Einige überdurchschnittlich positiv bewertete
Assoziationen zu »Sehnsucht«
Stöbers Greif schrieb am 12.5. 2000 um 15:16:39 Uhr zu
Bewertung: 6 Punkt(e)
Wolf Wondratschek
JAMES, JIMI UND JANIS
Todessehnsucht, mein Junge,
Selbstmordgedanken, Abschiedsbriefe,
zehn doppelte Tequila
und das Gleiche gleich nochmal
und das Gefühl, daß totsein einfacher wäre
als warten, leben und weiterleben
und aufwachen,
na schön,
bei Föhn das Küchenmesser anstarren
und denken, jetzt! -
aber jetzt,
das ist doch wie immer drei Jahre zu spät
oder drei Jahre zu früh ...
James, Jimi und Janis,
niemand lebt, um kerngesund
zu sterben,
und jeder braucht das,
ein paar Niederlagen,
einen knockout,
ein paar Nächte ohne Sonne
und Freundinnen, die irgendwann
mit abgebrühten Pessimisten
druchbrennen
was du nie sein wirst,
nach zehn Tequilas nicht,
nach fünfzehn Runden nicht
und nicht in drei Jahren,
wenn das Gefühl, daß totsein einfacher wäre,
die Politiker beschäftigt
und Selbstmordgedanken die Industrie ankurbeln
und Freitod-Festivals stattfinden
und ganze Nationen Abschiedsbriefe abfassen
und deine Todessehnsucht ein Ladenhüter ist,
historisch geworden wie Armstrong
auf dem Mond.
Du wirst alle Schlagzeilen vom Untergang
der Welt überleben.
Du wirst das Küchenmesser anstarren,
bis es stumpf ist.
Du wirst auf Brücken stehen
und weitergehen, hinter einer Blonden her,
die ihre Hüften schaukelt im Takt
der Kirchenglocken.
Du wirst alt werden,
ein paar Schallplatten zurücklassen,
ein paar Sachbücher über die menschliche Seele,
für deren Lokalisierung noch ein Nobelpreis
aussteht.
Private Gefühle werden nur noch
in Science-Fiction-Romanen eine Rolle spielen,
asbestblau,
kugelsicher,
mit einem Kundendienst
für Einzelteile.
Das Beste wäre,
heiter den Fortschritt hassend,
eine Karriere als Idiot,
ein Rätsel an Ausdauer,
zäh bis in fremde Fingerspitzen
und unvollkommen
lächelnd.
Ob Gott ihr einen geschenkt hat, einen Mercedes Benz?
Ob Dean noch immer auf die Taylor wartet?
Und Jimi umgestiegen ist auf Honig?
Wen interessiert denn das,
werden deine Kinder sagen und
ein paar King-Kong-Pillen schlucken
und sich wohlfühlen wie vierdimensionale
Schildkröten,
Tiere, die selbst im Zoo
in Freiheit leben dürfen,
dank ihrer Anpassung.
Maya schrieb am 16.10. 2001 um 09:48:48 Uhr zu
Bewertung: 3 Punkt(e)
Der Philosoph Platon war der erste, der sich dem Thema Sehnsucht annahm. Er sprach von der ursprünglichen Einheit von Mann und Frau, einer Androgynität, der in einer anfänglichen Kugelgestalt Ausdruck verliehen war. Doch Zeus, dem das so vereinte Menschengeschlecht zu stark wurde, hieb es entzwei. Durch die Teilung entstand eine immerwährende Sehnsucht. So wird die Liebe bei Platon als ein Verlust definiert. Liebe entsteht durch Zerreissen. Sie entsteht erst dort, wo ich den Anderen verloren habe. Frühe Phasen im Leben eines Menschen schaffen ein Zuhause. Sehnsucht entsteht, wenn dieses Zuhause verloren geht. Sehnsucht ist gerade in der Moderne ein Gefühl, das beständig zunimmt. Durch unsere Mobilität entfernen wir uns immer mehr von unserem Kiez, den wir nie hatten, unserem Bauernhof, unseren Wurzeln. Sehnsucht in der Moderne ist der Ausdruck eines unwiderbringlichen Verlustes von Heimat, von einem Zuhause, einem Angekommen sein.
Lydia schrieb am 30.5. 2001 um 13:57:40 Uhr zu
Bewertung: 4 Punkt(e)
aussichtslose sehnsucht ist die hölle auf erden.
dieser schmerz oder besser druck in der brust, der dich nicht mehr atmen lässt, ein schreckliches sehnen, wie nach einer droge, man würde alles dafür tun um diesen menschen zu haben. überall wo man hingeht, hat man sein bild vor augen. man hat das gefühl, man würde mit seiner stimme reden. der wind sagt seinen namen, die schritte auf der straße auch. überall ist sein gesicht und alles, was man sieht oder hört oder sich vorstellt, hat etwas mit ihm zu tun.
etwas zu tun, ist unmöglich, man ist nie rihtig bei der sache, nichts zu tun ist wie ertrinken in der sehnsucht.
das schlimmste, wenn man nicht weiß, wonach man sich sehnt. man weiß nur, dass man ohne es nicht mehr lange leben kann.
Fenice schrieb am 28.9. 2003 um 01:40:42 Uhr zu
Bewertung: 4 Punkt(e)
Jetzt hab ich sie endlich, diese Sehnsucht, und sie reisst und zerrt an mir, so sehr, dass ich manchmal sogar froh bin, dass ich wie festgewurzelt bin... jetzt hab ich sie endlich, diese Sehnsucht, und sie reisst und zerrt an mir, zieht mich in alle Richtungen gleichzeitig, weshalb ich wie festgewurzelt bin... jetzt habe ich sie endlich, diese Sehnsucht, und ich versuche sie, an jemandem, an etwas festzumachen, damit ich endlich aufhöre, wie festgewurzelt zu sein.
Mich zerreißt es bald.
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