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flüsterer schrieb am 10.12. 2002 um 16:19:04 Uhr über

Zufall

ich zitiere bacon um zu erläutern, was ich unter einer spontanen malweise verstehe, unabhängig der dauer und quantität der nötigen arbeitsgänge und vorarbeiten geistiger wie manueller technischer art:

aus »gespräche mit francis bacon« david sylvester, prestel 1997
(diese auflage beinhaltet 4 interviews aus den jahren 1962-74, drei aus den jahren 75-79, zwei von 82-86 und ist posthum um interview 8 und 9 eweitert)

zitatausszug: seite 18-20


sylvester: können sie nicht wieder umkehren, wenn sie erst einmal aufs falsche gleis gekommen sind?
bacon: im moment nicht, und immer weniger, da die art, wie ich arbeite, jetzt völlig zufällig ist und immer zufälliger wird und auch nicht voranzukommen scheint, wenn sie nicht zufällig ist. wie kann ich einen zufall wiederholen? das ist beinahe unmöglich.
s.:aber es könnte sein, daß sich auf derselben leinwand ein anderer zufall einstellt.
b.:es könnte einen anderen zufall geben, aber es wäre nie das gleiche. das ist vermutlich nur in der ölmalerei so, weil sie so subtil ist, daß schon ein ton, ein farbfleck, der etwas zu etwas anderem macht, die bedeutung der form vollkommen verändert.
s.:sie würden nicht zurückbekommen, was sie verloren haben, aber sie könnten etwas anderes erhalten.... warum also neigen sie eher dazu, zu zerstören als weiterzumachen? warum ziehen sie vor , auf einer anderen leinwand neu zu beginnen?
b.: weil die form verschwindet...und es technisch unmöglich wird weiterzumachen.
s.: was bringt sie dazu?
b.:können sie wirklich den unterschied definieren zwischen malerei, die sich direkt mitteilt, und malerei, die sich durch abbildung vermittelt?... es ist etwas, das mit dem instinkt zu tun hat. und es ist eine komplizierte sache , sich klar zu werden, warum manche malerei direkt auf das nervensystem stößt, und eine andere einem die geschichte weit ausschweifend durch das gehirn erzählt.
s.: ist es ihnen gelungen, bilder zu malen, bei denen sie immer weitermachten und die farbe dick wurde, und die sie doch gerettet haben?
b.: gelegentlich ja. z.b. ist da ein frühes bild,... es ist ein kleines gemälde und sehr sehr dick. ich habe ungefähr vier monate daran gearbeitet und in einer merkwürdigen art und weise ist vielleicht doch noch etwas daraus geworden.
s.: normalerweise bringen sie es nicht fertig so lange an einem bild zu arbeiten?
b.: nein, aber ich finde, ich kann besser drauflos arbeiten. und ich erwarte, daß sich eine erste, instinktive grundvorstellung von der sache einstellt und ich dann ziemlich unmittelbar weitermachen kann, so als ob ich ein neues bild malen würde.... es stecken allerlei möglichkeiten dahinter, zunächst unmittelbar geradeaus zu malen und dann, später das was der zufall beschert hat, durch den willen sehr viel weiterzubringen.
...
s.: wenn nun niemand käme und ihnen die bilder wegnehmen würde, würde wohl nie etwas das atelier verlassen. sie würden weitermachen, bis sie alles zerstört hätten.
B.: wahrscheinlich.




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