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Hans*im*Glück schrieb am 9.6. 2005 um 14:31:57 Uhr über

Illusion

Es fällt mir schwer zu entscheiden, unter welchem Stichwort --- auch Hoffnung, auch DDR, auch Krieg, auch Faschismus fiel mir natürlich ein.


Ballade von der Liebe

Als er sie sah
da sah er ihren Körper
sehr nah, im Licht, und stolz bei seinem stehn.

Und als er sprach
empfand sie seinen Atem
wie Flut und Ebbe über sich ergehn.

Sie hatten Angst.
Denn ihre Augen strahlten:
Was wir auch tun - es ist um uns geschehn.

Und es geschah.
Sie brauchten keine Worte,
das, was sie band, einander zu gestehn:

Du Sturm und Schiff
und abendliche Stille

Was du begehrst
ist mein geheimer Wille

Was du berührst
das will auch ich berühren

Was dich entzückt
das will auch ich verspüren

Was dich entflammt
das soll auch mich verbrennen

Was du durchdenkst
auch ich will es erkennen

Und froh wie du
will ich zur Arbeit gehen

Will überall
an deiner Seite stehen

Vergißt du mich -
ich will es dir vergessen

laß uns das Herz
nicht als Besitztum messen

Und trennt uns Streit
ich hör im Schlaf dich stöhnen

und liege wach
eh wir uns nicht versöhnen

Bist einsam du
so mag ich's mit dir leiden

Doch willst allein
du sein, werd ich dich meiden

Was mich erfreut
soll dir auch Freude machen

Bist fröhlich du
so will ich mit dir lachen.

Und Kinder laß
uns haben und behüten

Es ist so schön
in einem Haus mit Blüten...

Es kam nicht so
wie sie es sich erträumten.
Die Zeit des Ratten-Übermuts brach an:

Wer lacht, der grinst
Wer nicht lacht, der verrät sich
Und wer sich sicher dünkt, der ist kein Mann

Der Himmel heult
Die Menschen werden Würmer
Die Steine Staub, Gesichter werden Stein

Und doch; es gibt
noch immer kleine Kinder
und Mütter bangen, wo mag Vater sein...

Er kam zurück
Sie durfte endlich weinen
die kranke, müde, stummgewordne Frau

Das blasse Kind
erkannte ihn nicht wieder
und blickte scheu ihn an, den Mann in Grau.

Es blieb nicht so
Die Helden ihrer Jugend
erweckten ihren Mut zu neuer Tat:

sie zimmerten,
den Grundriß in den Händen,
mit ihresgleichen ihren eignen Staat.

Es war nicht leicht
Noch zitterte das Grauen
vor Menschenmacht und Menschenohnmacht nach

Doch abermals
geschah's, daß ohne Worte
was sie bewegte, aus den Blicken sprach:

Du junge Macht
du mußt uns nicht erst bitten

dir beizustehn
bei deinen ersten Schritten

Was du beginnst
beginnt mit unsern Händen

Was du ersinnst
wir wollen es vollenden

Und was du brauchst
wir werden es dir geben

denn deine Kraft
macht leichter unser Leben

Tust manchmal du
uns weh - es sei vergessen

Wer könnte das,
was dich bedrückt, ermessen?

Es hat, wer dich
verletzt, auch uns verwundet

und Freund ist uns
wer Freundschaft dir bekundet

Wir räumen weg
die Trümmer auf den Wegen

Wir wollen Flur
und Wald und Tiere hegen

Und Schiffe baun
Fabriken und Maschinen

die jedem Land
und die dem Frieden dienen

Du planst mit uns
für uns und unsere Kinder

Du ziehst zu Rat
den Künstler, den Erfinder

Du lehrst das Volk
die eigne Weisheit achten

und lehrst es auch
nach höchstem Wissen trachten.

So fühlten sie
Und sahen sich inmitten
von Ungezählten, die so fühlten, stehn,

sehr nah, im Licht,
getragen von der Sehnsucht
ganz Deutschland einst so brüderlich zu sehn.

Da wußten sie
ihr Traum geht in Erfüllung:
die alte kalte Zeit kommt nicht zurück.

»Geliebtes Land
Zwei Worte der Versöhnung
begleiteten ein nie gekanntes Glück.


WIELAND HERZFELDE

Aus: Lyrik der DDR.
Aufbau-Verlag 1984,
zuerst veröffentlicht
1961 in 'Unterwegs'.




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