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Atomarer Erstschlag - Jetzt!
von 15 - 14.02.2003 19:14
Die große Jubeldemonstration der Initiativen »Verantwortung Jetzt!« ( http://www.verantwortung-jetzt.de) und »Mehr Krieg für alle!« ( http://www.schoener-krieg.tk) kann als schlagender Erfolg gewertet werden. Des Volkes Zorn hat den Herrschenden gezeigt, dass Krieg nicht bloß ein legitimes Mittel der Politik ist, sondern vielmehr eine Lebenseinstellung. Er ist der bessere Weg im menschlichen Miteinander, gegen den nur Pazifisten und andere Klappspaten etwas einzuwenden haben. Merk Dir, Zivilist: Dein Helm ist schon gestanzt!
Humanitärer Einsatz für die ganze Familie. Der fronttaugliche Kinderwagen.
Des Soldaten Pünktlichkeit ist fünf Minuten vor der Zeit. Deshalb waren bereits um 13 Uhr die Truppen vor der Neuen Nationalgalerie aufgezogen worden. Es konnten ca. 300 RekrutInnen ausgehoben werden. Der Aufmarsch unter dem klaren Motto »Mehr Krieg für Alle!« kam jedoch schon vor Beginn der Offensive auf die yuppiereiche Stadtmitte mit ihren schützenswerten Glas- und Stahlbauten ins Straucheln. Der Generator des Marschmusikwagens (Die linken Drückeberger nennen das wohl »Lauti«, dieses Pack!) gab den Geist auf. Vermutet wird ein pazifistischer Sabotageakt. Der erfahrene Generalsstab rief nach kurzer Beratung den ADAC um eineingeschränkte Solidarität und technischen Support an. Die Männer in den gelben Uniformen taten ihre vaterländische Pflicht und standen stramm zu uns und dem ganzen Krieg, wie wir es uns in so schweren Zeiten von allen deutschen Zivilisten nur wünschen können.
Die Pause und die Anwesenheit der Weltpresse nutzten einige Übermütige zu Exerzierübungen, die zu Foto-Shootings ausarteten. Mit Marschmusik und stolz geschwellter Brust kam der kriegswütige Mob dann um 14.30 Uhr endlich in Bewegung. Strengen Befehlen folgend trottete das Kanonenfutter der Willigen das Reichspietschufer herunter und grölte zunächst einsilbige Forderungen, wie »Krieg! Krieg! Krieg!«, doch schon bald kamen Parolen wie »Hoch die internationale Intervention!« dazu oder »Frieden ist Folter, Frieden ist Mord! Atomarer Erstschlag - Jetzt sofort!«. Es wurden Fahnen von Schurkenstaaten, wie Deutschland und den USA geschwenkt. Es gab viele Waffenattrappen und verschiedenste Uniformierungen, sogar einen echten Kübel-Jeep mit Bord-MG, einige Stalinorgeln und eine atomare Mittelstreckenwaffe hatte das Oberkommando aufgefahren. Ein Sarg mit Deutschlandfahne enthielt wahrscheinlich einen gefallenen Kameraden, aufgemacht hat ihn keiner, aber er wurde ehrenvoll mitgeführt. Ein AntiEverything-Kommando stellte einen getarnten Kinderwagen vor, der ABC-waffensicher sein soll, und daher auch Säuglinge endlich für die Front nutzbar macht.
Vor dem Verteidigungsministerium hatten die Waschlappen, die sich aus Feigheit nicht in den Irak trauen, Feldjäger zu ihrem Schutz aufgestellt. Diese liefen emsig wie die Bienchen, mit dem gewohnten Stock im Arsch, auf und ab. Ein Einzelner schrie: ?Landser, lass das Glotzen sein! Komm herüber - Reih dich ein!?. Im Redebeitrag wurde den Parlamentarierlöffeln ihre Feigheit vor Augen geführt und das müde Pack aufgefordert, sich der Demonstration für den Krieg anzuschließen. Keiner von ihnen hatte genug Mumm in den Knochen, sich uns anzuschließen. Versager!
Weiter ging es zum CDU-Gebäude. Ein Offizier brachte in seiner Rede die Verbundenheit der Pro-Kriegs-Allianz zu der stocksteifen Christenpartei zum Ausdruck. Schließlich sind sie ja auch - irgendwie - dafür.
Zwischen den Häuserschluchten des Potsdamer Platzes ertönten Bombenalarmsirenen und Stahlgewitter aus dem Lautsprecherwagen, als der blutgeile Mob aus Kamikaze-Söldnern der zivilisierten Welt andächtig über den blitzsauberen Boden des Yuppie-Mekkas marschierte. Der Wirtschaft wurde in der Rede einer Oberfeldwebelin für ihr Engagement rund um die Welt gedankt.
Am Checkpoint Charlie kam es zur großen Machtdemonstration in Form der Abschlusskundgebung. Diese war laut und kraftvoll wie selten - im Ernst.
Diese Demo war eine der besten, auf denen ich in der letzten Zeit war. Sie war unheimlich laut und die Demonstranten hatten verdammt Spaß daran, verdrehte Parolen zu grölen. Auch Passanten blieben nur selten unbeeindruckt von dem paramilitärischen Haufen Zecken.
Hoch die uneingeschränkte Solidarität!
No pasaran por las pacifistas!
Homepage: http://www.antieverything.de
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