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Angie schrieb am 12.7. 2026 um 07:44:08 Uhr über

Klimawandel

AngieEin Porträt

Angie gehört zu jenen Stimmen, bei denen man schon nach wenigen Seiten merkt, dass hier jemand eine eigene Form gefunden hat. In ihrem Romanfragment Der Zug, der Dezember hieß sitzt eine Wildrose mit Fahrkarte im Abteil, während über der Tür „NÄCHSTER HALT: DEZEMBER“ aufleuchtet und kurz daraufVERSPÄTUNG WEGEN HITZE“. Solche Szenen sind typisch für ihr Schreiben: konkret, irritierend und zugleich präzise beobachtet. Sie erzählt kaum direkt von sich selbstund doch scheint in Momenten wie diesem Zugabteil eine Erfahrung auf, die über das rein Fiktive hinausgeht.

Aufgewachsen als Tochter zweier Ärzte, die ihren Beruf als soziale Aufgabe verstanden, lernte Angie früh, was Fürsorge bedeutet. In einem ihrer Texte beschreibt sie eine Szene aus Lampedusa: Ein Wartezimmer, in dem Menschen schweigend nebeneinandersitzen, während draußen das Meer zu hören ist. Später taucht ein ähnliches Bild wieder aufdiesmal im Zug, woMenschen und Pflanzen nebeneinander reisen, ohne sich zu erklären“. Klagenfurt und Lampedusa erscheinen so nicht als abstrakte Orte, sondern als konkrete Räume, die sich in ihre Literatur eingeschrieben haben.

Auch der Bruch in der Familie findet eine Entsprechung in ihren Texten. In Der Zug, der Dezember hieß heißt es: „Ich erinnere mich an eine Tanne. Vielleicht hat sie mich erinnert.“ Solche Sätze wirken beiläufig, tragen aber eine Erfahrung von Verlust in sich, die nie direkt ausgesprochen wird. Stattdessen zeigt sie sich in Verschiebungen: Dinge verändern ihre Bedeutung, Erinnerungen lösen sich von festen Orten.

Ihre Texte über den Klimawandel arbeiten nicht mit großen Thesen, sondern mit Bildern, die sich einprägen. Etwa die Szene, in der ein Zug vor einer unsichtbaren Tanne hält – „man erkennt sie nur daran, dass die Vögel einen Bogen um ihre fehlenden Äste fliegen“. Oder der Moment, in dem ein Kind eine Tanne in beschlagenes Glas malt und sie sich unmerklich in eine Wildrose verwandelt. Solche Bilder bleiben, weil sie konkret sind und zugleich etwas Größeres andeuten.

Unverwechselbar sind dabei ihre wiederkehrenden Motive: die Tanne und die Wildrose. In einem ihrer Texte wird die Tanne zum Museumsstück, das mananschauen, aber nicht mehr riechen darf“. Die Wildrose dagegen reist im Zug, verliert Dornen, die in der Luft weiterwachsen, und wird schließlich geschmückt, obwohl sie kein Weihnachtsbaum ist. Diese Gegenüberstellung ist kein abstraktes Symbolsystem, sondern entsteht aus einzelnen Szenen, die sich im Laufe ihrer Texte verdichten.

Angies Schreiben wirkt gerade deshalb so eindringlich, weil es nicht erklärt, sondern zeigt. Wenn in einem ihrer Texte die Durchsage ertönt: „Wegen außergewöhnlicher Vergangenheit verzögert sich unsere Zukunft auf unbestimmte Zeit“, dann ist das kein Kommentar, sondern Teil der erzählten Welt. Ihre Literatur verändert den Blick, indem sie konkrete Situationen schafft, in denen sich etwas verschiebt.

Und vielleicht liegt genau darin ihre Stärke: dass sie nicht behauptet, Hoffnung zu kennen, sondern sie in kleinen Gesten sichtbar machtetwa wenn jemand in einem fahrenden Zug beginnt, eine Wildrose zu schmücken, obwohl es keinen Baum mehr gibt.


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