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Es ist doch seltsam. Es ist 2025, schon wieder kurz vor Sommeranfang... aber mal im Ernst: Was bedeutet das eigentlich so ganz objektiv? Fühlt sich immer so an, als wäre die Welt vor 2025 Jahren entstanden, aber das ist sie gar nicht. Nur so um dieses Jahr herum ist irgendein exzentrischer Wanderprediger geboren worden, der scheinbar so wichtig war, dass wir uns auch heute noch mit dem Kalender jedes Mal daran erinnern müssen, wann das mal war.
Aber naja, für mich bedeutet das alles nichts. Zumindest gerade nichts, nicht wieder in so einer Nacht, wie sie eigentlich alle sind. Es ist so warm, ich habe Klappfenster noch um diese Zeit geöffnet, und von draußen dringt Musik herein. Wo kommt die her? Ich habe die hier schon öfter gehört, irgendwer scheint nachts gerne ziemlich laut Musik zu hören. Oder gibt es hier irgendwo in der erweiterten Nachbarschaft einen Treffpunkt, wo ein mystischer Geheimbund bei Schlagern und Popmusik seine dubiosen Riten durchführt? Oder ist es doch diese Disco, deren Musik vom Wind bis an mein Fenster rübergetragen wird? Schallwellen haben eine enorme Tragweite, wenn Strömungen günstig sind.
Und ich? Ich liege hier in meinem Bett, in der Dunkelheit. Allein. Niemand in der Nähe weiß wahrscheinlich gerade, dass ich hier in diesem Moment existiere. Ich bin nicht da, wo die Musik ist. Ich bin nicht da, wo die Lichter sind. Ich bin da, wo diejenigen sind, die die Welt vergessen hat. Wie immer. Dort bin ich zu Hause.
Und selbst wenn ich nicht hier wäre, dann wäre ich doch immer noch hier. Bleiben wir beim Beispiel von dieser besagten Disco. Ich habe die zweimal betreten, und doch war ich dort alleine. Nicht physisch, nein. Als würde ich alleine überhaupt auf so eine Idee kommen! Aber auf einer mentalen Ebene, da war ich unsichtbar. Die meiste Zeit zumindest. Einfach aus den Augen, aus dem Sinn der meisten. Aber das ist ein Sinnbild meiner Existenz: Ich gehe nirgendwo alleine hin, aber wenn ich irgendwo bin, dann bin ich doch allein.
Ich gebe ja zu, ich bin lieber allein als mit Menschen um mich herum, die mir die Schuld geben, dass der Zustand jetzt so ist, wie er dann eben ist. Überhaupt, ich kann eigentlich nie was dafür, dass andere sind, wo sie sind, aber leider können andere viel dafür, dass ich da bin, wo ich bin. Aber das ist ein Teil für einen anderen Monolog. Das passt hier nicht ganz her.
Aber was fange ich jetzt an? So in Dunkelheit, noch das Brummen des Kühlschranks und der herein dringenden Musik hörend? Ich mache mir noch einmal bewusst, wie 2025, mitten in der Nacht kurz vor dem Sommeranfang, eigentlich gar nichts bedeutet. Diese Erde existiert 6 Milliarden Jahre, Leben seit etwas kürzer. Die Menschheit noch viel kürzer. Und doch ist das alles so eine enorme Zeit, dass 2025 nach christlicher Zeitrechnung eigentlich gar nichts bedeutet. Absolut nichts. Und ich? Der, der dort ist, wo diejenigen sind, die von der Welt vergessen werden? Ich bleibe vergessen. Vergessen im Laufe der Zeit. Eigentlich ist es wie jede Nacht, nur manchmal spüre ich es mehr, manchmal weniger. In diesem Sinne, meine Freunde: schöpft das Glück noch aus, das mit euch ist. Wir wissen nie, wie lange es noch bleibt.
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