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wenn ich mich so im freundeskreis unterhalte, oder mit meinem bruder oder mit neuen leuten ... irgendwann kommen wir immer auf ein thema zu sprechen, das sich mit den auswirkungen der nine-eleven-politik in der westlichen welt beschaeftigt.
und tatsaechlich wissen die meisten, dass seit anfang des jahres der groessere grosse lauschangriff laeuft, dass seit anfang april das bankgeheimnis faktisch geschichte ist, dass man identitaetsdiebstahl kuenftig mit fingern oder augenlicht bezahlen darf und dass, was da geschieht eigentlich niemandem gefaellt.
zu zeiten der politikverdrossenheit und der neuen erstarkung der neofaschisten waren sich die leute meinem empfinden nach wesentlich weniger einig, sahen aber keine grossen moeglichkeiten die richtung mitzubestimmen ... heute habe ich eher den eindruck, dass sich die meisten einig sind, aber regelrecht hilflos fuehlen und der staatlichen demokratiesimulation ueberhaupt nicht mehr glauben.
zu allgegenwaertig werden fingerabdruckscanner in videotheken, kontaktlose chipkarten in zutrittssystemen, kameras allenorts ... zu selbstverstaendlich sind big-brother kontainer, datensammelwut von staat und unternehmen und ohnmachtsgefuehle hinsichtlich der wahrung buergerlicher und persoenlicher rechte, wo staat oder unternehmen sie nicht gerne gewahrt sehen.
wie kommt es, dass wir uns unserer anzahl so wenig greifbar bewusst sind? warum haben alle so einen leeren blick in den augen, wenn es um das »was tun?« geht? wieso habe ich selbst das eindringliche gefuehl, dass der zug extremst abgefahren ist, obwohl eigentlich jeder mit dem ich all das bespreche einer aehnlich ablehnenden meinung gegen den derzeitigen politischen kurs ist, wie ich?
bis vor kurzem habe ich all den traumtaenzern, die sich so ueberhauptnicht mit gesellschaftlichen pflichten und ihrer eigenen perspektive befassen wollten, die deutschland schlicht scheisse fanden und »es sich ja nicht ausgesucht hatten, hierher geboren zu werden«, die ihren eltern fuer ihre existenz vorwuerfe machten, all jenen also, die ihre allgemeine unzufriedenheit in, gesellschaftlich betrachtet, so etwas wie eine unsoziale grundhaltung verwandelt hatten, immer auf den kopf zugesagt, dass ich es in deutschland eigentlich ganz nett finde und sie mir doch ein paar echte alternativen zum derzeitigen demokratischen system und zu deutschland aufzaehlen sollten, wo sie dann ihren gesellschaftlichen pflichten nachkommen wuerden. darauf kam dann meist nur rumgedrukse oder nichts mehr.
heute weiss ich mir selbst nicht zu antworten - ich bin unzufrieden, kein zweifel - aber alternativen fallen mir auch nciht ein. ich sehe, was schiegeht, aber ich sehe nicht, wo ich eingreifen kann, ohne das sandkorn in der wanderduene zu sein. fuer die schnelle reparatur der demokratie stehen mir die saemtlichen selbstreparaturmechanismen und selbstkontrollmechanismen der demokratie im weg. es fuehlt sich an, als muesse zum sturz einer diktatur ein diktator benannt werden, als brauchte ich zur reparatur eines hammers einen hammer.
ich sage es immer wieder und ich denke auch jetzt so - wir bewegen uns auf einen wellenkamm zu, der derzeitige trend wird sich, weil es immer so war, auch wieder zurueckbilden. es kann und wird sich nciht immer mehr verschaerfen, wir haben schon eine ganze menge an rechten aufgegeben und da ist nur noch so ein bischen, was wir dann verlieren koennen, bevor uns dann allen ganz deutlich bewusst wird, dass wir keine rechte mehr haben, dass wir extrem tief in der kacke stecken.
danach wirds dann wieder besser werden - das bracuht dann etwas zeit, aber so war es frueher und so wird es wieder werden. nur macht mich eben bang, dass auf dem weg dorthin einiger menschen koepfe rollen werden und eines tages, nicht so weit von jetzt entfernt, muss ich mich dann entscheiden, ob ich eine rechtelose schweigsame feige sau werde, oder ein mutig daherrollender kopf ... und eigentlich mag ich die aussicht auf diese entscheidung nicht.
zum glueck kann ich noch einer dieser kuenftig so zahlreichen kollateralschaeden werden, die der schoenen neuen welt einfach versehentlich in die quere kommen.
-jmt. (wie hoch ist eigentlich das missbrauchspotential der neuen gesetze?)
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