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Wenn man in einer Welt lebt, die überwiegend von kalten Egoisten bevölkert wird, bewundert man Helden, etwa im antifaschistischen Wiederstand gegen das Naziregime, die für ihre Ideale freiwillig schwerstes auf sich nehmnen, und es nach besten Kräften standhaft, tapfer, mutig und solidarisch durchstehen. Deshalb habe ich schon als Jugendlicher in der DDR oft solche Romane gelesen. Wenn man dann auch noch aus Neid auf eine Hochbegabung schwer gemobbt wird, erlebt man solche Helden als eine Gegenwelt zur egomanischen Realität und beginnt sich nach ihnen zu sehnen.
Die gleichen Empfindungen habe ich in Bezug auf schwere körperliche Arbeit. Sobald ich als Schüler durfte, habe ich - vorbereitet durch hartes Fitneßtraining - freiwillig Ferienarbeit auf dem Bau geleistet und dort erstmals Anerkennung erfahren. Die Eindrücke, wie ich und andere junge Menschen in glühender Hitze schufteten, mit erkennbar starken Muskeln, schweißüberströmt nur in kurzen Turnhosen oder mit durchnässten ärmellosen Turnhemden, mit vor Anstrengung zitternden Armen und Beinen, zusammengebissenen Zähnen und in den Armbeugen bleistiftdick hervortretenden Adern, hat sich in meine Seele eingebrannt. Wann immer ich kann, leiste ich Freiwilligenarbeit und erlebe meist gute Kameradschaft.
Beim Auspeitschen bewegen mich im Prinzip die gleichen Assoziationen. Ich habe in Büchern und Filem bewundert, wie junge Helden, die ihr Leben noch vor sich hatten im Naziverhör tapfer geschwiegen haben, während die Peitsche ihnen nach und nach immer mehr blutige Striemen auf den nackten Rücken rissen und schließlich - wegen des unmenschlichen Stresses - nicht nur der Schweiß in Strömen über die nackten Oberkörper lief, sondern auch das Blut. Wie sie sich bemühten, nicht zu schreien, sich eher selbst noch die Lippen blutig bissen, um ihre Kameraden in den Nebenzellen oder auf dem KZ - Apellplatz, die schon das Klatschen der Peitsche hörten, nicht noch mehr zu ängstigen. Danach erlebten sie unter Umständen Solidarität: eine Hand auf der Schulter, die Wunden wurden vorsichtig gesäubert, anerkennende Worte für ihr tapferes Verhalten.
Oft von Depressionen geplagt, ist meine Sehnsucht nach einer Gegenwelt der Kameraden und Helden so stark geworden, das auch ich mir wünsche, diese auf die Spielebene zu verlagern und mich in kurzer Turnhose auspeitschen zu lassen.
Aber was dieses betrifft, gebe ich ganz ehrlich zu, feige zu sein. Ich leiste ja nach wie vor Freiwilligenarbeit und möchte ich micht ständig erklähren und vielleicht noch für verrückt halten lassen, wenn ich mit nacktem Oberkörper arbeite.
Es wäre ja nur ein Spiel.
Im realen Leben, wenn es in Deutschland tatsächlich noch einmal zu einer faschistischen Diktatur kommen sollte, was ich spätestens im Falle eines erneuten Crash auf den Finanzmärkten nicht ausschliesse, werde ich alle Kräfte anspannen, um so zu handeln, wie man es von Helden erwartet. Das mir das in Hinblick auf mein politisches Engagement blühen würde, haben mir Nazis auch schon angekündigt. Sie wollen mich im KZ im Steinbruch und durch wöchendlich 50 Peitschenhiebe auf den nackten Rücken langsam zu Tode quälen. Trotz dieser unmenschlichen Welt hätte ich das Christ, die Motivation, so etwas auf mich zu nehmen. Einem Pfarrer traue ich mir auch nicht zu erzählen, was ich eben geschrieben habe.
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