Einige überdurchschnittlich positiv bewertete
Assoziationen zu »Canetti«
Kopflast schrieb am 2.1. 2003 um 00:59:30 Uhr zu
Bewertung: 9 Punkt(e)
Elias Canetti, Masse und Macht (Die Doppelmasse: Der Krieg)
»Es ist ein ganz erstaunliches Unternehmen. Man beschließt, daß man mit physischer Vernichtung bedroht ist, und verkündet diese Bedrohung öffentlich vor aller Welt. >Ich kann getötet werden<, erklärt man, und leise denkt man dazu: >weil ich den oder jenen töten will.< Der Ton müßte in Wahrheit auf dem Nachsatz liegen: >Ich will den oder jenen töten, darum kann ich selber getötet werden.< Aber für den Beginn des Krieges, für seinen AUSBRUCH, für die Entstehung der kriegerischen Gesinnung unter den eigenen Leuten ist es die erste Fassung allein, die man sich zugibt. Ob man in Wirklichkeit selber der Angreifer ist oder nicht, immer wird man die Fiktion zu schaffen suchen, daß man bedroht wird.«
voice recorder schrieb am 24.12. 2002 um 03:53:55 Uhr zu
Bewertung: 7 Punkt(e)
"Wenn sie als Einheit zusammen sind, agieren sie auf alle gemeinsam erteilten Befehle. Aber es
soll möglich bleiben, sie zu trennen; ein, zwei, drei Mann, die Hälfte, so viel der
Vorgesetzte will, abzuberufen. Daß sie zusammen marschieren, soll äußerlich sein; die
Spaltbarkeit der Abteilung macht ihre Verwendbarkeit aus. Der Befehl muß welche Zahl immer
treffen können; einen, zwanzig oder die ganze Abteilung. Seine Wirksamkeit darf nicht davon
abhängen, an wie viele er sich richtet. Es ist derselbe Befehl, ob einer oder alle ihn
entgegennehmen."
Elias Canetti
Schmidt schrieb am 21.1. 2016 um 09:56:37 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
In der Folge dieses Erlebnisses wollte ich ein ganz besonders guter Bruder werden. Ich wollte Kinder immer völlig ernst nehmen. So wurden meine zwei kleinen Geschwister, der Andere zählte nicht mehr als wirklich klein, meine bevorzugten Studienobjekte und Freunde. Ich verteidigte sie vor Mutter, nahm freiwillig Schuld auf mich wenn etwas zerbrach, ich hatte ja die Zusage ab dem zehnten Geburtstag nicht mehr verprügelt zu werden, und, ich war immer auf der Hut vor allen Erwachsenen insbesondere natürlich auch den Eltern, man konnte nie wissen was sie plötzlich über einen dachten. Ihnen mit eigenen Problemen zu kommen, mit ihnen reden, war völlig absurd. So gefiel ich mir als ganz junger Mann schon meine Geschwister freundschaftlich zu begleiten in einer ständig bedrohten Athmosphäre der Unsicherheit vor elterlichen Erschütterungen. Im Gegensatz zu eigentlich allen Nachbarskindern, deren Eltern grundsätzlich sich für ihre Kinder einsetzten, »mein Sohn war das nicht, mein Sohn würde so etwas niemals tun«, war Mutter immer der Überzeugung, wir seien schuld. Und hätten es auch nicht anders verdient.
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