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Erzengel Gabriel schrieb am 6.9. 2026 um 07:50:35 Uhr über

Furz

Mein Furz und das Klima

Ich habe gefurzt.

Das ist eine Tatsache. Es wäre sinnlos, sie zu leugnen. Man konnte es hören. Und kurze Zeit später konnte man es auch riechen.

Es war ein kleiner Furz. Erst ein trockenes prrt, dann Stille. Der Geruch entwickelte sich langsamer. Warm zunächst, dann schwefelig. Ein wenig wie Ei, das zu lange irgendwo gelegen hat. Vielleicht Kohl. Jedenfalls eindeutig menschlich.

Und sofort kommt die Frage: Was bedeutet das für das Klima?

Wir leben in einer merkwürdigen Zeit. Menschen können kaum noch einen körperlichen Vorgang erleben, ohne daraus entweder ein Lifestyleproblem oder eine moralische Frage zu machen.

Also gut.

Reden wir über meinen Furz.

Darmgas besteht größtenteils aus Gasen, die überhaupt nicht riechen. Der Gestank entsteht durch winzige Mengen bestimmter Verbindungen. Deshalb kann etwas außerordentlich intensiv riechen und trotzdem mengenmäßig nahezu bedeutungslos sein.

Das ist wichtig.

Denn Geruch ist keine Maßeinheit für Klimawirkung.

Mein Furz kann einen ganzen Aufzug gesellschaftlich unbewohnbar machen und gleichzeitig für die globale Erwärmung praktisch irrelevant sein.

Vielleicht enthielt er Methan. Vielleicht auch kaum welches. Menschen unterscheiden sich darin. Aber selbst wenn er Methan enthielt, wäre die Menge so gering, dass es absurd wäre, daraus eine persönliche Klimakrise zu konstruieren.

Ich könnte natürlich sagen:

How dare you.

Zu meinem Darm.

Aber mein Darm würde nicht antworten.

Er würde weiterarbeiten.

Und vielleicht ist genau das Problem unserer Klimadebatte: dass wir manchmal das Messbare mit dem Bedeutenden verwechseln.

Man könnte meinen Furzen zählen. Morgens einen. Nach dem Mittagessen zwei. Abends vielleicht noch einen besonders langen. Man könnte eine App entwickeln. Diagramme erstellen. Einen persönlichen Flatulenz-Fußabdruck errechnen.

Man könnte sich nach jedem Furz schuldig fühlen.

Und das Klima würde davon praktisch nichts haben.

Denn Klimapolitik entscheidet sich nicht daran, ob ein einzelner Mensch versucht, seinen Verdauungstrakt moralisch zu disziplinieren.

Ich furze.

Du furzt.

Menschen haben gefurzt, lange bevor es Klimakonferenzen gab, und sie werden vermutlich noch furzen, wenn niemand mehr weiß, was Twitter einmal gewesen ist.

Der Körper ist kein politisches Manifest.

Das bedeutet nicht, dass Verantwortung unwichtig ist. Im Gegenteil. Es bedeutet, dass wir unsere Aufmerksamkeit dort einsetzen sollten, wo Größenordnungen tatsächlich relevant sind, anstatt aus jedem winzigen Vorgang ein persönliches Schuldbekenntnis zu machen.

Der Geruch ist inzwischen verschwunden.

Das Fenster steht offen.

Draußen fährt ein Bus vorbei.

Und irgendwo sitzt wahrscheinlich gerade jemand und glaubt, Klimaschutz bedeute, dass er seinen Furz zurückhalten müsse.

Nein.

Furz ruhig.

Aber verwechsle den Gestank nicht mit dem Problem.


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