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wuming schrieb am 1.5. 2007 um 22:31:01 Uhr über

Künstler


Er gilt in den 60ern neben Guy Debord und Asger Jorn als einer der einflussreichsten Theoretiker der Situationistischen Internationalen. Bei einigen Ausgaben der Zeitschrift internationale situationniste ist er Herausgeber. Er verfasste u.a. die Basisbanalitäten und das Handbuch der Lebenskunst für die jungen Generationen (1967).

Im Gegensatz zum mehr theoretisch-abstrakten philosophischen Werk Debords sind seine Texte von einem lyrischeren Stil geprägt und gelten als zugänglicher. Vom Anarchismus und von Georges Bataille beeinflusst, fordert er einen Lebensstil für jedermann, der sich am luxuriösen Lebensstil der früheren Aristokratie orientiere (Herren ohne Sklaven).

In seinem Handbuch betont Vaneigem die Leidenschaft und die Subjektivität als treibende Kräfte künstlerischen und politischen Handelns. Er setzt sich mit dem Individuum und der Gesellschaft auseinander, mit Emotionalität, mit Macht und Freiheit, dem Opfer und der Poesie. Er fragt nach der Möglichkeit, sich in der modernen technisierten Gesellschaft selbst zu verwirklichen, und propagiert eine radikale Zurückweisung aller Beschränkungen, die diese dem Individuum zu Unrecht aufzwänge. Dabei zitiert er Marx, Lautreamont, anarchistische Literatur, Rabelais, Søren Kierkegaard und Wassili Rosanow, Albert Einstein und Friedrich Nietzsche, Wilhelm Reich und Künstler des Surrealismus und Dadaismus.

Entsprechend seinen eigenen Forderungen legt er keine kühle Analyse der Gesellschaft vor, sondern eine entschieden subjektive leidenschaftliche Stellungnahme gegen die moderne Technokratie, er sieht sich dabei selbst nicht als Philosophen.

Vaneigems Ideen haben Einfluss auf die Forderungen der Studentenbewegung in Frankreich 1968, seine Bücher werden in Zeitungen für den Aufruhr verantwortlich gemacht.

1970 verlässt er die S.I. und begründet das in seinem Abschiedsbrief mit dem Scheitern der Gruppe und seiner selbst, was Debord wütend zurückweist.

Bis heute Autor, verfasst er 1998 das Buch An die Lebenden, in dem er sich noch einmal vehement für die Kostenlosigkeit der Bedürfnisse und das individuelle Erleben einsetzt, er kritisiert die tyrannische Macht der Arbeit und des Geldes. Die Heiligsprechung der Ökonomie negiere das konkrete Individuum, bewirke den Schlaf seiner Vernunft, verkrüppele seine Emotionalität. Zugleich distanziert er sich von einer früheren Begeisterung für gewaltsamen Anarchismus, und propagiert auch Ökologie und Feminismus.

Vaneigem verfasste auch Abhandlungen über die Geschichte des SurrealismusDer radioaktive Kadaver«, unter dem Pseudonym Francois bzw. Jules Dupuis) und über ketzerische Strömungen christlicher Mystik im frühen MittelalterThe Movement of the free Spirit«).

Der Fischer-Verlag wollte das »Handbuch der Lebenskunst« zunächst 1972 in Deutschland publizieren, zog sein Vorhaben aber dann wieder zurück. Die Ausgabe des Nautilus-Verlag von 1980 ist vergriffen.

Inhaltsverzeichnis [Verbergen]
1 Französische Bibliographie
2 Deutsche Bibliographie (Auszug)
3 Zitate
4 Siehe auch
5 Weblinks



Französische Bibliographie [Bearbeiten]Traité du savoir-vivre à l'usage des jeunes générations / Handbuch der Lebenskunst für die jungen Generationen, 1967
Le livre des plaisirs, 1979
Le mouvement du libre-esprit, 1986
Adresse aux vivants sur la mort qui les gouverne et l'opportunité de s'en défaire, 1990
Lettre de Staline à ses enfants enfin réconciliés de l'Est et de l'Ouest, 1992
Le livre des plaisirs, 1993
La résistance au christianisme. Les hérésies des origines au XVIIIe siècle, 1993
Les hérésies, 1994
Avertissement aux écoliers et lycéens, 1995
Nous qui désirons sans fin, 1996
La Paresse, 1996
Notes sans portée, 1997
Dictionnaire de citations pour servir au divertissement et à l'intelligence du temps, 1998
Déclaration des droits de l'être humain. De la souveraineté de la vie comme dépassement des droits de le l'homme, 2001
Pour une internationale du genre humain, 2001
Déclaration universelle des droits de l'être humain, 2001
Pour l'abolition de la société marchande pour une société vivante, 2002
Salut à Rabelais! Une lecture au présent, 2003
Rien n'est sacré, tout peut se dire, 2003
Le Chevalier, la Dame, le Diable et la Mort, 2003

Deutsche Bibliographie (Auszug) [Bearbeiten]Raoul Vaneigem, Handbuch der Lebenskunst für die jungen Generationen, Nautilus, 1980
Raoul Vaneigem, Das Buch der Lüste, Nautilus, 1983
Raoul Vaneigem, An die Lebenden, Nautilus, 1998

Zitate [Bearbeiten]Leute, die über Revolution reden, oder über Klassenkampf, ohne sich dabei explizit auf das alltägliche Leben zu beziehen, die nicht verstehen, was subversiv an der Liebe ist und was positiv ist an der Zurückweisung von Beschränkungen, solche Leute haben eine Leiche in ihrem Mund.
Im Blickwinkel der Macht sind ein Stein, ein Baum, ein Mixer und ein Elektronenbeschleuniger gleichermaßen tote Gegenstände... [...] Dennoch weiß ich, daß mich die Gegenstände, jenseits ihrer vorgegebenen Bedeutung, wieder begeistern werden; weiß ich, wie erregend eine Maschine wirken kann, wenn sie in den Dienst von Spiel, Phantasie und Freiheit gestellt wird. In einer Welt, in der alles lebendig ist, Bäume und Steine eingeschlossen, gibt es keine passiv betrachteten Zeichen mehr. Mit Freude beginnt alles zu sprechen...
Wir wollen keine Welt, in der die Garantie, nicht zu verhungern, mit der Gefahr erkauft wird, vor Langeweile zu sterben.
Wenn der Künstler - der jeder ist, der zu leben versucht - den erlebten Moment dem schönen Schein opfert, dann folgt er dabei auch seinem Wunsch, seine Träume weiter in die gegenständliche Welt der anderen Menschen hinein auszudehnen. So gesehen überträgt er dem Gegenstand, den er schafft, die Mission, seine eigene individuelle Verwirklichung in der Gemeinschaft zu vollenden. Die Kreativität ist ihrem Wesen nach revolutionär.
Handbuch der Lebenskunst für die jungen Generationen«, 1967)

Dreissig Jahre später erfasst man beim ersten Blick von einem Ende des Erdballs zum anderen die verfallene Bühne, das abgenutzte Spektakel, die lächerlich gewordene Macht, die ausgefransten Rollen einer zusammengeflickten, knauserigen Ökonomie.
(1997)

Bei jeder Gelegenheit wird von uns verlangt, unterwürfig zu sein und einer mechanistischen Wirtschaft zu gehorchen, die durch die Ware regiert. Wir stimmen zu, uns an manipulierte Objekte zu gewöhnen, daran, am Arbeitsmarkt verkauft zu werden, entsprechend den Kriterien von Verkaufbarkeit, Wettbewerb, Wettbewerbsfähigkeit, Austausch, Preis, spektakulärer Verpackung. Gegen dieses ökonomisierte Leben, das uns zugleich physisch und psychisch konditioniert, versuche ich, die Langeweile der Routine, und die Wahlmöglichkeiten, vor die ich jede Minute gestellt werde, zu durchbrechen - in einem Labyrinth der Möglichkeiten, das sich entsprechend meiner eigenen Disposition und den Gesetzen der dominanten Welt öffnet oder schliesst.
(2003 im Interview mit Le Monde)

Der Witz von Vaneigems Pamphlet liegt weniger in der analytischen Durchdringung der kapitalistisch 'klimatisierten Vorhalle des Todes' als vielmehr in dem authentischen Pathos, mit welchem es an die Kraft des Lebendigen appelliert.
(Die Zeit über Vaneigems Buch »An die Lebenden«)


Siehe auch [Bearbeiten]Objektivität, Intersubjektivität
Freudomarxismus
Neoliberalismus

Weblinks [Bearbeiten]Literatur von und über Raoul Vaneigem im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
An die Lebenden, kurze Zusammenfassung bei medico International
Texte von Vaneigem (engl.)
Le Monde-Interview von 2003 (engl.)
Personendaten
NAME Vaneigem, Raoul
ALTERNATIVNAMEN Dupuis, Jules-François [Pseud.]
KURZBESCHREIBUNG belgischer Künstler, Autor und Kulturphilosoph
GEBURTSDATUM 1934
GEBURTSORT Lessines, Belgien

Vonhttp://de.wikipedia.org/wiki/Raoul_Vaneigem“
Kategorien: Mann | Geboren 1934 | Belgier | Autor

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