|
Der Zirkumdirektor betrat die alte schäbige Fabrikhalle in der Ruhr-Provinz. Er war ein Mann, dessen einzige echte Leidenschaft darin bestand, Dinge zu optimieren, die eigentlich gar nicht kaputt waren. Sein Gesicht glich einer zerknitterten Landkarte aus schlechten Entscheidungen und zu vielem Espresso, und er trug ein Tweed-Sakko, das so steif war, dass es vermutlich von alleine stehen konnte, wenn er es einfach auf den Boden stellte. Er betrachtete seine Truppe nicht als Künstler, sondern als eine Art mechanisches Uhrwerk, an dem er ständig mit einem winzigen Schraubenzieher herumfummelte, bis das Ticken genau den Rhythmus seines eigenen Herzschlags traf.
In der Mitte der Halle, unter einem Dach aus welligem Blech, durch das die Mittagssonne in staubigen Säulen herabstieg, standen seine Clowns. Sie trugen Mäntel, die so leicht waren, dass sie bei jedem Luftzug wie weiße Geister tanzten. Diese Gewänder waren die Zirkumdirektors stolzeste Erfindung; er hatte sie dem japanischen Gi entlehnt, doch er hatte den Stoff so weit verfeinert, dass die Mäntel kaum mehr als ein Hauch von Seide und Baumwolle waren. Die Clowns hielten diese Gewänder mit breiten Gürteln zusammen, die in Farben leuchteten, die in keinem Kampfsportbuch der Welt zu finden waren.
„Die Haltung, meine Herren! Die Statik ist alles!“, rief der Direktor, während er mit den Armen fuchtelte. Er beobachtete, wie die Truppe in eine Reihe traten, um die Grundzüge des Goju Ryu zu parodieren. Es war ein seltsamer Anblick: Männer mit riesigen, roten Nasen und überdimensionalen Schuhen, die versuchten, die meditative Stille und die explosive Kraft des Karate zu imitieren. Ein besonders kleiner Clown, ein Pantomime, dessen Stimme so schwach war, dass er fast nur flüsterte, trug einen leuchtend roten Gürtel. Er führte einen Schlag aus, doch statt der wuchtigen Wirkung eines Meisters blieb sein Arm in einer Bewegung stecken, die eher an eine vorsichtige Einladung zum Tee erinnerte.
Neben ihm stand ein älterer Clown, dessen Gesicht tiefe Furchen von Jahrzehnten voller Lachen und schlechter Gags trug. Er trug den schwarzen Gürtel, die Farbe der Erfahrung, die in dieser Halle nicht für die Beherrschung des Kampfes stand, sondern für die Fähigkeit, ein Publikum zum Weinen zu bringen, während man gleichzeitig über seine eigenen Füße stolperte. Er lächelte den Neuling an und korrigierte mit einer sanften Geste die Position seines Fußes, sodass die Balance wieder stimmte. Es war ein echter Moment stiller Kameradschaft, ein gegenseitiges Verständnis, das weit über die Absurdität ihrer Kostüme hinausging.
|