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Bettina Bauernhure schrieb am 18.12. 2005 um 19:44:09 Uhr über

DasFüllhornDesEwigenErbrechens

Die Ampel zeigt schon eine Weile Rot. Der hellbraune Wagen steht davor, drinnen sitzt kein anderer als: Kommissar Schneider! Er ist ungeduldig, seine Finger gleiten immer wieder über die Windschutzscheibe, um die Atemluft wegzuwischen. Er ist zu faul, das Fenster runterzukurbeln, dann käme frische Luft rein. Plötzlich ein Gesicht an der Autoscheibe. Dick, blaß, mit Brille und Halbglatze, die Augen sind träge, und das Kinn hängt, die Nase hat Kerben vom Trinken, es ist der Bürgermeister. An diesem Novembermorgen will er zu Fuß zur Arbeit gehen, deshalb ist er da.
»Herr Kommissar, was für ein Zufall! Was machen Sie denn hier
»Ich fahre! Soll ich Sie ein Stück mitnehmen
»Au fein, das Wetter ist so schlecht
Der Kommissar muß sich anstrengen, um die Beifahrertür aufzumachen, zuerst macht er das Knöpfchen hoch. Vom Bürgermeister sieht man beim Einsteigen erst die Beine und den Mantel, dann zuletzt zwängt er seinen dicken Kopf nach, er schwitzt wie ein Schwein. Er klemmt eine dünne Mappe unter dem Arm platt.
»Schnallen Sie sich an, Bürgermeister
»JaDer Bürgermeister kann sich gerade noch anschnallen, da macht der Wagen einen Satz und streckt sich zum Horizont. Ein erhebendes Bild, wie der schnelle braune Wagen davonkracht. Der Auspuff schleift beim Start und macht Funken.
Die Leute, die jetzt an der Ampel warten, weil Rot ist, sehen den Wagen von außen.
»Na, wie geht's, was macht der Fall, Herr Kommissar, haben Sie schon eine Spur! Ich meine, der Frauenmord!«
»Nein, aber ich bin sicher, daß noch etwas passiert heute. Haben Sie die Zeitung gelesen
Dem Bürgermeister huscht ein sekundenlanges Grinsen über die Lippen, schnell ist es wieder weg.
»Nein, was steht denn drin? Es ist doch wohl hoffentlich nicht noch ein Mord passiert! Das wäre ein Skandal, unsere schöne Stadt würde auf die Art und Weise schnell berühmt, und es kommen viele Touristen
Der Kommissar bemerkt heimlich, daß der Bürgermeister ganz schlammige Hosenbeine hat, die Schuhe sind auch total versaut.
»Hinter der Post, in dem Matschgrundstück, ist wieder was passiert. Ein etwa 6Ojähriger Mann hat eine Frau umgebracht. Auf ähnliche Weise wie der Mord vorgestern. Diesmal haben wir die Leiche. Und auch das Tatwerkzeug, eine Chappidose. Es steht alles in der Zeitung, ein normaler Polizist hat alles gefunden
»Wie grausam! Mit einer Hundefutterdose.« Der Bürgermeister ekelt sich.
»Ja, der Mörder muß selbst einen Hund haben
»Was, Sie wollen doch nicht behaupten, daß unser Hund...«, erregt fuchtelt der Bürgermeister mit seiner eingeklemmten Mappe.
»Aber, aber, Herr Bürgermeister, was meinen Sie, wieviel Leute Hunde haben
»Ich weiß gar nicht, wovon Sie sprechen. So, da wären wir, vielen Dank für das Mitnehmen, auf Wiedersehen, Herr KommissarDer Bürgermeister steigt aus und geht weg.
Schneider schaut ihm hinterher, ist das hier nicht die Post? Natürlich, der Bürgermeister hat sicherlich etwas zu erledigen. Der Kommissar macht schnell die Tür auf und guckt über seinen Wagen hinweg in Richtung Bürgermeister.
»Hey, Herr Bürgermeister! Gehen Sie nicht zu der Mordstelle! Nachher machen Sie sich verdächtig
Der Bürgermeister dreht sich gehetzt um.
»Ich wollte nur gucken, ob meine Brille noch da Ii...«, er hält erregt inne und wird rot.
»BitteDer Kommissar hat schlecht verstanden.
»Nichts! Ich gehe ja hier herEr zeigt dem Kommissar eine andere Richtung.
Der hellbraune, modische Wagen fährt weg. In ihm drin sitzt: Kommissar Schneider!

Bettina Bauernhure


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