Anzahl Assoziationen zu diesem Stichwort (einige Beispiele folgen unten) 12, davon 11 (91,67%) mit einer Bewertung über dem eingestellten Schwellwert (-3) und 2 positiv bewertete (16,67%)
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Siehe auch:
positiv bewertete Texte
Der erste Text am 19.7. 2003 um 09:19:38 Uhr schrieb
johnny über Unmusikalität
Der neuste Text am 29.9. 2016 um 11:37:54 Uhr schrieb
Gärtnerin über Unmusikalität
Einige noch nie bewertete Texte
(insgesamt: 9)

am 3.12. 2007 um 18:37:36 Uhr schrieb
tootsie über Unmusikalität

am 29.9. 2016 um 11:37:54 Uhr schrieb
Gärtnerin über Unmusikalität

am 31.10. 2003 um 10:13:51 Uhr schrieb
sowieso über Unmusikalität

Einige überdurchschnittlich positiv bewertete

Assoziationen zu »Unmusikalität«

mcnep schrieb am 19.7. 2003 um 11:02:23 Uhr zu

Unmusikalität

Bewertung: 11 Punkt(e)

Bei diesem Stichwort sofort meines lieben armen Vaters eingedenk geworden. Ja, Vater war unmusikalisch. Ich glaube sogar, er hat Musik in späteren Jahren geradezu gehasst. Jahrgang 1925, die ganze melodieselige Sozialisation: Die Spinnrockengesänge des bekopftuchten Weiberhaushalts in Finsterschlesien; sangliche Dienstbarmachung der Pimpfe und Arbeitsdienstler, chorisch singend in Frankreich eingefallen, dann via Polen nach Rußland, Soldat am Wolgastrand, dort übernommen, zurück durch den Mudd, bis alles in Scherben fiel, sogar in den Gefangenenlagern kein Penicillin, 800 Kalorien, aber musikalische Abende. Verständlich, daß er ab 1948 meine musischere Mutter (Lautenmaid, BDM–Flötenkreis) nur halbherzig zu Besuchen im Hagener Stadttheater lud, Zigeunerbaron, Fledermaus, Bettelstudent, der ganze Abwasch. Als der RocknRoll über Deutschland seine Rosinen abwarf, finden ihn Fotos der Zeit inmitten der Freunde, den verspäteten Twens und Sambajünglinge in ihren Petticoats und Stenzanzügen eher zurückgenommen, mit seiner REFA-Brille und den über den Kopf gewellten Haaren sitzt er manchmal zwischen Salzstangen und Telefunkenflug wie Woody Allens Zelig. Was ich Nachgeborener dann noch erlebte, das war die übliche Ruine eines Arbeitslebens, zwischen Freitagsbier und Samstagabendshow. Doch sympathisch, bei letzteren ihn aufseufzen zu hören: »Jetzt kommt schon wieder Musick...« Sporadische Versuche musikalischer Späterziehung blieben fruchtlos - wieso ich an seinem 65ten ausgerechnet darauf verfiel, ihm den Schwan von Tuonela zu schenken, ist mir in der Rückschau unerklärlich, Sibelius, nunja, vielleicht schien er mir näher an Millöcker und den Caprifischern als der Rest. Lange habe ich geglaubt, hier reduziert sich ein Mensch, läßt seine Seele verkümmern, schreit nach der Erlösung durch das hohe C - ich hätte ihn in Ruhe lassen sollen. Mir reicht inzwischen mein gelegentliches Symphoniekonzert, in dem ich mit schöner Regelmäßigkeit wegdämmere, zum Frühstück mal Schuberts Dritte, beim Bügeln Dylan, höchstens im Auto noch das volle Klangprogramm - aber Vater, heute wäre ich milder gesonnen, was deinen Musikhass anbelangt. Den einen entringen sich binomische Formeln, die sich ihnen zu Fugen und Tarantellen formen, mancher spürt den Geheimnissen der Leiblichkeit nach und vermag aus einem Paar Lippen sphärische Klänge zu orgeln (ist Musik eigentlich auch da, wenn sie nicht gespielt, sondern nur gelesen wird? Talentfrage), wieder andere werkeln ein Lebtag vor sich hin, sich ihr Eigenheim zu komponieren. Aber auch er, Vater, lebt als musikalische Phrase in mir weiter, im Anfangstakt des Tangos 'Olé Guapa', mit der er seine Frau zu manchmal unstatthaft später Zeit ans Fenster pfiff, wenn er den Schlüssel vergessen hatte. Musik ist ein Schlüssel zur Welt, aber die hat viele Türen.

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