Einige überdurchschnittlich positiv bewertete
Assoziationen zu »Wurstbrauchtum«
Peter K. schrieb am 9.12. 2007 um 17:11:16 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Das Auseinanderklaffen der bürgerlichen und der sozialistischen deutschen Nation lässt sich nirgendwo drastischer festmachen, als am Begriff der Currywurst. Das Westprodukt, die in mundgerechte Stücke zerteilte Bratwurst mit Ketchup, Schaschliksosse und Currypulver, ist nicht erst durch den Grönemeyer-Song zur Ikone geworden, deren gelegentlicher Verzehr selbst ausgewiesenen Gourmets nicht als Sünde zu gelten braucht - während dieses ostzonale Siedewürstchen, eingeschnitten und fettig fritiert eine ernährungsphysiologische, kulturelle wie kulinarische Katastrophe darstellt, daß zur Abwicklung freigegeben worden ist. Diejenigen Teile der Ostzone, in denen sich die westdeutsche Kultur immer noch nicht durchsetzen konnte, lassen sich unschwer daran erkennen, daß einem diese Katastrophe auch heute noch zugemutet wird.
Peter K. schrieb am 9.12. 2007 um 17:35:32 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Eine schöne Rauschtat ist das Weißwurstfrühstück, daß grundsätzlich bei schönem Wetter und im Freien stattzufinden hat. Allerspätestens um zehne muß man damit beginnen, da die Weißwürste ja das 12-Uhr-Läuten nicht hören dürfen. Pro Person benötigt man je nach Appetit 2-4 Weisswürste, 1-2 Laugenbrezeln oder Laugenbrötchen, etwa 1/4 Glas süssen Senf und 1/4 - 1/2 Kasten Weißbier, das nicht übertrieben kalt sein darf. Weicheiern sei es dabei zugestanden, zuvor mit einem Süssfrühstück eine gewisse Unterlage zu schaffen. Das schöne am Weißbierfrühstück besteht darin, daß es einen der selten gewordenen Vormittagsräusche verursacht, der seinerseits dazu führt, daß man die heisse Mittagszeit unter einem Apfelbaum liegend verbringen kann, um den Tag sodann in einem Biergarten oder am See ausklingen zu lassen. Dabei sind weitere Räusche und Lustbarkeiten zugelassen - sogen. sinnvolle Tätigkeiten bleiben jedoch nach einem Weisswurstfrühstück höchst unerwünscht.
Peter K. schrieb am 9.12. 2007 um 21:43:14 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
In Frankfurt am Main, mitten im Westend, wo die Banken und vornehmen Büros sitzen, befindet sich die »Alte Markthalle«, eine wirklich uralte Holzkonstruktion, in deren Inneren inzwischen vornehmlich Delikatessen in der »Antipasti-Richtung« angeboten werden. An einer Seite jedoch hat sich ein Stand gehalten, an dem ausschließlich diverse Sorten von Fleischwurst feilgehalten werden. In der Mittagszeit entsteht eine beträchtliche Schlange von Bankern, Wirtschaftsprüfern, Rechtsanwälten, Maklern und ähnlichen Anzugsträgern, die geduldig warten, bis sie an der Reihe sind. Man nennt die Wurstsorte, die man möchte, und bekommt diese frisch aus dem Wurstkessel gezogen. Das Messer wird angehalten: passt es so ? etwas mehr oder weniger ? Ein Klacks Senf dazu und ein Brötchen ? Getränke gibts am nächsten Stand. Und dann steht man da, ißt seine warme Fleischwurst aus der Hand und plaudert weiter über mergers and aquisitions.
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