Humor
Bewertung: 5 Punkt(e)Ohne Humor könnte ich dieses Leben nicht ertragen! Dabei besitze ich selbst garkeinen eigenen Humor. Aber ich weiß wie Humor funktioniert und kann deshalb so tun, als ob ich welchen hätte. Meistens funktioniert das.
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| Der erste Text | am 11.11. 1999 um 13:01:46 Uhr schrieb Heynz Hyrnrysz über Humor |
| Der neuste Text | am 5.11. 2025 um 14:26:59 Uhr schrieb Schmidt über Humor |
| Einige noch nie bewertete Texte (insgesamt: 52) |
am 2.3. 2004 um 23:07:56 Uhr schrieb
am 19.2. 2008 um 19:36:31 Uhr schrieb
am 14.11. 2020 um 22:01:53 Uhr schrieb |
Ohne Humor könnte ich dieses Leben nicht ertragen! Dabei besitze ich selbst garkeinen eigenen Humor. Aber ich weiß wie Humor funktioniert und kann deshalb so tun, als ob ich welchen hätte. Meistens funktioniert das.
humor ist eine der groessten sexuellen reize (zumindest fuer mich). e gibt da ein paar kerle die ich gar nicht einmal kenne oder nicht fuer besonders attraktiv halt und mit denen ich staendig in email-kontakt stehe. und einfach wegen ihres grossartigen humores und ihres ungeheuren einfallreichtums verlieb ich mich in sie, warte sehnsuechtig auf die naechste nachricht, die nicht besonders »witzig« ist im sinne von mit-witzen-vollgestopft, aber voll von kleinen netten andeutungen und interessanten wendungen und ueberaschungen so dass ich mich beim lesen nicht so genau zwischen lachen und heulen entscheiden kann.
und ich erwarte den naechsten brief sehnsuechtig
Zur Befriedigung meiner Neugier setze ich gern meinen Humor ein. Wenn ich z. B. wissen möchte ob ein Mann wirklich unbeweibt ist, dann bewundere ich sein exellentes Outfit. Zeigt er sich darauf überaus geschmeichelt, stelle ich folgende Fangfrage:
»Pflegst Du Deine Kleidung selbst oder bist Du sogar des Bügelns mächtig?« Die Antwort ist entscheidend für mein weiteres Vorgehen.
DER KLEINE MORITZ IM FETTNÄPFCHEN DER HEITEREN MUSE
Unser Fernsehen ist, um mit Kästner zu reden, eine einäugige Muse. Die Unterhaltung nämlich sieht allzuoft so aus, als wäre sie nicht von denselben Leuten für dieselben Leute gemacht. Da kommt etwas Kindisches, Unreifes heraus, ein Mangel an Geschmack, an Instinkt, an Klugheit, an Lebensnähe, an Sprachgefühl, an Ironie, daß einem Hören und Zuschauen vergeht. Diese Unterhaltung wendet sich an Hinterwäldler. Sie redet uns in Babylauten an, weil wir sonst nichts mitkriegen.
Sehen wir von einigen Talkshows ab, von ein paar echten Sängern, Satirikern, genialen Blödlern, von wenigen Jugend- und Rockshows ... was bleibt im Bereich der Show-Unterhaltung? Opas Fernsehen, mit ein paar modischen Verbrämungen. Dieselben Quizze, die gleichen Spiele, die nämlich bunten Abende mit Publikumsbeteiligung, Betrieb, Remmidemmi, zackzack, und der Herr Humorleiter, der den Strauß schäkernd zusammenbindet. Und vor allem dieselbe Sprache! Dasselbe tölpische, neckische Getön!
Woher das wohl kommen mag? Es kommt, meiner Meinung nach, daher, daß bei uns Unterhaltung im luftleeren Raum zu schweben hat. Sie darf sich auf nichts Reales beziehen. Bloß nicht beunruhigen, bloß an nichts anstoßen, denn auch Denkanstöße gelten hier als anstößig. Bei uns wird der Humor kastriert. Als Entschuldigung gilt, daß »die Deutschen eben keinen Humor haben«.
Man spricht gern von Humordefizit, als fehlten uns bloß zufällig die Kästners, Mehrings, Tucholskys, Hollaenders ... während wir sie in Wirklichkeit in die hinterste Ecke verbannen würden. Ich spreche hier nicht einmal davon, wie selten die immerhin vorhandenen Biermann oder Degenhardt ins Programm kommen. Sondern daß man bei uns zu glauben scheint, man könnte eine Art »reinen Humor«, ohne Bezug auf unsere Gesellschaft, in der Retorte heranzüchten. So siehste aus...
Also gewöhnt man die Leute an einen zahnlosen Mümmelulk, an eine breiige Teigwaren-Unterhaltung, und sagt dazu: Volkes Wille. Damit wird aber der ohnehin schon unsichere Geschmack des breiten deutschen Publikums noch weiter verdorben.
Auf die Gefahr hin, mich unbeliebt zu machen, muß ich jetzt dreinhaun! Fangen Sie doch an, wo Sie wollen, mit der Werbung meinetwegen (die ja auch als Teil des Unterhaltungsprogramms gilt). Und wie steht es schon mit der Umrahmung dieser Werbeblöcke. Spürt denn niemand mehr die Vulgarität dieser auch für Kinder längst veralteten Heinzelmännchen, die plumpe Verniedlichung, das abgeschmackte Wortspiel? Das alles auf dem unsagbaren Niveau von »Bambi-Preis« und »Mecki, dem Redaktionsigel«. Überhaupt die abgestandenen Ausdrücke von gestern, mit denen da noch heute Beschwingtheit verbreitet wird: »Otto Normalverbraucher«, »Fettnäpfchen«, »berühmt-berüchtigt«, »selten so gelacht«. »Humor ist, wenn man trotzdem lacht«, »wie sich der kleine Moritz das vorstellt«, »die ernste und die heitere Muse«, »Allzumenschliches«. Wieviel ungenaues Sehen, wieviel Sprachohnmacht redet doch aus alledem.
Worauf läuft das alles hinaus? Eben daß sich echter Humor immer auf etwas bezieht, und zwar etwas Reales und für die Gegenwart Bezeichnendes: Menschen, Zustände, Überzeugungen. Humor ist der Narr im König Lear, der Totengräber im Hamlet, der Sancho Pansa im Don Quichote, die nicht so sehr spaßig für sich sind, sondern vor allem als Kontrast. Humor ist immer Sand im Getriebe. Er knirscht. Er eckt an. Sticht mit Vorliebe jemand in die Fußsohle, der sich das Au verbeißen muß, will er nicht blamiert dastehen. Echter Humor hat Biß. Er läßt dem Aufgeblasenen die Luft raus. Er zeigt die Poseite des Grandiosen. Und die hat mit organisiertem Frohsinn nichts am Hut...
Humor ist sexy. Ich kann keinen Mann lieben, mit dem ich nicht herzhaft lachen kann. Und er muss auch über sich selber lachen können.
Über sich selbst zu lachen ist gesund und rückt einem oft Dinge wieder ins rechte Licht.
Humor ist spielerisches Erkennen eigener Unzulänglichkeit mit der Option auf dessen Behebung. ( Also das Gegenteil zu Stefan Raab! )
Wenn ich mir mal wieder selber im Wege bin, beseitige ich mich am liebsten mit einer großen Portion Humor. Ich bin manchmal aber auch wirklich zu seltsam.
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