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Eine liebevolle Erziehung schliesst Strenge und Konsequenz net aus, ganz im Gegenteil. Ich kenne Jungs, die können tun und lassen was sie wollen, die brauchen sich keine Gedanken über die Folgen ihres Tuns machen; und leider war ich früher selbst so einer. Ich hab mir nix sagen lassen und nur gelacht, wenn jemand meinte, mir erklären zu müssen, was richtig oder falsch ist. Ich hatte ja auch nix zu befürchten. Das änderte sich jedoch schlagartig, als ich mit Anfang 13 hierher in die Tschechei kam. Plötzlich war ich mit fixen Regeln konfrontiert, und wenn ich die missachte, dann riskier ich »ein ernstes Gespräch zwischen dem Kochlöffel und meinem nackten Hintern«, wie Dad es gern nennt. So ein Arschvoll macht definitiv Eindruck auf dich. Du überlegst dir danach ganz genau, ob du wegen dem gleichen Mist nochmal einen riskieren willst. Und er stärkt Selbstdisziplin, Motivation und dein Ego. Zumindest ist das bei mir so. Ich übernehme die Verantwortung für mein Tun. Gibt´s den Hintern versohlt, dann ist der auch verdient. Wir sind net verpienst. Und wenn wir bei nem Arschvoll heulen, dann aus gutem Grund. Weil´s für eine kurze Weile halt saumässig zwiebelt und wehtut. Das nennt sich Strafe. Eine angenehme Strafe hat keinen Lehreffekt. »Lass uns da mal im Halbkreis sitzen und drüber reden, Sören-Tristan«, »geh jetzt bitte bitte auf die stille Treppe, Jacques-Pascal« und ähnlicher antiautoritärer Quatsch würde uns voll amüsieren, aber definitiv net erziehen. Ich kann im Allgemeinen ganz gut erkennen, wie ein Junge erzogen wird. Und oft merkt man es an seinem Verhalten, seinem Umgang mit anderen, seiner Einstellung zu so manchen Dingen ... Wie gesagt, ich rede von Erziehung und net von Kindesmisshandlung. Wobei letztere gern auch in Verkleidung in hyperwoken antiautoritär linksgrünen Kreisen vorkommt, z.B. als Neglect, Vernachlässigung, Helicoptereltern, der Förderung von Frühsexualisierung, usw. usw. Also hilflos, wie jemand geschrieben hat, sind unsere Eltern hier defo net. Sie liebe uns und tun echt alles für uns. Aber sie sind eben auch dann streng und konsequent, wenn wir Mist bauen, uns net an die Regeln halten, usw. Nach dem Arschvoll ist die Luft wieder geklärt und alles vergeben und vergessen. Wir Jungs haben unsere Lektion gelernt und life can go on. Kein Junge, den ich kenne, hat nen psychischen Schaden, weil er als Strafe den Hintern versohlt bekommt. Wie gesagt, es ist ein riesen Unterschied, ob liebende Eltern das als Erziehungsmittel einsetzen, oder ob sich Erwachsene aus Überforderung, mit mangelder Selbstkontrolle oder gar unter Alkohol und Drogen brutal an ihren Kindern abreagieren. Jedenfalls ist mir ein Povoll 1000 Mal lieber als ein »loss of social life«, wie z.B. Hausarrest, Handyverbot und was es da noch so alles gibt.
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