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Umstritten sind bis heute die Funktionen der Träume. Freud ging davon aus, daß diese Ausdruck unbewußter Impulse sind, als
Wunscherfüllungen aufgefaßt werden können und somit eine psychohygienisch wichtige Funktion erfüllen. Diese Annahme ist nicht
unwidersprochen geblieben. Eine extreme Gegenposition wird von manchen Neurophysiologen eingenommen, die in Träumen
»lediglich« Epiphänomene nächtlicher kognitiver Aktivitäten sehen, die im wesentlichen in der Löschung überflüssiger
Gedächtnisinhalte bestehen; in diesem Lichte erscheinen Traumerinnerung oder gar Traumdeutung nicht nur als sinnlos, sondern als
potentiell eher schädlich zu sein (»Never recall a dream«; Crick F, Mitchison G (1983) The function of dream sleep. Nature
304:111-114 Nach heutigen Erkenntnissen beginnen gegen Ende des NREM-Schlafes vermehrt Nervenzellen im Hirnstamm, die den
Neurotransmitter Acetylcholin enthalten, zu „feuern". Die aus dem Hirnstamm aufsteigenden Signale wandern zum Großhirn hinauf
und aktivieren dort insbesondere die für das Sehen zuständigen Areale im Hinterkopf, gleichzeitig innervieren sie über Umwege die
Augenmuskeln und rufen so die ;rapid eye movements; hervor.Unabhängig von dieser Kontroverse über die Bedeutung der Träume
herrscht heute weitgehend Einigkeit darüber, daß in REM-Phasen Prozesse ablaufen, deren Korrelate kognitive Vorgänge sind die
mit der Speicherung von Erinnerungen, Konsolidierung von Gedächtnisinhalten und Lernen zu tun haben. Seit Jahrhunderten wird
ein Zusammenhang zwischen Träumen und dem Gedächtnis vermutet. Jetzt scheinen Wissenschaftler weitere Indizien gefunden zu
haben, die erklären, warum das Lernen manchmal ,,wie im Schlaf ‘ funktioniert (New Scientist 1999; 2205: 27-30). Der
Neurowissenschaftler Robert Stickgold von der Harvard Medical School vermutet, dass die verschiedenen Schlafphasen wichtig für
die Verarbeitung der tagsüber erhaltenen Informationen sind und dabei helfen, die Musterbildung in unserem Gedächtnis zu
strukturieren. Der Forscher geht sogar soweit zu vermuten, dass manche Lernprozesse ohne Schlaf gar nicht erfolgen können.
Untersuchungen an Ratten scheinen diese Hypothese zu bestätigen. Bei den Tieren verlängerte sich die REM-Phase ihres Schlafes,
wenn sie tags zuvor viele neue Dinge erlebten. Ratten, bei denen der REM-Schlaf gezielt unterbrochen wurde, lernten deutlich
schlechter als ihre Kollegen, die man in dieser Ruhephase unbehelligt ließ. Bei Menschen zeigte sich, dass sie ein bestimmtes
Muster deutlich schneller wieder erkannten, wenn sie zwischen der ersten und der zweiten Betrachtung des Testbildes geschlafen
hatten. Wurden die Schläfer während ihrer REM-Phase unterbrochen, erhöhte sich die Geschwindigkeit der Wiedererkennung indes
nicht. Durch den Schlaf scheint allerdings eher das prozedurale Gedächtnis gefördert zu werden: Eine vergessene Telefonnummer
wird nach dem Schlaf nicht unbedingt besser erinnert, wohl aber die Melodie eines Musikstükkes. Auch sind für die verschiedenen
Leistungen unseres Gedächtnisses verschiedene Schlafphasen von Bedeutung, nicht nur die Zeit des REM-Schlafes. Werner Plihal
und Jan Born von der Universität Bamberg haben beobachtet, dass sich die Unterbrechung unterschiedlicher Schlafphasen auf
jeweils andere Erinnerungsleistungen auswirkte. Damit geht einher, dass verschiedene Arbeitsgruppen herausgefunden haben, dass
die Interaktion zwischen verschiedenen Hirnregionen in den unterschiedlichen Schlafphasen wechselte und auch die Neubildung von
Synapsen zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich stark war. Um keine der das Gedächtnis stabilisierenden Vorgänge im Gehirn zu
unterbrechen oder gar zu verpassen, kann für alle lernschwachen und vergesslichen Zeitgenossen daher nur gelten: Das Wichtigste
sind regelmäßig 8 Stunden Schlaf
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