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Sehnsucht kann auf die Dauer ziemlich anstrengend werden, insbesondere wenn viele Jahre vergehen, ohne dass das Sehnsuchtsziel näher rückt - als Afghanistan-Freak kann ich ein Lied davon singen. Und gegenwärtig bin ich im Hinblick auf Afghanistan mal wieder an jenem kritischen Punkt, wie sie mit schöner Regelmäßigkeit alle zehn Jahre erlebe (1997 hatte ich schon mal einen solchen Blues, desgleichen 1987): mit Verlaub, mich kotzt diese trostlose Scheiße an, die Tag für Tag in dem Land abgeht!!! Es sieht mal wieder ganz danach aus, als wäre das ehemalige Hippieparadies am Hindukusch ein hoffnungsloser Fall, ein Fass ohne Boden, in dem sich nie irgendwas zum Besseren wendet, sondern alles immer nur weiter den Hilmend runtergeht...
...und irgendwann will man diesen ganzen in Jahrzehnten kultivierten Privat-Mythos von berauschender Weite und halb sagenhafter Weltentrücktheit (der so ganz privat ja nicht ist, da haben Leute wie z. B. Roland und Sabrina Michaud oder Herbert Maeder vor allem in den 70er Jahren kräftig Vorarbeit geleistet...) einfach nur vergessen, abhaken und sich vorstellen, mit den großen, kraftraubenden Emphasen wäre es so wie in einem Traum, den ich vor vielleicht zwei Jahren einmal hatte:
Ich war mit einem nicht näher bekannten Begleiter auf der Reise nach Christiania, der legendären Freak-Republik auf einem verlassenen Kasernengelände in Kopenhagen, als wir an einem nebligen, nieseligen Novembernachmittag auf einem öden Parkplatz ankamen. Ringsherum pflegeleichtes immergrünes Gehölz, fast ein kleiner Wald, die Parkbuchten mit weißen und grauen Betonpflastersteinen markiert, und mittendrin ein leerer weißer Kleinbus, daneben weiß-rote Signalplanken, gelbe Warnlampen, Pylone und Drängelgitter, das ganze U-förmig arrangiert, so dass ein kleiner Weg zum Hindurchgehen entstand.
Ich fragte meinen ansonsten schweigsamen Begleiter, was das denn hier zu bedeuten habe, und er antwortete mir: »Wir sind am Ziel. Das ist Christiania.«
Natürlich fiel ich erst einmal aus allen Wolken, was hatte ich mir nicht für wilde, aufregende Bilder in meiner Phantasie vorgestellt, langhaarige Freaks, Sex & Drugs & Rock'n'Roll, und ständig fuhren (natürlich!) Busse nach Kabul ab - und jetzt landen wir hier auf diesem nichtssagenden Parkplatz und gucken uns banales Baustellenabsperrmaterial an!
Aber in ihrer Banalität war die ganze Szenerie auch irgendwie tröstlich - wer weiß, welche Abgründe an Kaputtheit uns hinter den tollen Hippiefassaden erwartet hätten, wie weit utopischer Anspruch und prosaischer Alltag auseinandergeklafft hätten - während dies hier uns nach dem kurzen Schock am Anfang gar nicht mehr enttäuschen konnte: es war einfach ein Parkplatz mit einem Kleinbus (natürlich kein nostalgischer »Bulli« mit Reserverad auf der Fronthaube, sondern ein schnöder Ford Transit aus den 80er Jahren) und ein paar hundert Kilo Baustellenzubehör, der nichts anders sein wollte als ein Parkplatz mit Kleinbus und Baustellenzubehör.
Sanft nieselte der Novemberregen aus dem konturlos weißgrauen Himmel, Tropfen perlten an der Windschutzscheibe des Ford Transit ab, und ein seltsames Gefühl von Zufriedenheit überkam mich...
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