Einige überdurchschnittlich positiv bewertete
Assoziationen zu »Gerechtigkeit«
Liquidationsdefensive schrieb am 18.8. 2002 um 12:37:31 Uhr zu
Bewertung: 2 Punkt(e)
Gerechtigkeit ist das wichtigste Prinzip jeder Gesellschaft, wichtiger als Freiheit, da der Mensch als soziales Wesen mit seiner prinzipiell unbegrenzten individuellen Freiheit irgendwann an die Grenze der Freiheit des Anderen stößt und sie nur gewaltsam über diese Grenze hinaus ausdehnen kann, indem er das gerechte Gleichgewicht der Freiheit aller verletzt. Realistisch betrachtet, sind zur Herstellung und Erhaltung der Gerechtigkeit in irgendeiner Form Gewalten erforderlich, welche die eine Freiheit beschränken, die auf Kosten der anderen Freiheit geht. Unrealistisch betrachtet können wir auf die Utopie setzen, diese Gewalten seien nicht notwendig, weil jeder Einzelne vernünftige Einsicht in seine Grenzen hat und sich diese selbst auferlegt.
Auf der anderen Seite ist Gerechtigkeit nicht viel wert, wenn sie nur die Gleichheit der Knechtschaft und Unfreiheit aller ist. Es kommt also, als Zielsetzung, darauf an, die Freiheit aller zu maximieren, allerdings unter der entscheidenden Randbedingung der Gerechtigkeit.
Freno d'Emergenza schrieb am 3.1. 2015 um 18:30:50 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Ein von mir sehr geschätzter Chirurg - er hat mich mehrfach opereriert - hat an der Tür seines Sprechzimmers folgenden Aushang (sinngemäß):
"Sehr geehrte Patienten !
Ich bemühe mich, alle Patienten GERECHT (Hervorhebung von mir) in der Reihenfolge ihres Erscheinens aufzurufen. Leider muß hiervon aus medizinischen Gründen häufig abgewichen werden. So haben zB Notfälle, Kinder, Schmerzpatienten und Schwerbehinderte stets Vorrang.
Ich bitte um Ihr Verständnis !
Dr. med. Wegschneider (Chefarzt)"
(Auch der Name des Arztes ist natürlich verändert.)
Dieser Aushang, im Grunde ja schon die Notwendigkeit eines solchen Aushanges zeigt, in wieweit der Begriff der Gerechtigkeit in diesem Lande schon vor die Hunde gekommen ist: billigstes, primitivstes Rasenmäher-Prinzip: jedem das Gleiche, nach Grundsätzen, die selbst dem Dümmsten unmittelbar einsichtig sind, wie das sogen. Müller-Prinzip: wer zu erst kommt, mahlt zuerst.
Ich habe viel Zeit im Wartebereich dieses geschätzten Arztes verbringen müssen, und immer und immer wieder erleben müssen, das des wohlmeinenden Aushangs zum Trotz irgendwelche Leute von gesundem Volksempfinden fast eine Revolte anzettelten, weil »schon wieder jemand dran war, der hinter mir gekommen ist!« Ob dieser jemand mit zwei Infusionen am Arm und Sauerstoffmaske vorm Gesicht auf dem Rollstuhl ins Sprechzimmer geschoben wurde, interessiert diese Leute nicht - und nicht ihr Empfinden von »Gerechtigkeit«. Eine Zeitlang habe ich versucht, mit diesen selbsternannten Vorkämpfern für die Gerechtigkeit im Wartezimmer zu diskutieren. Auch das interessiert sie nicht. Sie antworten dann einfach nicht, gucken demonstrativ in die andere Richtung, geben für ein paar Minuten Ruhe, und dann fangen sie wieder von vorne an »Wo bleibt den hier die Gerechtigkeit ?!«
Nein, das Wort hat keinen schönen Klang mehr für mich.
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