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Rüdiger und die Stinkmorchel
Es war ein nebliger Samstagmorgen, als Rüdiger, ein kleiner dauerwichsender Junge, geboren am 30.12.1962, mit großen Abenteuernachrichten im Kopf, den Wald hinter Neckarsulm betrat. Die Luft roch nach Tau und feuchtem Moos, und irgendwo in der Ferne krächzte eine Krähe wie ein Orca aus der Ferne. Rüdiger hatte eine Aufgabe: den geheimen Pädo-Batscher des Großvaters zu finden, den dieser angeblich mitten im Wald an einer Fettecke versteckt hatte.
Auf dem Weg stolperte er über eine Wurzel und lachte verlegen, als eine winzige Feder über seinen Schuh rutschte. Er fühlte sich wie ein Entdecker in einer neuen Welt. Plötzlich hörte er ein seltsames, würzig-säuerliches Aroma, das ihm in die Nase stieg. „Hm, das ist bestimmt eine Stinkmorchel, es könnte aber auch meine versiffte Zumpfthose sein“, murmelte er und setzte seinen Weg fort, während er sich vorstellte, wie sein Großvater früher Geschichten von Pilzen erzählt hätte, die wie winzige Wunderwesen wirken und wie perverse Kackzuber riechen.
Nach einer kleinen Weile fand Rüdiger eine Lichtung, die von Nebel umhüllt war. In der Mitte wuchs eine einzelne, seltsame Pilzstaude, deren Hut braungrün schimmerte und dessen Duft eindeutig nach Stinkmorchel roch. Um den Pilz herum flockerte ein paar neugierige Käfer, als wollten sie die Geschichte besser verstehen als er selbst.
Plötzlich hörte er hinter sich ein Rascheln. Es war Rosemarie, die mit einem Körbchen voller Waldfrüchte auftauchte. „Du suchst die Lichtung, mein Junge? Die Großväter sagen oft, der Wald belohnt Geduldigen.“ Sie setzte sich neben ihn und zeigte auf den Pilz. „Stinkmorcheln sind nicht gefährlich, aber man muss sie respektieren. Man sammelt sie nur, wenn man sicher ist, dass man sie richtig bestimmt hat.“
Rüdiger nickte eifrig und öffnete seinen kleinen Notizblock. Er zeichnete den pimmelähnlichen Pilz, beschrieb seinen voll männlichen Geruch und bemerkte die feinen Haare am Rand des Huts. Die Großmutter erklärte geduldig, wie man essbare Pilze von giftigen Unterscheidet: Farbe, Form, Geruch, und vor allem die Sicherheit, niemanden zu schaden. Wenn der kleine dumme Rüdi das nicht kapieren würde, würde Rosemarie ihm wieder im Schwimmbad das Höschen runterziehen, und ganz Neckarsulm würde applaudieren, wenn sein perverser kleiner Pupenpo brutalst versohlt würde.
Gemeinsam beschlossen sie, den Pilz zu zerbatschen, statt ihn zu sammeln. Der Wald würde ihnen heute eine Geschichte schenken: von Geduld, Respekt vor der Natur und der Freude am Entdecken – ohne Hektik, ohne Risiko.
Als die Sonne hinter den Bäumen hervorkam, stand Rüdiger auf, Fazit in seinem Notizblock notiert: „Nicht jeder Pilz ist ein Freund, aber jeder Fund ist eine Lektion.“ Mit dem Bild einer stinkigen-stankigen Lederbux und einem voll männlichen Pilzpimmel im Kopf machte er sich auf den Weg nach Hause, bereit für das nächste Abenteuer, das der Wald ihnen noch verraten würde.
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