt, mit dem er daher auch nicht mehr gleichgestellt werden kann. Man kann vielmehr sagen, daß die Differenz zwischen beiden das Wesen des Rittertums bestimmt.
Das Rittertum ist auf dem Boden des Lehnswesens entstanden. Zugrunde liegt die Verknüpfung von vasallitischem Dienst, Treuepflicht und Lehen, die jeweils den Lehnsherren mit seinem Lehnsmann, dem Vasallen, verbindet.
Das Lehnswesen ist im Kern ein einfaches Über- und Unterordnungsverhältnis, das jedoch den Vorteil hatte; daß es sich beliebig vermehren ließ. So konnte ein Grundherr z.B. alles Land, das er nicht selbst bewirtschaften konnte oder wollte, in Lehen verwandeln, um mit ihnen seine Vasallen zu belohnen, und wer ein Lehen erhielt, konnte dies auch weiter teilen, die Teile wiederum als Lehen ausgeben und sich damit seinerseits wieder Vasallen verpflichten. Auf diese Weise bot das Lehnswesen die Möglichkeit, einerseits Vasallen mit bestimmten Dienstverpflichtungen an einen Herrn zu binden, und andererseits in der Durchgliederung von Ober- und Untervasallen eine in sich gestufte herrschaftliche Ordnung und Organisation zu schaffen. Diese Ordnung hat ihren idealen Ausdruck in der erst im hohen Mittelalter voll ausgebildeten Lehnspyramide gefunden, die im König als dem obersten Lehnsherrn gipfelte, und von ihm stufenweise über die geistlichen und weltlichen Fürsten: Herzöge, Grafen und Barone, bis hinab zu den kleinsten Lehnsträgern führte.
Seit dem 10.Jahrhundert kann man sagen, daß alle milites Berufskrieger zu Pferde und Vasallen sind. Damit ist die Abgrenzung von Bauern und Kriegern vollzogen - sie schließt offensichtlich zugleich eine Aufwertung des neuen vasallitischen Kriegers, der jetzt ein loricatus, ein gepanzerter Krieger zu Pferde ist, ein.
Die wirtschaftliche Existenzform bildet die Grundherrschaft und ihre Identität ist eine Identität mit der Feudalgesellschaft.
Seit dem 11.Jahrhundert kommt mit der sogenannten Ministerialität, der Dienstmannschaft, noch eine weitere Schicht hinzu, die aus der Grundherrschaft selbst stammt, vom Grundherrn zu höheren Diensten, im wesentlichen Hof- und Kriegsdienst, herangezogen wird, und sich Dank dieser Dienste Schritt für Schritt aus der Unfreiheit erhebt. Doch ist wesentlich, daß die Ministerialen eindeutig der Unfreiheit verhaftet sind, als sie im 11.Jahrhundert ebenso wie die Vasallen als milites in Erscheinung treten. So verbreitet sich seit dieser Zeit die Basis der militia sogar in die Sphäre der Unfreiheit hinein, die allerdings damit ihre alte Schwerkraft verliert, denn indem die Ministerialen sich als ritterliche Dienstmannen in die militia einordnen, steigen sie sozial über die übrigen Unfreien empor, und die Normen, an denen sie sich orientieren, betonen die Gemeinsamkeit aller milites. Der Aufstieg der Ministerialen führt zur Erweiterung der militia, die damit über die Feudalgesellschaft im strengen Sinn hinausgreift. Gleichzeitig entsteht mit dem Bewußtsein der Gemeinsamkeit aller milites ein neuer Gesellschaftskodex, in dem die Feudalgesellschaft sich zusammen mit der Ministerialität als ritterliche Gesellschaft versteht.
Nach der Abgrenzung des Kriegertums vom Bauerntum und seiner Einbindung in die Feudalgesellschaft, deren Erweiterung durch die Ministerialität und der Ausbildung eines neuen, alle milites verbindenden Gesellschaftskodex kommt noch etwas wesentliches hinzu, das alle diese Wandlungen in einen neuen Sinnzusammenhang stellt, und damit erst den Übergang vom Kriegertum zum Rittertum bewirkt. Dieses Neue und Wesentliche, die verschiedenen Phänomene verbindende, ist die Idee des Rittertums.
In dieser Idee verbinden sich militärisch-gesellschaftliche mit kirchlichen Motiven, und in der Tat hat die Kirche entscheidend zu ihrer Ausformung beigetragen. In dem Bestreben, nach der Verchristlichung des Königtums auch den Adel auf die Anerkennung christlicher Normen zu verpflichten, hat sie sich besonders des Schwertsegens und der Ritterweihe bedient, eines kirchlichen Zeremoniells, das nach ihren Intentionen mit dem weltlichen Akt der Schwertleite verbunden werden sollte, und zumindest bei den vornehmen Herren auch in zunehmenden Maße damit verbunden worden ist. Dabei wurden Weiheformeln und Gebete verwandt, in denen zum erstenmal das Idealbild des miles christianus beschworen wurde : Des christlichen Ritters der sein Schwert aus Liebe zu Gott führt, das Unrecht bekämpft und den Frieden schützt und sich vor allem als Schützer der Kirche und aller Schwachen bewährt. War der Krieger also als Vasall wie als Ministeriale zum Dienst für seinen Herrn verpflichtet, so ist es der Schutz der Schutzbedürftigen, der den Ritter im Sinne der Zeit von ihm unterscheidet und über ihn erhebt.
Seit dem Konzil in Clermont im Jahre 1095 ist deutlich, daß die Feudalgesellschaft sich in immer breiteren Maße zum miles christianus bekannte, und zwar die Magnaten ebenso wie die kleine Vasallen, denen in Deutschland die Ministerialen zur Seite traten. Wie sie alle im Kreuzzug eine Aufgabe sahen, deren Größe jeden von ihnen, den mächtigen Adeligen wie den kleinen Vasallen, über sich hinaus hob, so hat diese Aufgabe alle, die sich ihr verschrieben, zu einer großen Kampfgemeinschaft verbunden, der Gemeinschaft des mit dem Bewußtsein seiner Zusammengehörigkeit ins Leben getretenen Rittertums.
Das Rittertum ist eine Lebensform des Feudalismus.
Zum Rittertum gehört :
1) der berittene Kriegsdienst mit Panzer, Schwert und Schild, Wappen und Helm mit Helmzier.
2) neben den Kriegsdienst ist mit gleichem Anspruch und Recht der Hofdienst getreten, eine ebenso herrschaftliche wie gesellschaftliche Pflicht.
3) Kriegs- und Hofdienst haben als wirtschaftliche Grundlage die Verfügung über ein oder mehrere Lehen.
4) das Rittertum steht unter einem Ideal, das zum Schutz der Schutzbedürftigen verpflichtet.
Das Rittertum entsteht und existiert mit und unter seinem Ideal. Das heißt nun jedoch nicht, daß alle Ritter diesem Ideal entsprochen hätten. Die Spannung zwischen Ideal und Wirklichkeit war immer groß, und der ritterliche Alltag war oft weit vom Ideal entfernt.
Rittertum ist primär ein Phänomen der Sozialgeschichte und sekundär noch etwas nicht weniger wichtiges, nämlich ein Phänomen der Kulturgeschichte. Die ritterliche Gesellschaft wurde zum Träger einer neuen Kultur.
Eine Bedingung für die Entstehung der neuen Kultur ist die Erweiterung der Feudalgesellschaft durch die aufstrebenden Kräfte der Ministerialität. Bei vorsichtiger Schätzung kann man zu dem Schluß kommen, daß der Aufstieg der Ministerialen die Feudalgesellschaft insgesamt wenigstens verdreifacht hat.
Es ist ein mächtig erweiterter, dabei vielschichtiger Personenkreis, der noch dazu voll der Energien und voll der Zuversicht des Aufstiegs; - ein Personenkreis, der Dank der stark erweiterten Grundlage die er bietet, und Dank seiner alte und neue Kräfte verbindenden Beschaffenheit fähig wurde, eine neue Kultur zu tragen.
Eine weitere Voraussetzung für den kulturellen Aufschwung stellen die Höfe dar. Die neue Kultur wird aus diesem Grunde ritterlich-höfische Kultur genannt. In Deutschland ist es der wandernde Kaiserhof, daneben der Hof des Welfenherzogs in Braunschweig, ferner die Höfe der Markgrafen von Österreich oder der Landgrafen von Thüringen, um nur die bedeutendsten hervorzuheben, an denen sich die neue Kultur zu entfalten beginnt und an denen sie in der Folgezeit ihre vollen Früchte trieb. Die einzelne Burg hatte daran im allgemeinen nur geringen Anteil. Was die großen Höfe auszeichnete, war die Tatsache, daß sie als Herrschaftszentren, die in dieser Zeit zum Teil den Charakter von Residenzen annahmen, zu Sammelpunkten der neuen Gesellschaft wurden, deren unterschiedliche Gruppen sich an ihnen in fruchtbarer Spannung rivalisierend und wetteifernd begegneten und in eine neue, ihnen allen gemeinsame Form hineinwuchsen. An den Höfen wird erkennbar, daß der alte Adel auf dem Weg zur höfischen Kultur vorausgeht, er bestimmt den Kurs, wenn auch der Anteil der Ministerialen allmählich immer stärker in Erscheinung tritt.
Bei der Entstehung der ritterlich-höfischen Kultur spielen neben den Rittern noch andere Personen eine wichtige Rolle : in erster Linie die Kleriker. Dies kann nicht überraschen wenn man bedenkt, daß sie im ganzen frühen Mittelalter die Bildung in ihrer Obhut hatten. Dabei schieden sich zwei Gruppen voneinander : die Mönche auf der einen, die Hofgeistlichen auf der anderen Seite, die zeitweise fast wie Antipoden jener erschienen.
Während Bernhard von Clairvaux das leuchtende Beispiel seiner Mönche wird, stehen viele Hofgeistliche dem Klerikertyp nah, den am reinsten Abaelard verkörpert. Sie haben in der Regel an den neuen Hochschulen studiert und begnügen sich gern mit den niederen Weihen. Was sie suchen ist weniger das geistliche Amt als Zugang zu den Schätzen der Bildung. Sie sind zumeist gar keine religiösen Naturen, sondern wie Abaelard, Intellektuelle. Sie sind am besten daran, wenn sie Aufnahme und Unterhalt an einem der Höfe finden.
Die gebildeten Kleriker haben am Hof wichtige Anstöße gegeben, ja durch die Vermittlung entscheidend dazu beigetragen, daß das Rittertum zum Träger einer neuen, eben der ritterlich-höfischen Kultur werden konnte. Neben den Klerikern haben die Ritter jedoch noch andere Helfer gehabt, ohne die diese Kultur, überhaupt nicht denkbar gewesen wäre. Waren die clerici curiales, in erster Linie als Vermittler der Bildung wichtig gewesen, so werden diese sogar echte Mittträger der neuen Kultur. Die Frau tritt in den Mittelpunkt der höfischen Geselligkeit. Das besondere ihrer Rolle tritt darin in Erscheinung, daß sie jetzt am Hof öffentlich als Geliebte umworben wird. Sie steigt dabei gleichsam über den Mann empor, und da dieser ein Mitglied der Feudalgesellschaft ist, vollzieht sich die Huldigung in Analogie zum Rechtsakt der Huldigung, der dem Lehnsakt angehört. Das heißt : der Liebende tritt der Geliebten gegenüber wie der Vasall seinem Lehnsherrn, der als dominus über ihm steht. Das Liebesverhältnis wird feudalisiert, und dies bewirkt, daß die Frau zur domina wird : zur Herrin oder mit anderen Worten zur Dame. So verdankt die Dame dem Rittertum ihre Existenz. Sie ist dafür die beste Helferin des Rttters geworden - nicht nur Mittträgerin, sondern auch Mitschöpferin seiner Kultur.
Man wird die erzieherische Wirkung, die von den Frauen ausging schwerlich überschätzen können
Bei der ritterlich-höfischen Kultur handelt es sich um eine Kultur der Oberschicht die auf der Grundlage von Grundherrschaft und Bauerntum beruht. Während der neue Typ der Feudalburg entsteht, bleibt das Bauernhaus im großen und ganzen, wie es war. Während die Ritter eine neue Bewaffnung, neue Tracht und neue Lebensformen entwickeln, entziehen sich Pflug, Sichel und Dreschflegel noch für Jahrhunderte dem Wandel der Zeit. Auch sie gehören zur Kultur, nur eben in einer tieferen und dauerhaften Schicht.
Die ritterlich-höfische Kultur als eine Epoche und die sie prägende Oberschicht begrenzte Teilkultur innerhalb der umfassenden gesamteuropäischen Kultur zu verstehen ist.
Schon bei oberflächlichen Vergleich zwischen den Zuständen des 10. und des 12. Jahrhunderts fällt ins Auge, daß die Welt weiter, reicher und bunter geworden ist.
Sie war weiter geworden, seit mit den Kreuzzügen riesige Scharen in die Ferne zogen. Die Kreuzzüge erweiterten den Horizont der Zeit, lockten die Phantasie und belebten zugleich den Handel, vor allem den Fernhandel mit Luxusgütern, die an den Höfen und auf den Burgen, aber auch in den aufstrebenden Städten Abnahme fanden. Auf den Höfen entfaltete das ritterliche Leben eine zuvor nicht gekannte Farbigkeit : Der Gebrauch der Wappen kommt auf, ihre Farben kehren auf den Kuvertüren der Pferde wieder, und nicht nur die Gewänder der Damen, sondern auch die der Ritter prangen in vollen Farben - die Bilder sind auf zahlreichen Miniaturen abgebildet. Es sind festliche Bilder. Sie verweisen auf einen ebenso wichtigen wie charakteristischen Sachverhalt, nämlich den, daß Fest und Spiel in dieser Kultur einen ungewöhnlich großen Raum einnahm. So verwandelt sich das alte Kampfspiel in das farbenprächtige Turnier, das selbst zum Fest wird, an den neben Rittern Damen und Sänger beteiligt sind. Wie das Turnier, so gehörte auch die höfische Liebe, eines der seltsamsten Phänomene der gesamten Kulturgeschichte, zur festlichen Sphäre des ritterlichen Daseins. Man darf nicht übersehen, daß sie , neben der inhaltlichen eine starke formale Seite hat. Sie läßt sich am deutlichsten in der Dichtung erkennen, die eine außerordentliche Hochschätzung der Form bezeugte, das Direkte mied und es durch Distanz und Anspielung ersetzte.
Quellenangabe: Rittertum und höfische Kultur Josef Fleckenstein 1976
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