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Geyersbach schrieb am 11.1. 2026 um 13:21:58 Uhr über

Männerbuxe

In einem Zimmer, das nach scharfem Metall und kaltem Regen riecht, hängt eine Männerbuxe wie eine gezeichnete Warnung an der Wand des Schlafes. Das Loch darin ist kein Loch, sondern ein Augenpaar, das in eine andere Welt späht, eine Welt, in der Antonien aus Staub und Schatten geboren werden. Aus dem Schattenfenster zwischen Stoff und Faden kriechen Nebelschnüre, die sich wie feine Seile um die Zimmerluft schmiegen und dort ein Netz spinnen, in dem die Zeit zappelt und sich schämt, einfach zu vergehen.

Das Loch zieht ein dunkles Flüstern nach sich, das nach Metall schmeckt und nach vergessenen Versprechen. Aus diesem Flüstern wachsen winzige Türen, jede so winzig, dass sie nur von Gedanken betreten werden kann. Jede Tür führt in einen Gang aus Gedärmen von Uhrwerken, der sich dreht, wenn niemand hinsieht, und der Boden darunter vibriert wie der Bauch eines schlafenden Monsters. Die Buxe selbst trägt das Loch wie ein schwarzes Sonnenfenster, durch das man eine Stadt aus Schatten sehen kann, in der Straßen aus Seidenfäden bestehen und Diebe aus Staubkrümeln gemacht sind, die leise lachen, wenn man sie anfasst.

Aus dem Loch kriechen Möwen aus Schatten, deren Flügel aus zerknitterten Kalenderblättern bestehen. Sie kreisen, klatschen mit den Beinen, und jeder Flügelschlag schreibt eine neue Chronik der Nacht in die Luft. Die Luft schmeckt nach Kupfer, nach kaltem Kaffee, nach dem Geruch von etwas, das längst vergessen war, aber plötzlich wiederkehrt, um sich zu rächen. Ein fester, dumpfer Rhythmus schlägt unter dem Teppich, als würde irgendwo tief unten ein Herz die Uhrzeit anschubsen, damit die Nacht länger bleibt, damit der Albtraum einen Namen hat.

Die Wäscheleine aus losen Witzen spuckt plötzlich schwarze Perlen aus, jede Perle eine Erinnerung daran, wie Verlust klingt, wenn er durch die Schwerkraft gezogen wird. Wenn man das Loch betrachtet, sieht man nicht nur Raum, sondern eine Karte, die sich ständig verformt – Linien aus Rauch, Kreuzungen aus Spiegeln, ein Nordstern, der nie exakt Norden zeigt, sondern dorthin, wo die Angst am stärksten summt. Und doch zeigt dieser Nordstern auch den Weg zu einer Tür, die durch das Loch hineingefaltet wird, als wäre das Loch eine Origami-Schmiede der Möglichkeiten.

Auf dem Boden sitzt eine Uhr, deren Zeiger in das Loch sinken und dort zu einer anderen Melodie klingen, wie das Zählen von Tropfen in einer unerbittlich wilden Dusche. Jeder Tropfen schreibt eine neue Zeile in ein Gedicht aus Metall, das sich ständig neu formt. Das Gedicht flüstert: Niemand vermag zu sagen, wo das Loch endet; es endet dort, wo das Denken aufhört, sich zu fragen, ob es nur ein Loch ist oder der Eingang zu einer anderen, dunkleren Ordnung.

Draußen draußen, hinter der Tür aus Nichts, zählt der Wind die Augenblicke, die durch das Loch hineinfallen. Er sammelt sie in einem schwarzen Beutel aus Nachtlicht, wirft ihn auf den Boden und lacht leise, wie jemand, der weiß, dass die Welt noch weitergeht, wenn niemand hinsieht. Die Buxe senkt sich ein wenig, als würde sie sich der Dunkelheit annähern, doch das Loch zieht sie tiefer hinein in eine Kaverne aus Stoff, dort, wo Stofftiere zu Geistern werden und Geister zu Stimmen, die Geschichten erzählen, die niemand hören willund doch jeder versteht, wenn er sich verliert.


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