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Hamsta schrieb am 4.1. 2000 um 18:32:35 Uhr über

Gelbrandkäfer

Es gibt da so einige Dinge, die ich einfach nicht abkann.
Dazu gehören nicht nur Schule und eine leere Mailbox, sondern auch Gelbrandkäfer. Ich habe eine regelrechte Phobie!
Mit 7 Jahren hatte ich ein grosses Hobby: Ich fing die Tiere in unserem Teich ein, um sie zu beobachten und dann später wieder freizulassen (oder auch nicht). Bei jedem Tier gibt es eine andere Methode, wie man es am Besten einfängt. Einen Gelbrandkäfer zu fangen ist so ungefähr die schwerste Angelegenheit.
Gelbrandkäfer sind blitzschnelle und sehr gute Schwimmer. Sie können sich gut verstecken und sehr lange abtauchen. Immer wenn man meint, man hätte einen gefangen, entwischt er doch noch im letzten Augenblick. Hat man erstmal einen im Kescher, muss man diesen immer so in Bewegung halten, dass der Käfer nicht entwischen kann. Immer wenn ich einen dieser Käfer gefangen hatte, war ich gleichermassen stolz und entsetzt. Einerseits konnte ich diese Viecher einfach nicht ausstehen, aber andererseits haben sie mich fasziniert. Ich muss schon zugeben, Gelbrandkäfer sind sehr schöne Tiere. Aber ihre Larven sind einfach nur abartig! Wenn ich eine dieser Larven gefangen hatte (was häufiger vorkam, weil sie eine regelrechte Plage sind), bin ich immer völlig durchgedreht, begann ziemlich laut zu kreischen... einfach weil ich entsetzt war... meistens liess ich vor Entsetzen meinen Kescher fallen und sprang 3 Meter zur Seite, nur damit dieses abartige Wesen, was jetzt natürlich auf dem Boden krabbelte, nicht bis zu mir vorstossen konnte. Ich guckte mir das Geschehen aus (mehr oder weniger) sicherer Entfernung an. Die Larve, die es natürlich überhaupt nicht auf dem Trocknen mochte, setzte sich in Bewegung, um wieder ins Wasser zu gelangen. Es dauerte dann ungefähr eine Minute, bis »das Monster« wieder da war, wo ich es eingefangen hatte. Weitere 4 Minuten brauchte ich, bis ich mich von meinem Schock erholt hatte und den Kescher aufhob, um erneut auf Jagd zu gehen.
Dass ich diese Tiere und vor allem ihre Larven nicht abkann, hat vor Allem den Grund, dass ich mich genau mit ihnen beschäftigt habe.
Gelbrandkäfer sind Räuber. Sie jagen alles, was ihnen vor die Zangen kommt! Die Gelbrandkäferlarven sind noch gefrässiger als die Käfer. Nachdem sie ihr Opfer gepackt haben schlagen sie ihre Zangen hinein, um es mit Verdauungssäften vollzupumpen. Das Opfer wird auf diese Weise lebendig von innen verdaut. Nachdem es nur noch aus Flüssigkeit besteht, saugt die Larve das Opfer aus, bis nur noch eine leere Hülle davon übrigleibt. Zu ihrer Beute gehören unter Anderem Fische, Molche und Kaulquappen, doch Gelbrandkäferlarven machen selbst vor ihren Artgenossen kein Halt. Ich habe öfters mitangesehen, wie sich 2 (oder sogar 3 Exemplare!) minutenlang gejagt haben. Hat die eine die andere eingeholt, wird gekämpft bis auf den Tod! Die beiden (oder 3) schlagen sich gegenseitig ihre Zangen in den Körper und beginnen damit, die andere Larve auszusaugen. Dabei winden sie sich immer hin und her. Bis eine der beiden sich nicht mehr bewegt, dann ist der Kampf entgültig entschieden. Der Sieger geniesst das Privileg, seinen Gegner vollständig zu verdauen und anschliessend auszusaugen! Der Kannibalismus ist eigentlich das Ekelhafteste an diesen Viechern. Nachdem ich öfter dabei zugesehen hatte bekam ich den totalen Horror!
Gelbrandkäfer sind sehr weit verbreitet. Kein Gartenteich ist vor ihnen sicher. Wer glaubt, sie könnten NUR schwimmen, der irrt sich! Es ist auch durchaus bekannt, dass sie fliegen können. Diese Tätigkeit üben sie meistens nachts aus.
Ich habe sogar schon einmal ein Exemplar dieser Spezies an der Ostsee angetroffen. Nach dieser Begegnung frage ich mich, was die Biologen bei ihren Forschungen noch alles übersehen haben...
hamsta1@gmx.de


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