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Lalala schrieb am 25.4. 2001 um 21:37:25 Uhr über

System

Berücksichtigt man, daß es sich bei der Fuzzy Logik um einen Kalkül und bei den
neuronalen Netzwerken um Modelle handelt, denen ein Kalkül zugrunde liegt, so wird
schon an dieser Stelle deutlich, daß zumindest aus konzeptioneller Sicht der Begriff des
´NeuroFuzzy-Systems´ einem wissenschaftlichen Eintopf gleichkommt, in dem
Unterschiedliches miteinander verkocht werden soll, in der Hoffnung, daß durch die
Einführung von Prinzipien wie ´Selbstorganisation´ oder ´Unscharfes Schließen´, getreu
der Homunkulus-Idee, ein ´intelligentes´ System entstehen möge. Ohne eine klare
Definition dessen, was beschrieben, modelliert oder konstruiert werden soll, stellen
solche oder ähnliche Begriffskombinationen jedoch eine
konzeptionell-wissenschaftliche Sackgasse dar.

Die oben gegebene Definition von ´Umgebung´ und ´Kognition´ erfordert, und das kann
gar nicht oft genug betont werden, die Annahme ´geschlossener´ Systeme. Um die
Konsequenz des Postulats der ´Geschlossenheit´ lebender Systeme zu verdeutlichen,
ist es angebracht, die entsprechende Begriffsbildung in den Naturwissenschaften
einmal zu hinterfragen. Aus Physik und Chemie sind wir gewöhnt, uns über den
Systembegriff nur wenig oder gar keine Gedanken zu machen. ´Offene´ und
´geschlossene´ Systeme werden allenfalls in der Thermodynamik abgehandelt und dort
im allgemeinen als geometrische Abgrenzungen verstanden, d.h., die Systeme werden
durch einen Raumbereich definiert. Die Unterscheidung zwischen ´geschlossen´ und
´offen´ bezieht sich in der Physik darauf, ob Materie, die ein solcher Raumbereich
enthält, bei Prozessen in dem Raumbereich verbleibt oder nicht. Ein im Rahmen dieser
Begriffsbildung als ´geschlossen´ festgelegtes physikalisches System läßt im
Gegensatz zu einem ´offenen´ keine Materie durch seine Begrenzungen strömen. Ist
die Begrenzung eines Systems nicht nur für Materieströme, sondern für alle
Energieströme undurchlässig, dann wird ein derartig festgelegtes physikalisches
System als ´abgeschlossen´ oder ´isoliert´ bezeichnet. Man erkennt, daß bei dieser
Systemdefinition an eine räumliche Vorstellung appelliert wird. Diese auf den ersten
Blick vermeintlich anschauliche Systemdefinition ist jedoch sowohl aus mathematischer
wie auch aus physikalischer Sicht nicht nur unzweckmäßig, sondern im höchsten Maße
wissenschaftlich inkonsequent. Sie stammt aus einer Zeit, in der die Stoffmenge
(gemessen in ´mol´) als physikalische Größe allgemein noch nicht akzeptiert war und
die ´chemische Energie´ als Energieform von den Physikern ignoriert wurde.

Nun haben aber physikalische Systeme immer eine gemeinsame Eigenschaft, nämlich
Energie in verschiedenen Formen mit anderen (physikalischen) Systemen
auszutauschen. Dabei ändert sich der physikalische Zustand des betrachteten Systems
von einem, sagen wir Zustand 1 in einen Zustand 2 - oder anders ausgedrückt von
einem Anfangszustand zu einem Endzustand. Die Veränderungen der das System
beschreibenden physikalischen Variablen ist das, was in der Physik gemessen wird.
Ändert sich der Zustand eines Systems nicht, dann kann man auch nichts messen oder
anders herum ausgedrückt, tauscht das betrachtete System keine Energie mit einem
anderen System aus, dann ändert sich nichts an dem System und es läßt sich
infolgedessen auch nichts messen. Das bedeutet aber im vorliegenden Kontext
´offener´ und ´geschlossener´ Systeme, daß es in der Physik keinen Sinn macht,
Systeme zu betrachten, die keine Energie austauschen können - die Physik (und
Chemie) kennt nur Systeme, die offen sind, d.h. einen Austausch von Energie mit
anderen Systemen zulassen. Für die formale Darstellung physikalischer Systeme sind
Begriffe wie ´offen´ und ´geschlossen´ völlig überflüssig /5/, was nicht überraschend ist,
da sich beide Begriffe wechselseitig bedingen. Nur wenn auch physikalische Systeme,
bei denen keine Energie mit anderen Systemen ausgetauscht werden kann - die im
sprichwörtlichen Sinne als geschlossen angesehen werden müßten - eine physikalische
Bedeutung hätten, müßten die Begriffe von ´Offenheit´ und ´Geschlossenheit´ im
Zusammenhang mit der Systemfestlegung in einer physikalischen Theorie
berücksichtigt werden. Solche hypothetischen »geschlossenen« (physikalischen)
Systeme befinden sich in einem physikalischen Zustand, in dem sie bis in alle
Ewigkeiten verharren, an ihnen läßt sich nichts messen und damit sind sie aus
physikalischer Sicht bedeutungslos. Kurz, der Begriff der ´Geschlossenheit´ macht in
der Physik und Chemie keinen Sinn.


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