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Es ist soweit. Der Schuh mit dem abgeschnittenen Bein soll fotografiert werden. Zwei Männer betreten das Polizeipräsidium, sie haben Lampen dabei und ein paar Kabel. Einer trägt einen silbernen Koffer, da sind wohl die Fotoapparate drin.
»Hier geht's lang.« Der Pförtner schickt die beiden in die Richtung, wo Kommissar Schneider sein Büro hat.
Sie kommen mit trockenen Mündern da an. Der Kommissar hat schon alles vorbereitet, auf dem Schreibtisch ist ein weißes Laken ausgebreitet, worauf der Schuh mit dem abgeschnittenen Bein steht, das jetzt aber etwas riecht. Es ist ja schon zwei Tage alt. Kommissar Schneider hat einen Mundschutz um, er sieht gespenstisch aus. Unter seinem Kinn hat er eine Taschenlampe angebracht, sie leuchtet ihm ins Gesicht hoch. Er will die beiden nur erschrecken. Die kümmern sich aber nicht darum.
»Das weiße Tuch ist nicht gut, es gibt zuviel Kontrast. Haben Sie ein blaues?« Der eine ist unzufrieden.
»Nein, machen Sie, wozu sie bezahlt werden. Ich habe wenig Zeit.« Der Kommissar ist ungeduldig. Die Männer nehmen das Tuch weg und fotografieren das Bein ohne Unterlage. Sie dekorieren das Bild mit dem bronzenen Aschenbecher, der seit zwanzig Jahren nicht mehr geleert wurde, so jedenfalls sieht er aus. Der Kommissar ist Kettenraucher, er spuckt auch schon morgens grau.
»Riiiiingggg!« Das schreiende Telefon sorgt für Verwirrung. Schneider nimmt den Hörer ab. Aus dem Kabel scheppert eine durchdringende, unsympathische Stimme:
»Guten Morgen, Herr Kommissar! Möchten Sie wissen, wer die Frauen umbringt? Dann schauen Sie in den Spiegel.« Und schon hat er eingehängt. Der Kommissar rappelt an dem Hörer, weg.
Die Fotografen gehen gerade. Schneider überlegt nicht lange, er geht aufs Klo, um in den Spiegel zu gucken. Zuerst bemerkt er nichts. Doch es muß etwas mit dem Telefonanruf auf sich haben. Er dreht und wendet sich nach allen Seiten. Besieht sich mal von links, dann von rechts, sogar von hinten. Als er so da steht und sich den Hals verrenkt, sieht er zufällig auf der anderen, dem Spiegel entgegengesetzten Wand, ein paar haarfeine Striche im Putz, wahrscheinlich von einer Stecknadel ausgeführt. Mit einer Lupe untersucht er die Zeichen, und da steht es geschrieben: »Guten Tag Herr Kommissar! Haben Sie gut geschlafen? Und hier der Täter: Er trägt eine Maske, die ihn von keinem unterscheidet. Er hat in der Manteltasche ein blondes Frauenhaar, zirka 4 cm lang, zu einem Klümpchen zusammengerollt. Viel Glück!«
Der Kommissar macht einen Freudensprung.
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