>Info zum Stichwort Bochum | >diskutieren | >Permalink 
mod schrieb am 20.10. 2004 um 14:33:36 Uhr über

Bochum

Wildwest in Bochum

In Bochum stehen die Bänder still - immer noch. Die Belegschaft streikt gegen einen Arbeitsplatzabbau. Dieser wurde vom US-Management des Konzerns GM beschlossen und verkündet.

„Managementversagen“ tönt es aus den Megaphonen der Gewerkschafter.

Wilder Streikhält das Management in Pressemitteilungen dagegen.

Das merkwürdige ist: beide haben Recht und diskutieren dennoch an der Sache vorbei.

Managementversagen in diesem Fall war es wohl, dass die amerikanischen Manager für ein zwei kurze Meetings in Deutschland und ebensoclhen in anderen betroffenen europäischen Werken einschwebten und meinten in typisch US-Amerikanischer hire-and-fire-Mentalität den Abbau von tausenden von Arbeitsplätzen und die mögliche Schließung von Werkenverkündenzu können.

Dass sie hier als „Verkünder“ nicht besonders willkommen sein würden hätte man ihnen vielleicht vorab in einem Seminar überinternationales Managementerklären sollenwenn sie denn ein solches besucht hätten.

Interessant ist aber auch die Position der Gewerkschaften, Betriebsräte und Belegschaften, die glauben, mit einem tarifrechtlich verbotenen Streik in Wildwestmanier Arbeitsplätze schaffen zu können. Das interessante ist, sie werden damit Arbeitsplätze schaffen: Arbeitsplätze außerhalb Deutschlands natürlich und vermutlich auch außerhalb Europas. Auch hier hätte wohl ein Gewerkschaftsseminar überGrundlagen der Ökonomiewohltuende Wirkung bei allen Beteiligten gehabt, wenn denn eines angeboten worden wäre.

Warum aber geht all das an der Sache vorbei?

Nun, als eine Hauptursache für die Probleme bei GM wird mangelnde Qualität in der Vergangenheit konstatiert.

Qualität ist Sache der Manageralso: Managementversagen“ rufen die Belegschaften, Betriebsräte und Gewerkschaften nun im Chor und verweisen auf schlechte Produktpläne, krude Konstruktionen, miese Arbeitsorganisation und den Einkauf mangelhafter Materialien (Lopez-Effekt).

Nun könnte unsereins sich zurücklehnen und sagen: „Seht ihr, das ist es was wir seit 15 Jahren versuchen Euch beizubringen: Mangelhafte Qualität ist immer auf mangelhaftes Management zurückzuführen“. Wie wohl die Erkenntnis nicht neu wäre. Der Norddeutsche kennt diese Weisheit in Varianten alsDer Fisch stinkt immer vom Kopf her“, während der Schwabe sich eher auf die FormulierungDie Treppe kehrt man von oben nach untenverlegen würde.

Leider wird mit dieser Erkenntnis aber in diesem Fall aber »nur zur Hälfte ein Schuh draus«, wie der Westpfälzer sagen würde.

Mangelhafte Qualität wird im Management verursacht aber an den Fließbändern produziert.

Diese Weisheit möchte man besonders jenen Opel-Mitarbeitern ins Stammbuch schreiben, die viele Jahre lang ihre Löhne und Gehälter dafür kassierten, solch mangelhafte Qualität zu produzieren oder zu verkaufen. Denselben eben auch die in all den Jahren nicht gegen das Management aufbegehrten, das sie angeblich oder tatsächlich dazu gezwungen hatte.

Fazit: Hätten die GM-Mitarbeiter (mindestens jene) in Europa in den vergangenen Jahren mit der selben kompromisslosen Energie und dem selben emotionalen Enthusiasmus für eine höhere Qualität ihrer Produkte gestritten, mit der sie heute gegen den Abbau ihrer Arbeitsplätze kämpfen, wäre es wohl zu der heutigen Situation nicht gekommen.

Ich persönlich hätte gerne mal von einemwilden Streikgegen mangelhafte Qualität erfahren. Leider gab es einen solchen nie. Nicht nur bei Opel.

Und damit könnte ich nun den Kreis schließen, auf meinen Bericht über Qualitätsmängel an Fahrzeugen der Firma Volkswagen (und damit den nächsten Ort für mögliche wilde Streiks gegen Arbeitsplatzabbau, wegen „Managementversagens“) verweisen und mich zurücklehnen. Ich möchte das aber andererseits nicht tun ohne auch den Beschäftigten in meiner eigenen Branche noch einmal ins Bewusstsein zu rufen:

Mangelnde Qualität wird in den Vorstandsetagen beschlossen aber sie wird von Arbeitnehmern in mangelhafte Produkte umgesetzt.

Dagegen erst dann zu streiken, wenn die Arbeitsplätze wegfallen ist zu spät!

Oder um es mit Sir (Frederick) Henry Royce, dem technischen Spiritus Rektor und Gründer der Firma RollsRoyce zu sagen:

Die Qualität besteht noch, wenn der Preis längst vergessen ist.




   User-Bewertung: -2
Die Verwendung von Gross/Kleinschreibung erleichtert das Lesen!

Dein Name:
Deine Assoziationen zu »Bochum«:
Hier nichts eingeben, sonst wird der Text nicht gespeichert:
Hier das stehen lassen, sonst wird der Text nicht gespeichert:
 Konfiguration | Web-Blaster | Statistik | »Bochum« | Hilfe | Startseite 
0.0470 (0.0394, 0.0060) sek. –– 980136237