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wuming schrieb am 15.3. 2003 um 02:24:41 Uhr über

Kommunikation

r einfache Frage:

Itureite im folgenden geht es um eine eigentlich seh

Wie kommt es, daß Menschen in unserer Gesellschaft die vielfältigen Macht-

rnrnatik und Herrschaftsverhältnisse, denen sie unterworfen sind, so selbstverständlich

ubversion akzeptieren? Wieso werden diese Verhältnisse als normal angesehen und in der

Regel gar nicht erst hinterfragt? Und wie läßt sich dieser gesellschaftliche

Konsens, der hinsichtlich der Ausübung von Macht und Herrschaft besteht,

stören und durcheinanderbringen?

Verschiedenste gesellschaftliche Institutionen sorgen dafür, daß das Sich-

Einfügen in und die Unterwerfung unter Macht und Herrschaftsverhältnisse von klein auf

gelernt werden. In der Schule beispielsweise, einem der wichtigsten Orte gesellschaftlicher Sozialisation, sind Elemente der herrschenden Ideologie von Anfang an Teil des UnterrichtsStoffes - gelehrt werden etwa das herrschende Geschichtsverständnis, das nötige Allgemeinwissen, das gesellschaftliche Werte- und Normensystem, Über solche offen ausgesprochenen Inhalte hinaus jedoch werden die Schüler in einem viel umfassenderen Sinne darüber unterrichtet, daß und wie sie sich in die Normalität von Herrschafts- und Machtbeziehungen einfügen sollen. Auch wenn sich die Sitzordnung immer wieder verändern kann, ist die Einhaltung der jeweils gültigen Form zwingend vorgeschrieben. Selbst wenn die Tische im Kreis aufgestellt werden, zeigt sich die Autorität des Lehrers darin, daß er jederzeit aufstehen, umhergehen, Schüler ansprechen darf. Eine frontale und einseitige Kommunikationsordnung legt fest, wer über die Art des Lernens entscheidet - die Lehrerin, und wer sich einfügt - die Schüier. Die präzise Einteilung der Schulstunden wird durch akustische Signale verbindlich gemacht. Hinzu kommen die architektonische Anlage des Gebäudes und seine Umgebung mit Klassenzimmern, Fachräumen, für die Schüler verbo tenerl Lehrerzimmern ebenso wie die Einteilung der Schüler in Alters- und Leistungskategorien wie Prüfungen und Zeugnisse. In diesem Rahmen ist es ein normaler Vorgang, wenn der Lehrer vor den Schülerinnen steht und ihnen zu von ihm festgelegten Zeitpunkten und Themen das Wort erteilt. Denn es scheint, daß nur diese Vorgehensweise einen geregelten Ablauf des Unterrichts ermöglicht, Damit wird nicht nur immer von neuem die Autorität dessen, der vorne steht, festgeschrieben, sondern auch, daß das System von Autorität und Unterordnung der einzig mögliche Weg ist, soziale Beziehungen zu organisieren.
Im Rahmen der geschriebenen und umgeschriebenen Regeln und Konventionen der Schule praktizieren Lernende und Lehrende tagtäglich Verhaltensweisen, die auch in zahlreichen anderen gesellschaftlichen Bereichen dazu dienen, eine auf Machtverhältnissen beruhende Ordnung aufrechtzuerhalten. Die Gesamtheit solcher Regeln bezeichnen wir als OKultureile Grammatik. Mit einigen weiteren Beispielen läßt sich deutlich machen, wie
dieses Regelsystem der Kulturellen Grammatik Macht und Herrschaft produzie produziert, wie es hierarchische Kommunikationsformen normalisiert - nicht n äußerem Druck wie in der Schule, sondern auch in weitgehend selbstbestimm
menhängen: Kulturelle Grammatik wird nicht nur unter Zwang, sondern auch

im eigenen Interesse eingehalten.

Bei Vereinssitzungen ist die Vorsitzende dazu berechtigt und verpf

Ablauf der Veranstaltung zu lenken, was ihre herausragende Position den an

über immer wieder manifestiert. Damit werden hierarchische gesellschaftlich
akzeptabel - schließlich organisiert man sich selbst in gleicher Weise. Bei Vor allen Beteiligten klar, daß die Referentin eine Autoritätsperson ist, die die dis Themen bestimmt und der zumindest in der ersten Hälfte der Veranstaltung Recht zu reden gebührt. Die Zuhörerinnen sind zwar freiwillig anwesend, sie aber nur dann richtig und unproblematisch, wenn sie schweigend und aufme in Richtung des Redepults ausgerichteten Stühien sitzen.
Nach demselben formalen Muster wie Vorträge laufen - um ein einem explizit politischen Kontext zu betrachten - Wahlveranstaltungen mit kern ab. Solche Veranstaltungen illustrieren auf eindrücklichste Weise ein ze bürgerlich-demokratischer Herrschaft: Sie beruht nicht in erster Linie auf off Staatsapparates, sondern auf der Produktion von Konsens. Mit zahllosen Pra Fiktion aufrechterhalten, daß dieser Konsens durch gleichberechtigte Komm (,Dialog mit dem Bürger') zwischen Herrschenden und Beherrschten über di Praxen der Herrschaft hergestellt werde, Gleichzeitig wird das reibungslose der Herrschaft aber durch die Art und Weise sichergestellt, in der diese sche Kommunikation erfolgt. So bedient sich eine VVahlveranstaltung der kulturell Vortrags, ohne daß bei der daran anschließenden Fragerunde tatsächlich ei Diskussion stattfindet. Der Inhalt des Vortrags selbst ist für die Aufrechterh Fiktion gleichberechtigter Konsensproduktion relativ unwichtig; die Aussag Veranstaltung ist vor allem: Wir leben in einer parlamentarischen Demokra das Recht haben, ihre Meinung zu äußern - solange sie dies in einer Weise Regeln dieser Art von Veranstaltung entspricht, solange sie sich in Thema u die gesellschaftlich akzeptierten Konventionen halten. Daß dieses Recht au äußerung letztlich folgenlos bleibt, weil die möglichen Themen ebenso wie sie diskutiert werden, schon durch den formalen Rahmen vorgegeben und sind, fällt niemandem auf - denn dieser Rahmen und seine Regeln sind ver werden als normal und natürlich empfunden. Wenn der Bundeskanzler inm


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